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Es ist noch Kohle da... Der Piesberg zeigt seine inneren Werte

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Osnabrück. Ohne die Piesberger Kohle wäre Osnabrück vielleicht gar keine Industriestadt. Dabei gab es hier schon Kohlegruben, lange bevor die Dampfmaschine erfunden war. Osnabrücks einstiger Bodenschatz zeigt sich heute ganz unverhüllt im Steinbruch. Als langes schwarzes Band, das sich vom helleren Gestein deutlich abhebt. Aber inzwischen ist Kohle nur noch eine lästige Störschicht.

„Das ist für uns, als hätte man das da hingebaut!“, freut sich Rolf Spilker, der Leiter des Museums Industriekultur, über das Panorama im Steinbruch. Kaum zu glauben, dass diese 80 Zentimeter dicke Anthrazitschicht die Stadtentwicklung beeinflusst hat. Das Flöz Johannisstein, das sich über den nördlichen Piesberg erstreckte, ließ sich nur mit großem Aufwand erschließen.

Der erste urkundlich erwähnte Kohlbrecher machte sich im 15. Jahrhundert auf die Suche nach dem Piesberger Anthrazit. Überall dort, wo das Flöz Johannisstein an die Oberfläche trat, entstanden Löcher, die man auch Pingen oder Pütten nannte. Sie wurden immer tiefer in den Berg getrieben. Von Arbeitern, die das fehlende bergmännische Know-how und Werkzeug mit Wagemut kompensieren mussten. Eine Zeichnung von 1650 lässt erkennen, dass damals schon brunnenartige Schächte angelegt wurden, um an das Flöz zu gelangen.

Mit der Piesberger Anthrazitkohle, die einen hohen Brennwert besitzt, wurden nicht etwa Wohnstuben beheizt, sondern in erster Linie Kalköfen bestückt. Der gewonnene Kalk war als Baumaterial unentbehrlich, vor allem für die Stadtbefestigung. Noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts blieb die Versorgung der Kalköfen mit Brennmaterial wichtigster Verwendungszweck für die Osnabrücker Kohle.

Für Rolf Spilker steht fest, dass die Piesberger Zeche selten auf der Höhe der Zeit war. Modernisierungsversuche scheiterten, Rückschläge häuften sich. Seit 1568 gehörte die Zeche der Stadt Osnabrück, aber nach einer kurzen Episode in eigener Regie verpachtete sie den Betrieb.

Die Ausbeute muss gering gewesen sein. Als sich der Pächter zu Beginn des 18. Jahrhunderts darüber beschwerte, ließ sich die Stadt auf eine Reihe von Investitionen ein, um das Flöz Johannisstein besser zu erschließen.

So entstanden zwei Stollen, die 1727 von der Nordseite in den Piesberg getrieben wurden. Der Lücker Stollen ist nach den Bergleuten aus dem belgischen Lüttich benannt, die mit Schießpulver umgehen konnten. Diese Profis sollten den Bergbau in Osnabrück voranbringen. Aber der Lücker Stollen war ein Flop. Die Kosten explodierten, die Kohle blieb aus.

Auch der gleichzeitig begonnene Mosberger Stollen – benannt nach einem Bergmann namens Mauersberg – erwies sich als Fehlinvestition. Die Arbeiten wurden gestoppt und erst sieben Jahre später wieder aufgenommen, inzwischen wieder unter der Regie der Stadt Osnabrück. 440 Fuß hinter dem Mundloch kam der Durchbruch. Aufzeichnungen von 1740 weisen aus, dass die Bergleute „hier oben die Kohlen gefunden“ haben. Die Kohlen aus dem Flöz Johannisstein.

„Im Grunde war es ein Rumstochern im Nebel“, sagt Museumsleiter Spilker zu den frühen Versuchen, an die Piesberger Kohle zu kommen. Von einem straff geführten Bergbau sei man in Osnabrück weit entfernt gewesen.

Die Unzulänglichkeiten blieben dem Magistrat der Stadt nicht verborgen. 1809 listete der Oberkirchener Berginspektor Frölich in einem Gutachten gravierende Fehler auf. Er bemängelte die zu langen Förderwege und die schlechte Belüftung, vor allem aber, dass man aus Unkenntnis über die Lagerverhältnisse „zwecklos in dem Gebirge herumschweift“. In der Piesberger Zeche werde nicht mit zeitgemäßen Markscheide-Instrumenten gearbeitet: „Diese Instrumente sind durchaus erforderlich, wenn man nicht ins Wilde hinein bauen, sondern einen regelmäßigen Grubenbau führen will.“

Das änderte sich erst, als Johann Rudolf Pagenstecher, ein Absolvent der Bergakademie Clausthal, ab 1831 die Piesberger Zeche modernisierte. Als Bergmeister modernisierte er den Betrieb grundlegend und verhalf so der Stadt Osnabrück zu stattlichen Einnahmen.

Obwohl die Osnabrücker Kohle einen hohen Brennwert hatte, konnte sie nach dem Bau der Eisenbahn nicht gegen die Ruhrgebietskohle konkurrieren. Die Zeche am Piesberg führte einen auf Dauer aussichtslosen Kampf gegen das eindringende Grubenwasser. Immer größere Pumpen und Dampfmaschinen mussten installiert werden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Der Georgsmarien-Bergwerks- und Hüttenverein, der die Zeche später übernahm, bekam das Problem nicht in den Griff. Als 1898 die Arbeiter streikten, wurde die Piesberger Zeche kurzerhand geschlossen. Damit war es vorbei mit dem Kohleabbau am Piesberg.

Der Steinbruch macht da weiter, wo die Bergleute aufgehört haben. Wer heute auf die Felsrippe steigt und den Blick schweifen lässt, kann das Flöz Johannisstein deutlich erkennen. Ja, es ist noch Kohle da!


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