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Anspannen und loslassen Tanztheater Stakkato: „MusikMachtTanz“ im Ameos-Klinikum

Von Uta Biestmann-Kotte

Im Kreuz der Silberbahnen: Stakkato. Foto: Egmont SeilerIm Kreuz der Silberbahnen: Stakkato. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Auftakt einer Tanzperformance der individuellen Art. In der späten Nachmittagssonne stehen die Zuschauer auf dem Areal des Ameos-Klinikums und blicken auf eine Installation aus leise knisternder Industriefolie, die sich kreuz und quer von Laterne zu Laterne spannt. Unter den Silberbahnen auf dem Rasen stehen sich sieben Tänzer in zwei Gruppen regungslos gegenüber. Das Tanztheater Stakkatao zeigte seine neue Produktion „MusikMachtTanz“.

In kriechenden Bewegungen, mit meditativ ausgestreckten Armen, wippendem Oberkörper oder eine Metallstange balancierend bewegen sich die fünf Tänzerinnen und zwei Tänzer zunehmend aufeinander zu. In den von Designerin Patricia Mersinger gefertigten Kostümen aus schwarzem Jersey mit unterschiedlichen Mustern aus Silberfolien-Applikationen wirken sie wie eine Einheit, in der gleichzeitig das Individuelle betont wird.

Der Tanz-Darbietung schließt sich eine Musik-Performance im Treppenhaus an, bei der Cellist Willem Schulz auf dem Rücken liegend den Bogen über die Saiten seines Instruments führt, Saxofonist Heinz Brockmann auf einem Pfeiler stehend spielt und Sängerin Hila A. Siebel die Performance mit dadaistisch anmutenden Lauten und Tönen begleitet.

Experimentelle Performance in unterschiedlichen Außen- und Innenräumen sowie die Verschmelzung von Tanz, Gesang und Livemusik gehören mit zum Konzept des semiprofessionellen Tanztheaters Stakkato. Im Rahmen der Konzertreihe „Sonntagskonzerte auf dem Gertrudenberg“ stellte Stakkato mit „MusikMachtTanz II“ die neue Produktion von Choreografin Erneste Junge im „Treffpunkt für Kunst und Kultur“ des Ameos-Klinikums vor. Beschleunigung und Entschleunigung als Aspekte von Zeit bildeten dabei den thematischen roten Faden, der viel Raum für eigene Interpretationen ließ.

Den Schluss bildete im Saal das Zusammenspiel von Tänzern und Musikern mit szenisch-tänzerischen Bewegungsbildern, die ebenfalls Projektionsfläche für unterschiedliche Interpretationen boten. So ließ sich etwa in der Gruppen-Performance der Tänzer Anja Köhler, Hannah Heuking, Beate Benninghoff, Mira Dadhe, Dorothee Albers und Heinz Schweer im Springen und Zu-Boden-Fallen die Wechselwirkung von Anspannung und Loslassen herauslesen. Tänzer Dirk David und Cellist Willem Schulz lieferten sich eine muntere Jagd. Und Heinz Schweer stellte den Satz „Das lass ich mal Eure Sorge sein“ tänzerisch in den Raum. Auch ein Bewegungsspiel für die individuelle Vorstellungskraft.


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