zuletzt aktualisiert vor

Oberbürgermeister empfängt islamische Wissenschaftler im Friedenssaal Türkische Süßigkeiten für Pistorius

Von Thomas Wübker

Tradition verbindet: Oberbürgermeister Boris Pistorius empfängt Islamgelehrte im Osnabrücker Rathaus. Die Gründe dafür liegen auch im Westfälischen Frieden. Foto: Elvira PartonTradition verbindet: Oberbürgermeister Boris Pistorius empfängt Islamgelehrte im Osnabrücker Rathaus. Die Gründe dafür liegen auch im Westfälischen Frieden. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Einen warmherzigen Empfang bereitete Oberbürgermeister Boris Pistorius jetzt etwa 30 Teilnehmern eines internationalen Symposiums am Zentrum für Interkulturelle Islamstudien an der Universität Osnabrück. Sie trafen sich, um im 50. Todesjahr von Bediuzzaman Said Nursi über den islamischen Religionserneuerer zu debattieren. Pistorius sagte, er habe die Professoren und Referenten offiziell im Friedenssaal des Rathauses empfangen wollen.

Die Gründe, warum sich der OB das Treffen mit den Islam-Gelehrten nicht nehmen lassen wollte, lägen in der Vergangenheit und der Gegenwart. Zum einen sei im Westfälischen Frieden von 1648, der im Friedenssaal verhandelt wurde, ein „erstmaliges Postulat für interreligiöse Toleranz verfasst“ worden. „Diesem Friedensschluss fühlen sich die Osnabrücker und die Stadt seit vielen Jahren verbunden“, sagte Pistorius.

Bediuzzaman (Deutsch: Gelehrter in seiner Zeit) Said Nursi gilt als Friedensstifter und Religions-Erneuerer. 1876 wurde er in Kurdistan geboren. Schon in seiner Jugend wurde er wegen seiner Intelligenz und seines Wissens gerühmt. In seinem Werk „Risale-i Nur“ (Deutsch: Sendschreiben des Lichts) forderte er drei Dinge: Bildung, eine vor allem ethisch geprägte Auslegung des islamischen Rechts „Scharia“ und eine Integration der modernen Naturwissenschaft in den Islam.

Nursi arbeitete zunächst an der Neugestaltung der Türkei unter Atatürk mit, überwarf sich jedoch später mit ihm, weil er nicht mit den nationalistischen Ansichten des türkischen Staatsgründers übereinstimmte. Später befürwortete Nursi eine Öffnung der Türkei gen Westen und die Demokratisierung des Landes. Der Bediuzzaman korrespondierte mit dem Papst und griechisch-orthodoxen Patriarchen, um eine Allianz gegen den Marxismus und den materialistischen Atheismus zu formen. Said Nursi starb am 23. März 1960 in der Türkei.

Das Miteinander der Religionen spiele auch in Osnabrück eine große Rolle, sagte Pistorius. „Wir müssen jeden Menschen so lassen, wie er ist.“ Er betonte jedoch, dass die Menschen die Gesetze und Sprache des Landes, in dem sie leben, achten und beherrschen müssten. Zudem sollten Eltern ihren Kindern die bestmögliche Bildung angedeihen lassen. An die Teilnehmer des Symposiums gerichtet, sagte der Oberbürgermeister: „Sie spielen eine zentrale Rolle, wie sie der Islam in unserem Land entwickelt.“

Avni Altiner, Vorsitzender der Schura Niedersachsen, des Landesverbandes der Muslime, bedankte sich für den Empfang und überreichte dem Stadtoberhaupt türkische Süßigkeiten. „Wir sind Bestandteil des Landes und bekennen uns zu der Verfassung“, sagte er.

Zu dem Symposium kamen laut Tagungsleiter Professor Bülent Ucar bis zu 250 Teilnehmer aus Deutschland, Europa und den USA. Die Tagung befasste sich mit den unterschiedlichen Facetten Said Nursis und reflektierte seine Gedanken zur Religion in der Moderne.


0 Kommentare