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Der richtige Blick Zum Tode von Neue-OZ-Fotograf Michael Hehmann

Von Dr. Berthold Hamelmann

<em>Michael Hehmann</em>
            

            

              Foto: Jörn MartensMichael Hehmann Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Michael Hehmann ist tot. Der Fotograf der Neuen Osnabrücker Zeitung starb im Alter von 52 Jahren völlig überraschend in einer Osnabrücker Klinik. Mit ihm verliert das Medienhaus einen erfahrenen, versierten Mitarbeiter, der fast 30 Jahre das Unternehmen in der Öffentlichkeit repräsentierte.

Immer auf der Suche nach dem richtigen Bildmotiv war er als Mitglied eines Teams von vier fest angestellten Fotografen bei all den großen und kleinen Terminen dabei, die das journalistische Tagesgeschäft prägen. Einen Presseausweis zur Legitimation bei Veranstaltern benötigte er längst nicht mehr. Michael Hehmann war bekannt als „einer von der NOZ“. Und er war erfolgreich unterwegs. Gerade erst im April dieses Jahres erhielt er den internen, monatlich vergebenen Herausgeberpreis der Neuen OZ in der Kategorie „Bestes Foto“ für seine Bilderstrecke in der Zeitung „Die Wirtschaft“, die das neue Logistikzentrum von Adidas in Rieste zeigte. Seine besondere (auch private) Verbindung und Nähe zu örtlichen Rettungs- und Hilfsorganisationen zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Vor wenigen Wochen erst erschien auf einer Doppelseite in der Neuen Osnabrücker Zeitung die große Reportage „24 Stunden auf dem Rettungswagen“ der Berufsfeuerwehr Osnabrück. Michael Hehmann lieferte nicht nur die Fotos, sondern auch die gesamte Idee und den Text.

Der Vater zweier erwachsener Kinder passte in keine Schablone, hatte Ecken und Kanten und war gleichzeitig ein Besessener, ein Tüftler, der allen technischen Dingen auf den Grund ging. Die schöne Theorie etwa, wonach ein Fotograf von jedem Ort der Region bei Wind und Wetter seine Fotos direkt in das Redaktionssystem zur Weiterverarbeitung schicken konnte, setzte das Medienhaus auch mit seinem Know-how um. Keine neue Digitalkamera, kein technisches Equipment, das er nicht testete und auf die speziellen (Foto-) Bedürfnisse des Unternehmens anpasste.

Aber der gelernte Fotograf blieb immer seiner Passion treu, suchte den besonderen Blickwinkel für seine Bilder. Lieber ein Foto zu viel als eines zu wenig, lautete die Devise des gebürtigen Osnabrückers. Wann immer ihn die Leidenschaft für ein Thema packte, schaute er nicht auf die Uhr, sondern machte sein Ding. Als vor einigen Monaten die Geburt einer Giraffe im Osnabrücker Zoo bevorstand, war er tagelang fast ununterbrochen vor Ort und lieferte – natürlich – die entscheidenden Bilder.

Fotografen sind oft auf sich alleine gestellt, Michael Hehmann war aber dennoch kein Einzelkämpfer. Und er besaß eine heute längst nicht mehr selbstverständliche Eigenschaft: Michael Hehmann war im höchsten Maße kollegial. Bei ihm klopfte niemand vergebens an. Wenn er helfen konnte, half er.

Wir werden unseren rauchenden, bärtigen, manchmal etwas bärbeißigen Kollegen sehr vermissen.