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Das Globe an der Sedanstraße Osnabrück: Briten-Kino weicht einer Bibliothek

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<em>Pink und Lila</em> erstrahlte der Saal des Globe nach einer Renovierung vor Jahrzehnten. Jetzt sind vom Briten-Kino an der Sedanstraße nur noch Trümmer übrig. Foto: H.- J. AmelungPink und Lila erstrahlte der Saal des Globe nach einer Renovierung vor Jahrzehnten. Jetzt sind vom Briten-Kino an der Sedanstraße nur noch Trümmer übrig. Foto: H.- J. Amelung

Osnabrück. Das alte Globe-Cinema an der Sedanstraße ist Geschichte. Es wird momentan abgerissen. Das Kino für die britischen Soldaten war tabu für die Osnabrücker. Einer hat es dennoch geschafft, dort Filme im Original zu sehen. Auf dem Grundstück wird die neue Bibliothek für die Hochschule und die Universität gebaut.

„Das ist bitter“, sagt Reinhard Westendorf spontan, als er vom Abriss des alten Globe-Cinemas erfährt. Der Osnabrücker Kino-Experte kennt das Lichtspielhaus seit den Achtzigerjahren und hat dort Filme in englischer Sprache gesehen, bevor sie hier anliefen. „Offiziell durfte da keiner Deutscher rein“, erinnert sich Westendorf. Weil er aber den Kinoleiter kannte und ihn höflich um Einlass bat, durfte er im altehrwürdigen Saal Platz nehmen.

Westendorf berichtet, das Globe sei etwa 1960 eröffnet worden. Damals habe es rund 400 Besuchern Platz geboten. Vorher habe es ein britisches Kino an der Ellerstraße gegeben, das aber 1980 geschlossen wurde. Nach einer Renovierung erstrahlte der Kinosaal in einer lila-pinkfarbenen Dekoration.

„Da habe ich mit drei anderen Leuten ,Clockwork Orange‘ gesehen“, erinnert sich Westendorf schmunzelnd und erzählt, dass er vor den Filmvorführungen seinen Ausweis abgeben musste und durchsucht wurde. Er vermutet, dass dies an dem Terroranschlag der IRA lag, der unweit des Globe stattgefunden hat. Später sei das Kino für die Öffentlichkeit beim Osnabrücker Filmfest geöffnet worden, so Westendorf.

Nach dem Abzug der britischen Armee stand das Globe Cinema seit Juli 2008 leer. Studenten des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück (IfM) richteten den Saal wieder her.

„Er hatte einen morbiden Charme der Sechzigerjahre, er war richtig schön“, sagt Klaus Terbrack, der für den Kulturverein Fokus und das IfM tätig ist. Der Saal, der auch über eine Bühne verfügte, habe insbesondere für klassische Konzerte einen sehr guten Klang gehabt, so Terbrack.

Den Abriss sieht Terbrack unsentimental. „Es war toll, aber man kann nicht erwarten, dass das Kino zwischen all den Neubauten stehen bleibt.“

Die Musik-Studenten haben inzwischen ein neues Zuhause gefunden: die ehemalige Mensa der britischen Offiziere am Limberg. Dort findet am 14. April eine Veranstaltung mit dem Titel „snapshots“ statt. Dann trifft Tanztheater auf Musik und Improvisation.

Auf dem Gelände des Kinos wird das Gebäude errichtet, in dem sich die Bibliotheken der Hochschule und der Universität befinden werden. Ende 2015 soll der Bau laut Uni-Sprecher Utz Lederbogen fertiggestellt sein.


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