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Bilder aus Rohöl gegen BP-Aktie BBK zeigt Konzeptkunst des Münsteraner Künstlers Ruppe Koselleck

Von Tom Bullmann

„Sie kaufen Kunst und ich BP“ ist sein Slogan: Ruppe Koselleck. Foto: Klaus Lindemann„Sie kaufen Kunst und ich BP“ ist sein Slogan: Ruppe Koselleck. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Es gibt Kunst, die den Betrachter rein ästhetisch anspricht, sein Bedürfnis nach Schönheit und Erbauung befriedigt. Und es gibt Kunst, die provokant aneckt, möglicherweise sogar gesellschaftlich-politisch motiviert ist, Veränderungen evoziert.

Zu letzterer Gattung gehört die Konzeptkunst des Münsteraner Künstlers Ruppe Koselleck. „Sie kaufen Kunst und ich BP“, ist sein Slogan. Um die Macht global agierender Ölmultis zu zerschlagen, plant er deren feindliche Übernahme. Als erstes Opfer hat er BP auserkoren, den Konzern, der beispielsweise für die havarierte Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko verantwortlich zeichnete.

Kosellecks Strategie ist relativ einfach: Überall auf der Welt sammelt er Rohöl-Klumpen vom Strand auf. Dieses Material benutzt er zur Herstellung seiner Bilder, die er verkauft – zum Gegenwert von BP-Aktien, berechnet nach deren Tageskurs. 50 Prozent des Erlöses verwendet er tatsächlich für den Kauf von BP-Aktien. 2612 Anteilsscheine hat er seit dem Start seiner Aktion „Time to takeover BP“ im Jahr 2001 bereits gekauft. Dass es sich dabei eher um eine symbolische Beteiligung handelt, erkennt man allein an seiner Berechnung, dass er voraussichtlich weitere 743 Jahre braucht, bis er den Konzern geschluckt hat.

Unter dem Titel „Rohes Öl – Raue Sitten“ eröffnet Koselleck heute Abend im BBK-Kunst-Quartier eine temporäre Filiale seines Kunstkonzerns. Dort sind sie zu sehen, die Bilder aus Rohöl, in die er getrocknete japanische Fische, westfälisches Pumpernickel oder Pommes frites impliziert. Dort hat er sein „Delfinarium“ und sein „Haifischbecken“ aufgestellt, in denen er „Alcanivorax borkumensis“ züchtet, Erdöl abbauende Bakterien, die überall in den Weltmeeren vorkommen, wo es Ölverschmutzung gibt. Dort hat er auch seinen Arbeitsplatz eingerichtet, an dem er ganz spezielle Petrodollars herstellt und vom BP-Firmenlogo auf einem Benzinkanister Frottagen abreibt.

Ruppe Koselleck fährt mit seiner Konzeptkunst zweigleisig: Einerseits versteht er sich als bildender Künstler, der mit ganz speziellen „Öl-Farben“ arbeitet, andererseits begibt er sich mit Konzept und Vermarktung seiner Kunst in ein agitatorisches Umfeld, in dem spätkapitalistische Systeme und ökologischer Raubbau angeprangert werden – und das alles mit einem mächtigen Augenzwinkern.

BBK-Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „take over BP – feindliche Übernahme von BP“. Konzeptkunst und Objekte von Ruppe Kosellek. 8. Februar (Eröffnung um 19 Uhr) bis 3. März, Di., Mi. und Fr. 14–18 Uhr, Do. 15–20 Uhr, Sa. 11–15 Uhr. Infos im Internet unter www.bbk-osnabrueck.de