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„Lesen bildet im Vorbeigehen“ Wissenschaftler der Universität Osnabrück stellen Begleitstudie zur Initiative „Zukunft Bilden“ vor

Von Cornelia Achenbach

Wissen Azubis mehr, wenn sie Zeitung lesen? Diese Frage beschäftigt Erziehungswissenschaftler Prof. Thomas Bals, Neue-OZ-Geschäftsführer Laurence Mehl, Gerhard Lange vom niedersächsischen Kultusministerium, Michael Prior, Geschäftsführer der Bohnenkamp-Stiftung, Germanistin Prof. Christina Noack, Reinhard Winter, Landrat des Landkreises Emsland, die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Marina Root und Heike Hinrichs sowie Neue-OZ-Geschäftsführer Christoph Niemöller. Foto: Gert WestdörpWissen Azubis mehr, wenn sie Zeitung lesen? Diese Frage beschäftigt Erziehungswissenschaftler Prof. Thomas Bals, Neue-OZ-Geschäftsführer Laurence Mehl, Gerhard Lange vom niedersächsischen Kultusministerium, Michael Prior, Geschäftsführer der Bohnenkamp-Stiftung, Germanistin Prof. Christina Noack, Reinhard Winter, Landrat des Landkreises Emsland, die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Marina Root und Heike Hinrichs sowie Neue-OZ-Geschäftsführer Christoph Niemöller. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Kann die regelmäßige Lektüre einer regionalen Tageszeitung die Lesekompetenz Auszubildender verbessern? Mit dieser Frage beschäftigen sich Wissenschaftler der Universität Osnabrück in einer Begleitstudie zu der Initiative „Zukunft Bilden“.

410 Auszubildende aus der Region erhalten ein Jahr lang die Neue Osnabrücker Zeitung oder eine ihrer Regionalausgaben als Abo kostenlos nach Hause geliefert. Zudem gibt es einen monatlichen Bildungsbrief mit journalistischen Themenschwerpunkten und Mitmachaktionen. So sollen junge Menschen dazu motiviert werden, regelmäßig zu lesen und sich über das aktuelle Geschehen zu informieren. Finanziell unterstützt wird das Projekt von Initiatoren und Partnern. Die wissenschaftliche Begleitforschung wird von der Osnabrücker Friedel-und-Gisela-Bohnenkamp-Stiftung mit 50000 Euro unterstützt.

„Ich weiß aus Kundengesprächen, wie wichtig es ist, über Themen wie Griechenland oder die Eurokrise, aber auch über Regionales Bescheid zu wissen. Wenn ich da nicht mitreden kann, möchte mein Kunde am Ende einen anderen Berater“, sagt Stefan Marquart, Auszubildender bei der Sparkasse, bei der Vorstellung des Forschungsansatzes im Medienhaus Neue OZ. Doch: „Eine gute Zeitung kann nur dann ihren Nutzen entfalten, wenn sie auch gelesen wird“, ergänzt Gerhard Lange vom niedersächsischen Kultusministerium.

Ob sie denn auch gelesen wird und welchen Nutzen dieses Lesen bringt – das ist nun Sache der Wissenschaftler. Prof. Thomas Bals vom Institut für Erziehungswissenschaften und Prof. Christina Noack vom Institut für Germanistik der Uni Osnabrück leiten gemeinsam die Studie zur Erfassung der Lesekompetenz der Auszubildenden, die sich methodisch an die PISA-Studie anlehnt. Heißt: Es wird kein Faktenwissen abgefragt. Lesekompetenz bedeutet, Texte zu verstehen, denn „nicht alles, was der Text meint, wird auch explizit in ihm erwähnt“, so Marina Root, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistik. Informationen aus dem Text müssen auch mit dem eigenen Erfahrungs- und Weltwissen verknüpft werden. Root nennt ein Beispiel: Wer einen Text über illegale mexikanische Einwanderer in den USA erfassen will, der muss auch wissen, dass es eine gemeinsame Grenze zwischen den USA und Mexiko gibt und wie es um die sozialen Unterschiede zwischen den beiden Ländern bestellt ist.

Die Wissenschaftler wollen zu zwei Zeitpunkten im Abstand von acht Monaten Lesetests und Interviews mit den Auszubildenden durchführen. Die erste Erhebung soll bereits im Dezember erfolgen. Mit ersten Ergebnissen ist Ende 2012 zu rechnen.

Reinhard Winter, Landrat des Landkreises Emsland, glaubt an den Erfolg der Bildungsinitiative und zitiert einen Auszubildenden des emsländischen Landmaschinen-Produzenten Krone: „Der junge Mann meinte, dass gerade in Zeiten von sozialen Netzwerken Lesen immer wichtiger werde. Es heiße ja schließlich auch, man sei belesen – und nicht betwittert.“ Winter betont zudem, dass Bildung der Schlüssel zu Selbstvertrauen und Erfolg bleibe und gerade in Zeiten von Fachkräftemangel gefördert werden müsse.

„Lesen bildet im Vorbeigehen“, findet auch Neue-OZ-Geschäftsführer Christoph Niemöller, und: „Es macht Spaß.“


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