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Film zeigt „OsnabrückerFrauenLeben“ Kampf um Anerkennung

Von Matthias Berger

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Sie einen der Migrationshintergrund und der Kampf um Anerkennung: die Protagonistinnen des Projekts „OsnabückerFrauenLeben“ bei der Filmpremiere.Foto: Egmont SeilerSie einen der Migrationshintergrund und der Kampf um Anerkennung: die Protagonistinnen des Projekts „OsnabückerFrauenLeben“ bei der Filmpremiere.Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Sechs Frauen, sechs Herkunftsländer, zwei Gemeinsamkeiten: Selma Ulgur, Niema Atta Keiar-Toka, Rosa Friesen, Gabriele Staijer, Nadia Dris-Paul und Anca-Gabriela Lelutiu leben als Menschen mit Migrationshintergrund in Osnabrück. Und sie sind die Protagonistinnen des Dokumentarfilms „OsnabrückerFrauenLeben“.

In dem vom Gleichstellungsbüro der Stadt und der Vernetzungsstelle „Migrantinnen in Niedersachsen“ geförderten Film berichten die sechs Frauen, wie sie sich trotz vieler Hindernisse in Deutschland behauptet haben. „Der Glaube hat mir sehr viel Halt gegeben. Am Anfang war alles neu für mich hier in Deutschland“, erzählt Rosa Friesen, die in Russland geboren wurde. „Mittlerweile fühle ich mich hier sehr wohl. Nur dass ich keine Berufsanerkennung habe, stört mich.“

Der Kampf um die berufliche Anerkennung ist ein zentrales Motiv des Films. Friesen hat in Russland Biologie und Geografie studiert und sich in Deutschland auf eine Stelle als Biolehrerin beworben. Doch ihr Abschluss wird nicht anerkannt. „Es wird mit zweierlei Maß gemessen. Die Abschlüsse aus Amerika werden anerkannt, die aus dem ehemaligen Ostblock nicht“, sagt Friesen, die als Frauenberaterin für den Exilverein arbeitet.

Ihr Schicksal teilt Niema Atta Keiar-Toka, die in Eritrea geboren wurde und in Saudi-Arabien aufgewachsen ist: „In Deutschland werden die Abschlüsse aus dem Ausland niedriger eingestuft. Mein Abitur zählt nur wie ein Realschulabschluss.“ Um studieren zu können, musste sie ihr Fachabitur durch eine Ausbildung zur Erzieherin nachholen. Doch auch dabei stieß die gläubige Muslimin auf Schwierigkeiten, denn viele Stellen wiesen sie wegen ihres Kopftuchs ab. Doch Keiar-Toka hat sich durchgekämpft. Mittlerweile studiert sie soziale Arbeit und arbeitet für den Exilverein.

Die Idee zu dem Film kam Regisseurin Karin Alquino durch die Arbeit an einem internationalen Frauenkalender, bei der sie Frauen mit Migrationshintergrund kennenlernte, die Probleme mit ihrer beruflichen Anerkennung hatten.

Kritik an Sarrazin

„Der Film ist dazu da, zu zeigen, dass es auch ein anderes Bild von Integration gibt. „Ich fühle mich durch Sarrazin nicht vertreten“, erklärt Alquino. „Es ist wichtig, ins Gespräch zu kommen. Ein Film ist nachhaltig, ihn kann man immer wieder zeigen, und er wirft Fragen auf.“

„Ich kann das Wort Integration nicht mehr hören“, ärgert sich Keiar-Toka über die durch Thilo Sarrazin entfachte Debatte. „Als Muslimin wird man wegen seiner Religion unter Generalverdacht gestellt. Vor dem Zweiten Weltkrieg hat man auch damit angefangen, Menschen nach Rasse und Religion zu sortieren. Auf der Straße komme ich mir teilweise wie eine Außerirdische vor. Ich wünsche mir, dass wir offener miteinander umgehen und den Menschen so akzeptieren, wie er ist.“


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