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Musikalische Ménage-à-trois Herrlich unkonventionell: Trio BEM! im Osnabrücker Zimmertheater

<em>Als Straßenmusiker:</em> BEM!-Trio. Foto: Egmont SeilerAls Straßenmusiker: BEM!-Trio. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Die Tuba als Störfaktor. Während das Saxofon spielende Luder Marlene (Miriam Dirr) den vermögenden Edgar (Enno Kraus) an seinem Keyboard bezirzt, unterbricht Latin-Macho Branko (Benjamin König) mit seinen schräg geblasenen Tönen die vordergründige Zweisamkeit.

Auch sonst ging es in der Musiktheaterperformance des jungen Berliner Trios BEM! melodisch herrlich unkonventionell zur Sache. Mit ihrem Programm „Some like it BEM!“ gastierten Benjamin König (Tuba), Enno Kraus (Klavier) und Miriam Dirr (Saxofon) am Donnerstag im ersten unordentlichen Zimmertheater und nahmen dabei den Begriff „Klangkörper“ ziemlich wörtlich.

Der Name BEM!, der sich aus den Vornamen der drei Künstler ableitet und außerdem im Portugiesischen „gut“ bedeutet, wurde hier zum Programm. Denn ebenso gut wie originell war das, was BEM! seinem Publikum in zwei Programmteilen an musikalisch-pantomimischen Vielseitigkeiten bot.

Während das Trio im ersten Teil als scheinbar improvisierende Straßenmusiker mit Salonmusik der 1920er-Jahre, lasziven Tango- und Foxtrottmelodien oder flotte- Bossa-nova-Rhythmen aufspielte, entwickelte sich der zweite Teil zu einer dramatischen „Trioperette“. In der die allzu materialistisch eingestellte Marlene mit Latino-Macho Branko und dem adligen Strumpf-Fetischisten Edgar eine ebenso dekadente wie tragikomische Ménage-à-trois bildete.

Ohne Worte und mit parodistisch eingesetztem Instrumentenspiel konnte Brankos Tuba dabei durchaus auch als Phallussymbol verstanden werden, während sich Marlenes erotischer Seitensprung mit ihrem Latino-Lover hinter einem Vorhang in ihren immer höher gespielten Saxofon-Tönen ausdrückte. Einfach gut oder einfach BEM!

Eine Fortsetzung des Liebesdramas mit offenem Ende soll noch folgen.


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