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Islands Elfenbeauftragte Erla Stefánsdóttir kämpft vor allem für den Erhalt der bedrohten Natur Wo in den Felsen Elfen wohnen

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Osnabrück/Reykjavík. Es gibt sie tatsächlich, Islands Elfenbeauftragte. Doch mittlerweile hat Erla Stefánsdóttir keine Lust mehr, ständig Fragen zu Feen, Trollen, Kobolden und anderen Naturgeistern zu beantworten. „Sie hat einfach genug davon. Erla ist 75 und hat unzählige Geschichten dazu erzählt“, sagt Ólafur Pétursson, so etwas wie der Berater und Bruder im Geiste der isländischen Berühmtheit.

60 Prozent der Wikinger glauben an Elfen, weitere 30 Prozent halten ihre Existenz immerhin für möglich. Was durchaus Folgen haben kann. Wenn Erla ihr Veto einlegt gegen Straßenbaumaßnahmen, weil sie in dem betreffenden Gebiet Naturgeister vermutet, wird die Aktion nicht selten gestoppt. Im Bauamt der Hauptstadt Reykjavík gibt es Stadtpläne und Landkarten von verborgenen Welten, auf denen zum Beispiel elfenverdächtige Stellen markiert sind. Von Erla Stefánsdóttir höchstpersönlich. Die alte Dame glaubt, dass Menschen und geheime Wesen harmonisch zusammenleben können, wenn sie Rücksicht aufeinander nehmen.

Das ist nicht immer der Fall. In einem ihrer seltenen Interviews wies sie vor vier Jahren auf einen Vorfall am Ende der Straße Laugarvegur hin, wo ein großes Autohaus gebaut werden sollte. Mehrere Leute seien vom Gerüst gestürzt und hätten sich verletzt. „Die Bauleitung rief mich, und ich entdeckte Elfenhäuser in den Felsen neben der Baustelle.“ Arbeiter hatten Farbe darauf gekippt, Müll und Baumaterial dorthin geworfen.Es sei eine Riesensauerei gewesen. Auf ihren Rat hin wurden die Felsen gesäubert, und es gab fortan keine Probleme mehr. Ein weiteres Beispiel findet man in der Stadt Grundarfjörður. Zwischen den Häusern Nr. 82 und Nr. 86 der Hauptstraße liegt ein großer Felsen, denn in Nr. 84 wohnen Elfen.

Diese und andere Geschichten nähren gewisse Zweifel, lassen sich auch touristisch gut vermarkten. In den isländischen Souvenirshops sind Elfen und Trolle gefragt. Die Puppen gehen weg wie nichts. Ebenso Elfenkarten. Ausländische Besucher mögen moderne Sagen über Huldofólk – das sind für Normalsterbliche unsichtbare Wesen. Laut Frau Stefánsdóttir sind sie zwei Fingerbreit groß und haben kleine Flügelpropeller auf dem Rücken.

Die Fabelgeschichten der Elfenbeauftragten haben aber auch einen ernsten Hintergrund. „Sie will vermitteln, dass dieser Planet lebt und dass es so viel mehr an Natur gibt, als mit dem bloßen Auge erkennbar ist“, erklärt Ólafur Pétursson im Namen von Erla Stefánsdóttir. Sie geht – wahrscheinlich zu Recht – davon aus, dass sich Stadtbewohner mehr und mehr von der Natur entfernen. Viele Menschen nähmen das fehlende Grün der Blätter ebenso wenig wahr wie das nachlassende Zwitschern der Vögel. Sie würden ein ganzes Spektrum von gutartigen Energien, die ihre Gesundheit und ihren Geist beträfen, ignorieren. Lebensräume würden zunehmend zerstört. Bulldozer und Bagger machten jahrhundertealte Häuser, Schulen, Kirchen und Burgen dem Erdboden gleich. Eine Warnung, die nicht von der Hand zu weisen ist. Insofern will Erla Stefánsdóttir, die eigentlich Klavierlehrerin ist, mit ihren Fabelgeschichten über Fabelwesen auch ein bisschen die Augen öffnen.


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