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Schillernde Persönlichkeit Edelsteine und Immobilien: Der Wulff-Förderer Egon Geerkens

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Egon Geerkens und seine Frau Edith auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue in Berlin im Juli 2011. Die öffentliche Kritik an einem Privatkredit für Bundespräsident Christian Wulff ist aus der Sicht des Osnabrücker Geschäftsmanns Egon Geerkens falsch. Von dessen Frau Edith hatten Christian und Bettina Wulff ein günstiges Darlehen über 500.000 Euro angenommen. Foto:  dpaEgon Geerkens und seine Frau Edith auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue in Berlin im Juli 2011. Die öffentliche Kritik an einem Privatkredit für Bundespräsident Christian Wulff ist aus der Sicht des Osnabrücker Geschäftsmanns Egon Geerkens falsch. Von dessen Frau Edith hatten Christian und Bettina Wulff ein günstiges Darlehen über 500.000 Euro angenommen. Foto: dpa

Osnabrück. Darf ein Ministerpräsident einen Privatkredit annehmen? Und im Landtag die Frage nach den geschäftlichen Beziehungen zu seinem Freund Egon Geerkens verneinen, weil der Kredit mit dessen Ehefrau vereinbart wurde? Die Bewertungen über das Verhalten des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff gehen weit auseinander. Sicher ist, dass sein Freund und Förderer Geerkens eine Persönlichkeit mit schillernden Seiten ist.

Wulff hatte 2010 im Landtag auf die Frage nach einer Geschäftsbeziehung zu Geerkens prinzipiell wahrheitsgemäß geantwortet, dass es keine Geschäftsbeziehung gebe. Nicht erwähnt hatte der damalige Ministerpräsident allerdings, dass er und seine Frau Bettina von der Gattin des Unternehmers ein Darlehen eine halbe Million Euro erhalten hatten, um ein Haus in Burgwedel zu kaufen. Den privaten Kredit habe Wulff, so die "Bild"-Zeitung, - im Februar 2010 - nur Tage nach der Anfrage im Landtag und wenige Monate vor der Bundespräsidentenwahl - durch einen Bankkredit abgelöst.

 

Auf Besuch in Florida

Bereits im Jahr 2009 hatte eine weihnachtliche Flugreise von Christian Wulff nach Miami für Schlagzeilen gesorgt. Sein Gastgeber in Florida war damals sein Freund und  Ehemann seiner Geldgeberin  Egon „Bubi“ Geerkens.

Der Osnabrücker Geschäftsmann machte sein erstes Geld buchstäblich mit Schrott, bevor er auf Edelmetall umstieg: 1972 übernahm er ein Juweliergeschäft mit An- und Verkauf von Emil Gudemann und führte es nach kleinen Anfängen über mehrere Stationen im großen Stil fort. Zuletzt residierte seine Firma Juwelier Gudemann an der Ecke von Krahnstraße und Theaterpassage.

 

Denkwürdiger Kriminalfall

Dort ereignete sich auch am 11. April 1995 ein denkwürdiger Kriminalfall: Morgens um 4.51 Uhr explodierte vor der Tür des Geschäftes eine Sprengladung: Drei vermummte Täter hatten eine Bombe gezündet, um sich so gewaltsam Einlass zu verschaffen. Allein der Sachschaden am Gebäude wurde auf 200 000 D-Mark beziffert. Geerkens taxierte den vermissten Schmuck und Edeluhren anschließend auf „weit über 100 000 Mark“. Und die Beute wäre noch höher ausgefallen, wenn das Einbrecher-Trio nicht einen bereits prall gefüllten Rucksack auf der Flucht verloren hätte.

Neben Gold und edlen Steinen hatte Egon Geerkens zu dieser Zeit bereits erhebliches Geld in Immobilien investiert. Zusammen mit einem Partner entwickelte er die Theaterpassage (Investitionssumme zehn Millionen DM) und holte zur Eröffnung sogar Hannelore Kohl und Thomas Gottschalk nach Osnabrück. Später verkaufte er dieses innerstädtische Filetstück dann an die Iduna-Versicherungen. Gemeinsam mit einem anderen Osnabrücker Immobilienentwickler war Geerkens an der Markthalle am Nikolaiort beteiligt. Auch im spanischen Marbella war er zeitweilig tätig. Noch 2010 gehörte Geerkens ein erheblicher Teil der Sanierungs-Neubauten an der Dielingerstraße.

Er selbst, auch das gehört zu dem Bild seiner Persönlichkeit, baute sich seinerzeit in den wilden 70er-Jahren ein Penthouse am Nikolaiort. Augenzeugen berichten, die Badewanne musste damals extra mit einem Autokran in die sechste Etage gehievt werden – und sie habe goldene Wasserhähne gehabt. Was im behäbig-sittenstrengen Osnabrück schon für Stirnrunzeln sorgte.

Heute lebt Egon Geerkens nach Angaben aus Osnabrücker Geschäftskreisen in Luzern in der Schweiz, pflegt aber noch regelmäßig seine alten Kontakte in Osnabrück. Sein Osnabrücker Geschäft ist inzwischen aus dem Handelsregister gelöscht.

 

Skatbruder seines Stiefvaters

Die Verbindung zu Christian Wulff, dessen Trauzeuge Egon Geerkens 1988 gewesen ist, geht übrigens bis in die Jugendzeit des späteren Ministerpräsidenten zurück: Geerkens, der Skatbruder seines Stiefvaters, wurde nach der Trennung der Eltern zu einem väterlichen Freund und Förderer für Christian Wulff. Jetzt holt ihn diese Freundschaft ein. Wieder mal...


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