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Essen in netter Gesellschaft Fünf Jahre Diakonie-Bistro an der Lohstraße

Von Ulrike Schmidt

Gruppenbild mit Suppentopf (von links): Bettina Dreyer, Katja Riesmeier, Monika Jörling, Hinrich Haake, Tanja Bernard, Karin Heuwer und Georg Ohl. Foto: Michael HehmannGruppenbild mit Suppentopf (von links): Bettina Dreyer, Katja Riesmeier, Monika Jörling, Hinrich Haake, Tanja Bernard, Karin Heuwer und Georg Ohl. Foto: Michael Hehmann

Osnabrück. Es ist ein wenig eng, aber gemütlich im Diakonie-Bistro. Wie immer sind fast 50 Gäste da. Das Besondere an diesem Tag ist aber, dass Walhalla-Koch Georg Ohl in der Küche steht. Und zum Nachtisch gibt es selbst gebackenen Kuchen vom Kirchenvorstand St. Marien.

Fünf Jahre gibt es das Diakonie-Bistro an der Lohstraße. Hier bekommen Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, ein schmackhaftes Mittagessen zum Preis von 1,50 Euro. Preiswert ist es, aber nicht billig: Die Gäste müssen sich nicht wie in einer Kantine anstellen, sondern werden am Tisch bedient. Die Würde des Menschen ist unantastbar, auch die Würde des armen Menschen.

Karin Heuwer war 2008 die treibende Kraft zur Einrichtung des Bistros. „Damals wurde in den Zeitungen viel über arme Menschen geschrieben“, erinnert sie sich in einem kleinen Film über die Einrichtung.

Seit Jahrzehnten ist die ehemalige Oberin des Klinikums Osnabrück in der Diakonie ehrenamtlich aktiv, unter anderem auch im Kirchenvorstand von St. Marien. Dort warb sie für das Projekt, das vor allem älteren Menschen ein gutes Essen und Gesellschaft bietet. Auch bei Hinrich Haake, dem Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Osnabrück, lief Heuwer offene Türen ein. Im Café Oase, Osnabrücks alkohol- und drogenfreiem Treffpunkt, fanden sich die geeigneten Räume.

Zum Jubiläum spendet das Hotel Walhalla einen Eintopf. „Wir machen das gerne als Nachbarn und Mitglied der Mariengemeinde“, sagt Chefin Tanja Bernard: „Das nächste Mal kann es auch etwas anderes sein.“

Sonst kommt das Essen montags bis freitags aus der Küche des Pflegeheims Heywinkelhaus. 3,30 Euro kostet eine Mahlzeit, die Differenz zum Verkaufspreis von 1,50 Euro beläuft sich jährlich auf rund 36000 Euro. 15000 Euro tragen die Evangelischen Stiftungen bei, den Rest müssen Gemeinde und Diakonisches Werk einwerben. Heuwer und Haake freuen sich besonders, wenn Osnabrücker auf Geburtstagsgeschenke verzichten und stattdessen um Spenden für das Diakonie-Bistro bitten. „Die Leute schätzen es, dass ihre Unterstützung direkt vor Ort hilft“, sagt Heuwer.

Spenden in Form von ehrenamtlicher Arbeit geben die Mitglieder der Kirchengemeinde, indem sie montags bis freitags die Gäste bedienen. Auch vorbereiten, abräumen und spülen gehört zu den Aufgaben der Ehrenamtlichen unter der Regie von Bürgerarbeiterin Monika Jörling.

80 Prozent sind Stammgäste. So wie Manuel, der auch schon mal neue Gäste mitbringt, von denen er weiß, dass sie alleine sind und finanziell kaum über die Runden kommen. Renate besucht in der Lohstr. 65 nicht nur das Diakonie-Bistro. Als Mitglied des Blauen Kreuzes geht sie dort zu den Gruppentreffen und engagiert sich im Café Oase. „Für mich ist das hier wie eine Familie“, sagt die alleinstehende Frau.


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