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„Von innen nach außen“ Stahlrasen vor: Neue Duett-Ausstellung des BBK Osnabrück

Annie Fischer (links) und Angelika Klemme im Kunst-Quartier. Foto: Jörn MartensAnnie Fischer (links) und Angelika Klemme im Kunst-Quartier. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Auf einer runden Stahlplatte, die leicht schief im Raum hängt, befindet sich etwas, was wie ein Stück Rasen aussieht – wären die einzelnen Gräser nicht aus glänzendem Metall. Das futuristische Stück gewebten Stahlrasens steht in starkem Kontrast zu diversen Landschaften, die in Öl gemalt an der Wand hängen. „Von innen nach außen“ ist der Titel der neuen Duett-Ausstellung des Bundes Bildender Künstler (BBK Osnabrück) im Kunstquartier. Auch wenn die Bilder und Objekte sehr unterschiedlich daherkommen, legen sie Zeugnis von der Motivation zweier Künstlerinnen ab, äußere Einflüsse, die auf sie hereinstürmen, mental zu verarbeiten und mithilfe ihrer Werke zu künstlerischen Statements zu machen, die sie wiederum der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Angelika Klemme aus Osnabrück und Annie Fischer aus Stade-Cuxhaven sind diesmal die BBK-Mitglieder, die hier ihre Positionen aufeinanderprallen lassen. Während sich der Drang zum Experiment bei den Objekten Fischers auf den ersten Blick erschließt, arbeitet Klemme bezüglich der Technikerkundung subtiler.

Was bei ihr nach Malerei aussieht, kann sich recht bald als Fotografie entpuppen. Oder als Reproduktion eines gemalten Werkes auf handgeschöpftem Papier. Oder als am Computer bearbeitetes Bild. Gerade bei der Komposition einzelner Bildelemente zu einer größeren Collage mixt Klemme die unterschiedlichsten Quellen und Bildträger. Wie beispielsweise in dem Exponat mit dem Titel „Nocturne“. Hier wählte sie als Motiv Stofffetzen, die an Mull erinnern. Durch die künstlerische Bearbeitung mutieren die textilen Gebilde zu vorsintflutlichen Ur- oder Fabelwesen, Einzellern, die ihre Herkunft verschweigen und die Fantasie des Betrachters beflügeln.

Bei den Objekten Fischers ist man über die assoziative Animation hinaus bemüht, den handwerklichen Aspekt ihrer Arbeiten zu ergründen. Dazu ist es hilfreich zu wissen, dass die Künstlerin eigentlich Bildweberei gelernt hat, die konventionelle Herstellung von Wandteppichen aber schon bald ad acta gelegt hat, um sich der Kunst zu widmen. So stellt sie unter dem Titel „Textile Botschaften“ Hemden aus Metall-Gaze oder Kunststoffgewebe her, an denen sie Sisalfäden, Garne, Rosshaar und andere Materialien appliziert.

Kleider, die in der Regel als Schutz gegen äußere Einflüsse gedacht sind, werden hier zu abstrakt-durchlässigen Kimonos, die eher dazu dienen, eine fantastische Fassade zu errichten. Bei dem rund gewebten „Arkadischen Traum“ wird die Hoffnung auf ein besseres, idealisiertes Leben negiert, und mit dem Objekt „Refugium“ kombiniert Fischer urwüchsige Natur und urbane Umgebung mit kunsthandwerklichen Positionen.

BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „Von innen nach außen“. Malerei, Mixed Media und Objekte von Angelika Klemme und Annie Fischer. 9. September (Eröffnung um 19 Uhr) bis 5. November, Di.–Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–15 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


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