Mehr als eine Momentaufnahme Osnabrücker OB-Kandidaten zur NOZ-Umfrage



Osnabrück. Das Wallenhorster Meinungsforschungsinstitut „Produkt + Markt“ hat gefragt. 1002 repräsentativ ausgewählte Osnabrücker haben geantwortet und ihre Einschätzung zu konkreten Themen wie Neumarkt oder Westumgehung aber auch zu den einzelnen OB-Kandidaten zu Protokoll gegeben. Die Ergebnisse der NOZ-Meinungsumfrage haben wir in der vergangenen Woche vorgestellt. Jetzt sind die Kandidaten an der Reihe, sich ihrerseits zu der Umfrage zu äußern.

Bis auf Robert Seidler, der die Umfrage komplett infrage stellt und seine Kritik bereits per Mail an Freunde und Unterstützer geschickt hat, reagierten die Kandidaten gelassen auf das von Produkt+Markt ermittelte Meinungsbild in der Osnabrücker Bevölkerung. Vor allem die Sonntagsfrage: „Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Oberbürgermeisterwahl wäre?“ war mit Spannung erwartet worden. „Keine große Überraschung“, war der Tenor bei Wolfgang Griesert (CDU), Birgit Bornemann (SPD) und Thomas Klein (Grüne) sowie bei Kalla Wefel und Christian Steiffen (beide parteilos). Gleichwohl ziehen diese fünf ein jeder für sich Nektar aus der Erhebung. Die Umfrage also eine viel zitierte „Momentaufnahme“, die dann doch das Zeug hat, über den Moment hinauszureichen? Zumindest scheint es so, denn die Antworten zu Fragen nach aktuellen lokalpolitischen Themen, wie Neumarkt oder Westumgehung, waren für die Kandidaten ebenso von Interesse, wie jener Teil der „Produkt + Markt“-Erhebung, der nach den spezifischen Qualitäten der Aspiranten auf den Chefsessel im Rathaus fragte.

Die Statements der OB-Kandidaten im Einzelnen:

Wolfgang Griesert (CDU): „Ist doch toll. Es ist erfreulich, wenn man liest, dass die meisten der Befragten einen gerne als OB hätten. Wenn ich dann die Ergebnisse auf die Frage nach den Kompetenzen der einzelnen Kandidaten einbeziehe, glaube ich, dass wir am Sonntag in der Wahlkabine auch noch zulegen können. Bei einer Stichwahl am 6. Oktober muss jeder Bürger für sich entscheiden, wem er das Amt des Oberbürgermeisters zutraut. Über die Mobilisierung der Wähler am kommenden Sonntag mache ich mir weniger sorgen. Für die Stichwahl müssen wir den Menschen aber deutlich machen, dass sie keinen Grüßonkel wählen, sondern einen Oberbürgermeister, der die Stadt Osnabrück nicht nur nach außen vertritt, sondern der auch die Verwaltung führt und die Geschicke der Stadt maßgeblich lenkt.“

Birgit Bornemann (SPD): Zunächst einmal freue ich mich, dass ich bei der Umfrage so viel Zustimmung gefunden habe. Eine Umfrage ist sicherlich eine Momentaufnahme, ich erfahre diese Zustimmung aber auch ganz konkret im Wahlkampf. Ich erlebe eine große Sympathiewelle, sowohl an unseren Infoständen als auch bei meinen vielen Hausbesuchen. Interessant ist auch, dass es auch bei den männlichen Befragten einen hohes Maß an Zustimmung gibt. Offensichtlich gibt es keinen Frauenbonus. Vielmehr sind es die Sachfragen, die die Wähler umtreiben. Auch diese Erfahrung habe ich im Wahlkampf gemacht, wenn zum Beispiel Mieter der Gagfa von ihren Sorgen und Nöten zum Beispiel mit Legionellen belastetem Wasser in ihren Wohnungen berichten. Hier zeigt es sich, dass es ein Fehler ist, städtische Unternehmen, wie seinerzeit die Wohnungsbaugesellschaft, für kurzfristigen Gewinn zu veräußern.“

Thomas Klein (Grüne): „Die Umfrage ist sicherlich eine Momentaufnahme. Ihr Ergebnis muss noch durch die Wahl am Sonntag verifiziert werden. Gleichwohl ist für mich erfreulich, dass die Umfrage gezeigt hat, dass Wolfgang Griesert nicht die absolute Mehrheit hat. In meinen Augen wird deutlich, dass er nicht Oberbürgermeister von Osnabrück werden wird. Ich kämpfe weiter dafür, in die Stichwahl einzuziehen. SPD und Grüne sind sich einig, dass sie in einer Stichwahl den jeweils anderen Kandidaten unterstützen werden.“

Robert Seidler (FDP): „Ich habe mich über diesen Witz köstlich amüsiert. Ich halte diese Umfrage für sehr unqualifiziert. Ich lasse mich davon nicht aus dem Rennen werfen. Ich rechne mit einem zweistelligen Ergebnis am kommenden Sonntag.“

Kalla Wefel (parteilos): „Laut Umfrage würden mich derzeit 2,4 Prozent zum OB wählen, das entspricht nach der Gauß’schen Normalverteilungskurve exakt dem Anteil hochbegabter Menschen an der Gesamtbevölkerung. Da ich nur 1,2 Prozent erwartet hatte, liege ich offenbar 100 Prozent über dem Plansoll. Ich weiß nicht, wie meine Freunde in Nordkorea darauf reagieren, dass ich am Ende womöglich trotz 200 Prozent Stimmenanteil nicht zum Wahlsieger gekürt werden könnte. Im Auge behalten muss man, dass es gerade für die Kleinen bei solchen Umfragen immer hohe Ungenauigkeiten gibt. Hier wirkt sich eine Stimme Differenz ganz anders aus als bei den Vertretern der großen Parteien. Aber immerhin können die sogenannten Kleinen acht Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Das finde ich schon erstaunlich. Die Wahlbeteiligung wird auch ein Faktor sein. Ich verstehe nicht, dass die anderen immer die Nichtwähler ansprechen wollen. Ich will die Wähler ansprechen und meine größte Hoffnung ist, dass die Nichtwähler zu Hause bleiben.“

Christian Steiffen (parteilos): „Ich freue mich über meine 2,8 Prozent. Allerdings hat mich das Umfrageergebnis überhaupt nicht überrascht. Ich akzeptiere das und werde jetzt noch verstärkt in der Gruppe der älteren Wähler aktiv werden müssen. Meine Plakate hängen ja noch nicht mal alle. Bislang sind es nur fünf, von denen drei wieder abgerissen wurden. Mein Ziel, vor allem die Nichtwähler zu erreichen, habe ich noch nicht geschafft. Da werde ich noch mal richtig Gas geben. Wer am Ende die OB-Wahl gewinnt, ist eigentlich egal. Für mich ist ein Anfang gemacht, ich werde in drei Jahren für den Rat kandidieren.“


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