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Der Rechtsanwalt kassiert und kassiert und kassiert . . .

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Der Osnabrücker Rechtsanwalt Olaf Tank hält weiter die Hände auf. Er ist der Geldeintreiber für Geschäftemacher, die mit zweifelhaften Internetangeboten vor allem junge Menschen über den Tisch zu ziehen versuchen. Verbraucherschützer warnen seit Jahren, Staatsanwaltschaft und Polizei ermittelten, sind aber machtlos. Und Olaf Tank schreibt weiter unbeeindruckt seine Mahnungen und kassiert

Die Masche ist offenbar sehr erfolgreich. Internetseiten wie hausaufgaben-heute.com oder www.opendownload.de bieten den Nutzern scheinbar nützliche Informationen oder kostenlose Downloads. Wer sich anmeldet, geht nach Angaben der Seitenbetreiber einen Vertrag ein, der die Nutzung der Inhalte für zwei Jahre erlaubt. Die Kosten liegen bei 96 Euro pro Jahr. Die Gegenleistung tendiert gegen null. Die Programme, die zum Herunterladen angeboten werden, sind ohnehin kostenlos. Das ist eine Falle, sagen deshalb Verbraucherschützer. Es sei kein rechtsgültiger Vertrag zustande gekommen, der Nutzer müsse nichts zahlen.

Trotzdem flattert den Nutzern früher oder später eine harsch formulierte Mahnung ins Haus. Absender: Olaf Tank, Rechtsanwalt aus Osnabrück. Die Forderung beläuft sich oft auf 138 Euro, einschließlich Mahnkosten, Geschäftsgebühr und Auslagenpauschale. Ein ausgefüllter Überweisungsträger ist mitunter beigefügt.

Tank droht den angeblich säumigen Zahlern mit gerichtlichen Schritten, sollte das Geld nicht innerhalb einer bestimmten Frist eingehen. Die Spitze der Einschüchterung: Wer in der Anmeldung falsche Angaben etwa zu seinem Alter gemacht habe, müsse mit einer Anzeige wegen Betruges rechnen. Das zielt vor allem auf Kinder und Jugendliche, die nicht wagen, sich ihren Eltern gegenüber zu offenbaren.

Olaf Tank ist selbst nicht zu sprechen. Wer die auf seinem Mahnschreiben angegebene Telefonnummer wählt, hört ein Besetztzeichen oder gerät in eine Warteschleife. Alle Mitarbeiter seien in Gesprächen, heißt es. In seiner Kanzlei empfängt er keinen Besuch von der Presse.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät, vorsorglich dem angeblichen Vertrag schriftlich zu widersprechen. Allerdings: Die Erfahrung lehrt, dass ein Widerspruch gar nicht nötig ist. Den Verbraucherzentralen ist bisher kein Rechtsstreit bekannt, in dem ein Verbraucher zu einer Zahlung verurteilt wurde. In einem Merkblatt der Verbraucherzentrale Niedersachsen für junge Internetnutzer heißt es: „Du und Deine Eltern müssen lediglich die Nerven behalten und den Drohungen standhalten.“ Die Geschäftemacher und ihre Geldeintreiber haben kein Interesse, säumige Zahler vor Gericht zu ziehen. Dann geriete auch ihr Geschäftsgebaren ins öffentliche Licht und in eine juristische Prüfung.

Die Abzocker bewegen sich in einem rechtlichen Niemandsland und setzen darauf, dass sich viele von den Mahnschreiben einschüchtern lassen und zahlen. Die Strafverfolger sind machtlos. Der Staatsanwaltschaft Darmstadt lagen „um die zehntausend Fälle“ vor, wie ein Sprecher sagte, die aber eingestellt wurden.

Rechtsanwalt Olaf Tank treibt nur das Geld ein, es obliegt ihm nicht, die Rechtmäßigkeit der Forderungen zu prüfen. Und solange kein Gericht einen Betrug festgestellt hat, so lange ist auch die Anwaltskammer zum Zuschauen verurteilt. Vor dem Anwaltsgericht in Oldenburg hat es mehrere Verfahren gegen Olaf Tank gegeben, die mit Einstellung endeten. Auch der Anwaltsverein Osnabrück kann nur an die Berufsehre appellieren: „Was er macht, ist dem Ansehen des Berufsstandes nicht förderlich“, sagte der Vorsitzende des Anwaltsvereins, Rolf Müller.


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