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Osnabrücker Kinogeschichte(n), Teil 7: Die „Central-Lichtspiele“ galten nach dem Krieg als das Prunkstück des Wiederaufbaus Vom ersten Nachkriegskino zum ersten Parkhaus

Von Reinhard Westendorf

Lichterglanz im alten Kino Central. Foto: ArchivLichterglanz im alten Kino Central. Foto: Archiv

Osnabrück. Die „Central-Lichtspiele“, Osnabrücks erstes Nachkriegskino, lagen tatsächlich im Zentrum der Stadt. Dort, wo heute das Parkhaus der Galeria Kaufhof steht, zwischen der Hase und Möserstraße, befand sich von 1947 bis 1963 ein zunächst behelfsmäßiger Kinobau mit 871 Plätzen.

„Mit dem Bau dieses Kinos, das in seiner inneren Ausgestaltung Friedensansprüchen genügt, werden wir in Osnabrück für den Filmbesucher Verhältnisse haben, wie es in normalen Zeiten üblich ist.“ Mit diesen warmen Worten begrüßte das „Osnabrücker Tageblatt“ am 9. Mai 1947 schon einen Monat vor dessen Eröffnung den lang gestreckten Kinobau an der Möserstraße 7. Und weiter: „Das heißt, es wird wieder Kinokarten geben, ohne dass man dabei ein langes Gedränge und Geraufe und großen Zeitverlust in Kauf nehmen muss [...]. Im Rahmen des gesamten Wiederaufbaus unserer Stadt kann die Eröffnung des repräsentativen Filmtheaters als bemerkenswertes Zeichen dafür angesehen werden, dass es – trotz allem – vorwärtsgeht.“

Bereits im Oktober 1945 hatte der aus Wien nach Osnabrück zurückgekehrte Kino-Neuling Karl Conrady eine provisorische Baugenehmigung von der englischen Besatzungsmacht für den „ersten neuen Kinozweckbau im gesamten nordwestdeutschen Bereich“ bekommen, wie der gelernte Bankkaufmann selber sagte.

Eigentümer des Grundstücks nahe dem im Krieg zerstörten Hotel „Germania“ waren die aus der Internierungshaft nach Osnabrück zurückgekommenen Eduard Petersilie und Heinz Reichert. Kinobetreiber Conrady, der 1960 auch das „Filmtheater Hasetor“ eröffnete, beschrieb die Inhaber-Verhältnisse später in einem Interview mit der Buchautorin Anne Paech folgendermaßen: „Sie hatten zwei Drittel des Geldes und etwas zum Kungeln, und ich hatte die weiße Weste und gute Beziehungen.“

Für eine laut Baugenehmigung „montagefertige Barackenkonstruktion“ waren die „Central-Lichtspiele“ bemerkenswert solide und für damalige Baubedingungen großzügig gestaltet. Durch seine Beziehungen erhielt Conrady zwei moderne „Bauer B8“-Filmprojektoren und Buchenholz für die Bestuhlung. Damit die Kinostühle überhaupt hergestellt werden konnten, mussten zuvor erst einmal Knochen aus einer Hildesheimer Fleischfabrik zu Holzleim verarbeitet werden. „Und so ist das irgendwie zustande gekommen, dass das Kino am 4. Juni 1947 eröffnet werden konnte“, erinnerte sich Karl Conrady.

Nach seinem Ausstieg aus der Firma Reichert & Co. wurde das „Central“ noch einige Jahre in Pacht betrieben. „Im Zuge des großen Kinosterbens wird am 15. September auch das Central-Lichtspielhaus geschlossen. Das Kino wird sich in ein Parkhaus verwandeln“, verkündete das „Osnabrücker Tageblatt“ im August 1963. Privater Bauherr des ersten Parkhauses in Osnabrück war das angrenzende Kaufhaus Merkur, später Horten, heute Galeria Kaufhof.


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