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Mit Charme, Schnaps und Kirschkuchen Die gute Seele: Anne Fitschen

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<em>Wofür steht Anne Fitschen?</em> Unter anderem für den Treffpunkt Atterkirche und für schwäbische Schneckennudeln. Foto: Uwe LewandowskiWofür steht Anne Fitschen? Unter anderem für den Treffpunkt Atterkirche und für schwäbische Schneckennudeln. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Die gute Seele von Atter? Annemarie Fitschen lacht ins Telefon. Dass jemand sie so bezeichnet, findet sie etwas übertrieben. Jedenfalls wäre sie nicht auf die Idee gekommen, sich einen solchen Titel zu geben. „Da gibt es ja noch andere.“ Vielleicht, doch der Anrufer hat sie ausgewählt, die engagierte Bürgerin und ehemalige Ortsbürgermeisterin, die für ihre Herzlichkeit und Klarheit bekannt ist.

Szenenwechsel. Anne Fitschen kommt mit dem Fahrrad zum verabredeten Termin an der Atterkirche, dem Gemeinschaftszentrum des Vereins „Wir in Atter“, der ihr am Herzen liegt. Und der Besucher findet den Titel „gute Seele“ schon bestätigt: Sie hat einen Picknick-Korb mitgebracht und bietet frische Schneckennudeln an, ein schwäbisches Gebäck, das in Atter einen gewissen Bekanntheitsgrad haben dürfte – eben wegen Anne Fitschen und seit 30 Jahren. So lange lebt die gebürtige Schwäbin aus Esslingen bei Stuttgart hier bereits. Gleich beim Einzug ist sie mit dem Stadtteil warm geworden, denn: „Eine Nachbarin, die aus Chile stammte, hat mich zum Kartoffelpufferessen eingeladen.“

Auch die vier Kinder der gelernten Grundschullehrerin trugen dazu bei, dass sie sich von Anfang an engagierte. „Ich wollte damit auch ein Vorbild für sie sein.“ Wegen ihres Mannes Heinz stand sie „beruflich nicht unter Zeitdruck“, wie Anne Fitschen es formuliert – für sie Privileg und Verpflichtung zugleich. Von dieser Einstellung profitierten dann schon bald der Sportverein Atter, die Kirchengemeinde und ihre Partei – die SPD.

1986 wählten die Atteraner sie in den Ortsrat, und 1999 suchte die SPD eine Nachfolgerin für die zurückgetretene Ortsbürgermeisterin Annerose Gritzas. „Eigentlich wollte ich nicht“, erinnert sich Anne Fitschen, sagte dann doch zu – und blieb bis zur Abschaffung der Ortsräte sieben Jahre lang im Amt.

Beobachter stellten immer wieder fest, wie sie Wogen glätten kann. Wenn sich gelegentlich ein Politiker in Rage redete und er dabei war, das Maß aus den Augen zu verlieren, genügte es oft, wenn sie ihm in die Augen schaute und mit einer gewissen herzlichen Strenge sagte: „Jetzt reicht’s aber mal!“ Und schon schien es, als ob dem Wortführer plötzlich klar wurde, dass es jetzt tatsächlich reicht.

Doch für sie reichte ihr Engagement noch nicht. Seit 16 Jahren besucht sie Patienten im Krankenhaus und stellt fest, „wie einsam Menschen werden können, wenn sie keine Kontakte geknüpft haben“. Ihre Formel für Engagement lautet „Geben und Nehmen“. Die wandte sie auch an, als sich die evangelisch-reformierte Kirche aus Atter zurückzog und das Gebäude leer stand. Fitschen und Gleichgesinnte gründeten den Verein „Wir in Atter“. Das war der Beginn des Zentrums für Jung und Alt, Neu- und Altbürger – ob sie aus Deutschland stammen oder aus anderen Ländern.

Ihre Leitfrage im Umgang mit anderen lautet: „Wie möchte ich selbst behandelt werden?“ Und eine Antwort darauf passt immer: „Mit den Menschen reden und sie ernst nehmen.“ So ist es ihr auch gelungen, den Nachbarn aus Lotte zu überreden, einen Teil seines Grundstücks für den Kreiselverkehr abzugeben – mit ihrer natürlichen Art, einem Kirschkuchen und schwäbischem Zwetschgenschnaps.


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