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Sie wollen weiter machen Theater am Güterbahnhof Osnabrück muss Spielstätte räumen

Obdachlos, aber voller Spielfreude: Ensemble-Mitglieder des Theaters am Güterbahnhof mit einer letzten Pose im verlassenen Bühnenraum. Foto: Egmont SeilerObdachlos, aber voller Spielfreude: Ensemble-Mitglieder des Theaters am Güterbahnhof mit einer letzten Pose im verlassenen Bühnenraum. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Ein letztes Foto im ehemaligen Bühnenbereich. Die Räume sind leer, bis auf restliche Kartons, aus denen Kleidungsstücke, Perücken und Hüte quellen: Zum 1. Oktober musste das Theater am Güterbahnhof auf Anordnung des Bauordnungsamtes endgültig ausziehen aus dem Obergeschoss der ehemaligen Güterabfertigung. Fünf Jahre lang hatte es hier seine Spielstätte.

Etwas düster wirkt das alte Gebäude aus den 1950er-Jahren. „Kulturschutzgebiet“ fordert ein buntes Graffiti neben dem Eingang. Hier hatte sich das Theater im Obergeschoss eingemietet und zahlte monatlich 200 Euro an den Eigentümer Wolfgang Schreyer. Der Weg hinauf führte über eine schmale Treppe und Flure mit ramponierten Holztüren. Bei Aufführungen sammelten sich bis zu 50 Zuschauer im Bühnenraum. Wohnzimmeratmosphäre und ein enger Kontakt mit der rund zehnköpfigen Schauspielgruppe machten das besondere Flair des experimentellen Improtheaters aus. Die Gruppe kreierte ihre Stücke durch Improvisation, schrieb Drehbücher, studierte Rollen ein. Das Spektrum: von humorvoll bis gesellschaftskritisch. Überschüsse aus Eintrittsgeldern flossen in Requisiten und Kostüme.

„Wir haben einen reichhaltigen Fundus aufgebaut“, erzählen Olga Hopfauf und Esther Engraf, die im Frühjahr die Theaterleitung übernahmen. Viele junge Teilnehmer wurden in die Theaterarbeit eingeführt. Doch nun ist Schluss am Güterbahnhof. Denn das Bauordnungsamt setzte dem Theater eine letzte Frist. Unter Androhung von Bußgeld und Beugehaft, wie Hopfauf und Engraf berichten. Bereits vor eineinhalb Jahren deutete sich aus Brandschutzgründen eine Räumung an. Das Amt bemängelte fehlende Feuerschutztüren und Fluchtwege. Mittlerweile kam bei genauerer Prüfung heraus, dass auch die Tragfähigkeit der Decken infrage stehe, wie Franz Schürings, Fachbereichsleiter Städtebau, Auskunft gibt.

„Zudem liegt keine Nutzungsgenehmigung vor. Sie wurde nie beantragt“, so Schürings. Da es seit dem Frühjahr eine Veränderungssperre für das Gebiet gebe, könnten auch keine Genehmigungen mehr erteilt werden. „Das betrifft nicht nur dieses Projekt, sondern auch andere Nutzer, wenn sie sich ohne Antrag oder ohne Genehmigung etabliert haben.“ Der „Wildwuchs“ am Güterbahnhof müsse eingedämmt werden, denn es habe auf dem Gelände schon Unfälle und auch Tote gegeben, erklärt Schürings. Ob im künftigen Bebauungsplan Raum für eine Kulturszene bleibe, sei noch nicht entschieden.

„Nun sind wir obdachlos und suchen dringend Räumlichkeiten. Denn wir wollen auf jeden Fall weitermachen“, betont Engraf. Alle seien voller Energie und Spielfreude. „Für die meisten von uns ist das mehr als ein Hobby. Es ist ein Stück Lebensinhalt.“ Sie verweist als Kontaktadresse auf die Theaterhomepage http://improtheater.blog.de/ . Vorübergehend finde die Gruppe Asyl im Haus der Jugend. „Jeder, der Theater spielen und sich ausprobieren möchte, kann mitmachen und auch Ideen einbringen“, lädt Hopfauf alle Interessierten ein.


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