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Schwieriger Tritt in die Fußstapfen Osnabrücker Wirtschaftsjunioren geben Tipps zur Unternehmensnachfolge

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Nachfolge reibungslos geregelt: Heinz und Karin Lengerke arbeiten seit fünf Jahren gemeinsam in der Sozietät. Foto: PartonNachfolge reibungslos geregelt: Heinz und Karin Lengerke arbeiten seit fünf Jahren gemeinsam in der Sozietät. Foto: Parton

Osnabrück. Karl-Heinz Lengerke ist seit 46 Jahren Steuerberater. Der 75-Jährige möchte sich in den nächsten ein bis zwei Jahren zur Ruhe setzen. Eine Nachfolgerin ist bereits gefunden: Tochter Karin Lengerke, seit fünf Jahren Mitinhaberin der Sozietät Lengerke. Die Zusammenarbeit funktioniert reibungslos. „Ich bin froh, dass mein Vater noch dabei ist. Er hat so viel Erfahrung“, sagt Karin Lengerke.

Die Regelung der Unternehmensnachfolge verläuft jedoch oft schwieriger als im Fall der Lengerkes. Daher haben die Wirtschaftsjunioren (WJ) Osnabrück einen Stammtisch zum Thema eingerichtet.

Es habe sich früh abgezeichnet, dass seine Tochter großes Interesse an der Steuerberatertätigkeit habe, berichtet Karl-Heinz Lengerke. „Wenn du mit deinem Studium fertig bist, kannst du bei mir anklopfen. Dann kommen wir vielleicht zusammen“, habe er ihr empfohlen, verrät der Senior schmunzelnd. Irgendwann klopfte die Tochter an. Sie hatte inzwischen sämtliche Examina absolviert und einige Berufserfahrung gesammelt.

Heute teilen sich die Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin und ihr Vater die Mandanten. „Viele Mandanten sind seit 40 Jahren bei uns“, berichtet der 75-Jährige. Um diese kümmert sich weiter der Senior, während die 38-Jährige die jüngeren Kunden übernimmt. Oft predige er seinen Mandanten, an die Nachfolge zu denken. „Viele haben Angst vor dem Alter“, meint der Steuerberater. Er selbst hingegen bereite seinen Absprung vor. „Vor zwei Jahren habe ich begonnen mir zu erlauben, einen Nachmittag pro Woche zu Hause zu bleiben. Jetzt ist meine Tochter so weit, dass sie die Kanzlei ganz übernehmen kann.“

Den richtigen Zeitpunkt fürs Loslassen zu finden, das scheint eine große Schwierigkeit zu sein – gerade für Familienunternehmer, wie ein Betroffener am Stammtisch der Wirtschaftsjunioren betont. Knackpunkte seien oft die saubere Aufgabenverteilung und das wechselseitige Verständnis für Senior und Junior. „Dass der Senior nicht einfach schnell sein Lebenswerk übergibt, ist mir auch durch den Stammtisch klar geworden“, sagt ein junger Unternehmer, der sich wie andere in der Übergabephase befindet und daher anonym bleiben möchte. Gefragt seien die Geduld des Jüngeren und das Vertrauen des Älteren. „Der Junior möchte zu schnell übernehmen, der Senior will oft zu lange bleiben. Die Lösung liegt meistens in der Mitte“, meint ein weiterer Gesprächspartner.

Auch er ist Mitglied bei den Wirtschaftsjunioren, die sich ehrenamtlich engagieren und in Arbeitskreisen mit den Themen Bildung, Soziales, Wirtschaft/Politik und Existenzgründung beschäftigen. Seit 2008 tauschen sich acht bis 15 Wirtschaftsjunioren etwa einmal pro Quartal am Stammtisch aus. „Wir bieten allen Wirtschaftsjunioren, die ein Familienunternehmen übernehmen, eine Plattform zum Gespräch über drängende Fragen“, sagt ein Teilnehmer.

Ins Profil passende Interessenten können jederzeit dazustoßen. „Wir beraten nicht, zeigen aber auf, welche Möglichkeiten und Herangehensweisen es gibt“, verdeutlicht Stammtisch-Initiatorin Birgit Surendorff. Die Wirtschaftsjunioren haben überdies einen „Notfallkoffer“ mit einer Checkliste für existenzielle Regelungen im Unglücksfall des Seniors zusammengestellt.

Weitere Infos und Kontakt zum Stammtisch Unternehmensnachfolge der Wirtschaftsjunioren Osnabrück über die Industrie- und Handelskammer, Heinrich Langkopf, Tel. 0541/353-265, E-Mail: langkopf@osnabrueck.ihk.de.


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