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Hypnose: Ein altes Verfahren Uni-Professor Henning Schöttke sieht professionelle Berater kritisch

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Osnabrück. Henning Schöttke ist Professor an der Universität Osnabrück und leitet das Institut für Psychologie. Im Interview spricht er über Formen der Hypnose, Beratersysteme und das überforderte Gesundheitssystem.

Herr Schöttke, ist Hypnose eigentlich ein seriöses Heilverfahren?

Es ist ein sehr altes Verfahren, das es im Sinne der Beeinflussung schon immer gegeben hat. In jüngerer Zeit haben sich vor allem zwei Varianten etabliert: zum einen die Bühnenhypnose zur Erheiterung und zum anderen die Hypnose als eine anerkannte psychotherapeutische Technik, die ihre Stärke zum Beispiel in der Behandlung chronischer Schmerzen hat.

Wo sind denn die Coaches einzuordnen, die weder Psychotherapeuten noch Bühnenhypnotiseure sind?

Ich möchte nicht über einzelne urteilen, aber viele Hypnose-Coaches befinden sich an der Grenze der Ausübung von unerlaubter Heilbehandlung. Sie sagen zwar nichts über Psychotherapie, bieten aber mitunter „psychologische Beratung“ an. Auch dies ist rechtlich problematisch, da dies nur Psychologen mit akademischem Abschluss vorbehalten ist. Und wenn man sich allein das Beispiel der Burn-out-Prävention anschaut, muss man wissen, dass oft eine psychische Krankheit dahintersteckt. Die Behandlung einer psychischen Störung setzt aber eine korrekte Diagnose voraus – und das können die Coaches nicht leisten, weil sie nicht zu den Heilberufen gehören und ihnen entsprechende Kompetenzen fehlen. Manche Institute bieten einwöchige Kurse an, in denen sie Menschen zu Hypnotiseuren ausbilden. Es ist doch absurd zu glauben, jemandem so etwas in so kurzer Zeit beibringen zu können, der weder ein psychologisches noch ein medizinisches Studium hinter sich hat.

Trotzdem erfüllen die Coaches mit ihrem Angebot offensichtlich ein Bedürfnis.

Tatsächlich ist in unserer Gesellschaft ein zunehmender Bedarf an professioneller Beratung auszumachen. Entscheidend ist, warum es zugenommen hat. Eine Idee ist: Das Berufsleben wird immer belastender und stressiger. Oder die bisherigen Beratersysteme wie Freundschaft und Familie funktionieren nicht mehr so wie früher. Hinzu kommt, dass unser Gesundheitssystem chronisch überfordert ist und deshalb immer mehr Menschen nicht adäquat und rechtzeitig behandelt werden können. Dadurch erhält die Beraternische weiteren Zulauf.


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