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Die neuen EC-Karten Bezahlen per Funkchip: Sparkasse Osnabrück sieht viele Vorteile

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45 Millionen EC-Karten wollen die Sparkassen in den nächsten vier Jahren austauschen. Foto: ddp45 Millionen EC-Karten wollen die Sparkassen in den nächsten vier Jahren austauschen. Foto: ddp

yjs/dpa Osnabrück. Die Sparkassen haben angekündigt, bis 2015 alle 45 Millionen EC-Karten ihrer Kunden auszutauschen. Die neuen Karten werden einen Funkchip enthalten, der das sogenannte kontaktlose Bezahlen ermöglicht. Was bedeutet das für die Karteninhaber beim Einkaufen? Johannes-Heinrich Rahe, Pressesprecher der Osnabrücker Sparkasse, sieht die Vorteile klar auf der Hand.

Die neue EC-Karte mit Funkchip fungiert zugleich als Geldkarte. Für die Nutzung muss der Karteninhaber diese zuvor mit dem gewünschten Betrag am Geldautomaten aufladen. Beim bisherigen EC-Verfahren buchen die Händler den entsprechenden Betrag per Lastschriftverfahren vom Konto des Kunden ab. Mit der neuen Karte wird lediglich das Guthaben der Karte verbraucht – ähnlich dem Prepaid-Handy. Bis zu einem Betrag von 20 Euro muss die neue Karte nicht länger in ein Lesegerät eingesteckt werden. „Der Kunde muss die Karte nur in einem Radius von zehn Zentimetern vor das Lesegerät halten“, erklärt Hans-Joachim Rambow vom Einzelhandelsverband. Die Eingabe der PIN oder die Abgabe der Unterschrift entfällt. Ab einem Betrag von 20 Euro bleibt das konventionelle Verfahren in Kraft: das Einschieben der Karte in ein Lesegerät in Kombination mit PIN oder Unterschrift.

Vor- und Nachteile

Sparkassen-Sprecher Rahe spricht sich für die neue Karte aus: „Die neue EC-Karte ist eine Erweiterung der Geldkarte und ein Schritt zu einer vereinfachten Zahlweise“, so Rahe. „Sie macht alles viel einfacher und schneller“, versichert er. Durch die beschleunigte Zahlung würden sich die Wartezeiten an Kassen verkürzen – dafür müssten allerdings auch andere Banken sowie der Einzelhandel auf die neue Karte setzen.

Rahe räumt ein, dass die neue Funktion nur nach vorheriger Aufladung der Geldkarte funktioniere. „Das ist ein kleines Hindernis“, so Rahe. Als negativen Aspekt erwähnt er den geringen Betrag von 20 Euro, bis zu dem das neue System vom Kunden genutzt werden könne. „Die 20 Euro reichen nicht aus“, ist Rahe überzeugt.

Tobias Schonebeck von Schäffer Geschenke sieht den Mehrwert der neuen Karte primär an anderer Stelle. „Den großen Vorteil sehe ich für die Banken, denn die Kunden müssen die Karte mit Geld aufladen, und das Geld liegt erst mal bei der Bank“, meint der Geschäftsführer – ein Vorteil gegenüber Bargeld, mit dem Banken nach der Abhebung am Automaten nicht länger arbeiten können. „Der Nutzen für den Kunden ist auf den Zeitgewinn reduziert“, ergänzt Schonebeck. Doch auch Schäffer stellt die Erweiterung um das neue Zahlungssystem in Aussicht. „Wir werden unseren Kunden nichts verwehren, was dieser von uns erwartet“, so Schonebeck. Annähernd 50 Prozent der Schäffer-Kunden zahlten mittlerweile mit EC-Karte.

Auch die L+T-Kunden zahlten bereits zu rund 50 Prozent per Electronic Cash, wie Daniel Wessel aus der Controlling-Abteilung des Modehauses Lengermann + Trieschmann bestätigt. Er betrachtet die neue Karte skeptisch. „Wir beobachten das aktiv, sehen aber aus jetziger Sicht keinen klaren Vorteil für den Kunden.“ Bedenken hat Wessel bei der Sicherheit der neuen Karte, da bei der Zahlung keinerlei Autorisierung vonnöten sei. „Wenn das neue System vom Kunden gewünscht wird und ein akzeptables Zahlungsmittel ist, werden wir in die entsprechenden Geräte investieren“, versichert der Controller.

„Der Vorteil der neuen Karte wäre, das Hartgeld aus dem Portemonnaie zu bekommen“, meint Hans-Joachim Rambow vom Einzelhandelsverband, da insbesondere kleine Beträge mit der neuen Karte beglichen werden könnten.

Mit der Einführung der neuen EC-Karte wollen die Sparkassen in den Konkurrenzkampf um das Bezahlverfahren der Zukunft treten. „Andere Banken denken ebenfalls über die Einführung nach“, bestätigt Rahe.

Die Sparkasse testet die neue Karte 2012 in einem Feldversuch in der Region Hannover, Braunschweig und Wolfsburg. Die Osnabrücker Sparkasse wartet die Ergebnisse dieser Testphase ab und erwägt, die neue Karte mit Funkchip dann auch in Osnabrück einzuführen. Dann ginge man auf Händler und Kunden zu, um für die nötige Akzeptanz zu sorgen, bestätigt Pressesprecher Rahe. Bisher steht lediglich die Edeka-Kette als Partner des neuen EC-Karten-Systems fest. Mit weiteren Unternehmen laufen Verhandlungen.


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