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Telefonseelsorge sucht neue ehrenamtliche Mitarbeiter Zuhören kann helfen

Leitet die Telefonseelsorge: Matthias Wille. Foto: ArchivLeitet die Telefonseelsorge: Matthias Wille. Foto: Archiv

Osnabrück. Mit einem Gottesdienst in der Marienkirche wird

„Ich bin gerne Gemeindepastor gewesen“, sagt Wille. Aber der Wunsch zur Spezialisierung habe ihn dazu gebracht, sich mit Anfang 50 noch einmal zu verändern. Nach seiner Ausbildung zum Pastoralpsychologen berät und begleitet er Pastoren und kirchliche Mitarbeiter bei Problemen. Mit der anderen Hälfte seiner Stelle leitet Wille die Telefonseelsorge.

Zur Einarbeitung hat er inzwischen selbst am Telefon gesessen und war überrascht, wie oft es klingelt: „In der Tagschicht hat man kaum zehn Minuten Ruhe.“ „Eine ganz andere Art der Seelsorge“, erläutert Wille. Wobei der kirchliche Hintergrund oft keine Rolle spielt. Unter der bundesweit kostenlosen und rund um die Uhr erreichbaren 0800/1110111 melden sich auch schon mal muslimische Mädchen, die über mangelnden persönlichen Freiraum klagen.

Den Dienst am Telefon hat er übernommen, um sich in das für ihn neue Thema Telefonseelsorge einzuarbeiten, erläutert der Pastor. Diesen Dienst verrichten knapp 70 ehrenamtliche Mitarbeiter, mehr als 80 Prozent sind Frauen. Seine Aufgabe ist es vielmehr, neue Ehrenamtliche zu gewinnen, sie auszubilden und während ihres Einsatzes mit regelmäßiger Supervision zu begleiten.

Wer bei der Telefonseelsorge anruft, bleibt anonym, auch die Mitarbeiter bleiben anonym. Als bekannt wurde, dass er die Leitung übernimmt, sei er aber von einigen Ehemaligen angesprochen worden, die sagten, diese Zeit sei für ihr Leben prägend gewesen. „Die Telefonseelsorge bietet viel, fordert aber auch“, beschreibt es Pastor Wille. Wer mitarbeiten will, müsse bereit sein, genau hinzuhören. „Sie müssen aushalten, nicht gleich handeln zu können, und mit Krisen gut umgehen können.“

All dies werde in der einjährigen Ausbildung vermittelt. Die Teilnahme ist kostenlos, dafür verpflichten sich die Absolventen, anschließend zwei Jahre bei der Telefonseelsorge Dienst zu tun. In einem Jahr sind das in der Regel 20 Tagschichten mit je vier Stunden und fünf Nachtschichten mit acht Stunden.

Und noch etwas Neues kommt auf Matthias Wille zu: In Zeiten, in denen die Kirche sparen muss, sucht er Sponsoren für die Telefonseelsorge. Allein die Fahrtkosten für die Ehrenamtlichen summierten sich schnell auf einen fünfstelligen Betrag, zumal viele aus dem Landkreis kommen.

In Kürze soll ein neuer Ausbildungsgang beginnen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. „Unsere Ehrenamtlichen kommen aus ganz verschiedenen Berufen“, sagt Wille. Mindestalter für die Teilnahme ist 25.

Information unter Telefon 0541/260105 (10–13 Uhr)


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