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Christine Brand und Ulrike Emmanouilidis stellen im BBK-Kunstquartier aus Gegensätze unter einem Dach

Gemeinsame Ausstellung: Ulrike Emmanouilidis (links) und Christine Brand. Foto: K. LindemannGemeinsame Ausstellung: Ulrike Emmanouilidis (links) und Christine Brand. Foto: K. Lindemann

Osnabrück. Die eine hebt ihre Fundstücke aus der Natur in handgearbeiteten Papierschalen auf, die andere erzeugt mit ihrer Malerei surreale Räume mit skurrilen Maschinen und leeren Bühnen. Die eine gehört dem Bund Bildender Künstler (BBK) Ostwestfalen-Lippe an, die andere dem BBK Osnabrück. Gemeinsam haben Christine Brand und Ulrike Emmanouilidis für das BBK-Kunstquartier eine Ausstellung zusammengestellt.

Seit einigen Jahren führt der BBK Osnabrück Künstler aus der Region mit Kollegen oder Kolleginnen aus einer anderen Bezirksgruppe Deutschlands zusammen. So treffen unterschiedliche künstlerische Positionen aufeinander, sorgen für Ecken und Kanten oder führen unter einem Thema inhaltlich zusammen. Bei Brand und Emmanouilidis finden sich keine Gemeinsamkeiten bezüglich der Arbeitsweise und auch nicht bezüglich der Aussagen. Hier die farbintensiv gemalten Räumlichkeiten, die viel Platz für Spekulationen und Assoziationen bieten, dort die schwarzen, weißen oder in Graustufen erscheinenden, bisweilen bizarr gestalteten Papierobjekte, die relativ klar zu Themen wie Umwelt und Natur Stellung nehmen.

Das wird der Grund gewesen sein, warum die beiden Künstlerinnen ihrer Ausstellung den Titel „Pro & Contra“ gaben. Der provoziert allerdings die Frage, ob die eine hier für einen bestimmten Standpunkt Stellung bezieht, während die andere dagegen aufbegehrt. Die Frage muss mit Nein beantwortet werden. Es sind eher die Arbeitsweisen, die hier das Für und Wider entfachen.

Darf man beispielsweise Räume malen, die so verschroben konstruiert sind, dass sie in der Realität keine Chance hätten? Die nicht einmal den Anspruch haben, die architektonische Konfusion eines M.C. Escher auf die Spitze zu treiben? Nein, Emmanouilidis’ Räume funktionieren gar nicht, sind provokant perspektivlos, menschenleer, flach und mysteriös. Einzelne Attribute wie menschliche Schatten, defekte Strickleitern oder rätselhafte Apparate und Maschinen führen zu extremer Verwirrung und lassen an der eigenen Wahrnehmung zweifeln. In der Mitte der Galerie findet man dagegen grün angemalte Fundstücke wie Tannenzapfen, kleine Stücke Baumrinde oder Kastanienfrüchte, die per Wachsblock konserviert in Papierschalen ihr letztes Refugium fanden – eine Arbeit von Christine Brand, die unter dem Einfluss der Folgen entstand, die der Orkan Kyrill seinerzeit hinterließ. Die Botschaft ist klar: Hier wird eine Art musealer, mit rot-weißem Flatterband geschützter Naturraum geschaffen – letztes Reservat möglicherweise aussterbender Erdareale.

Auch zum Thema „Der gläserne Mensch“ bewahrt Brand Objekte in ihren papierenen Rückzugsräumen: auf Acrylplatten gezeichnete Symbole der Überwachung. Mit der Installation „gedankenLos“ erinnert sie explizit an die Nazi-Widerstandsaktivitäten der „Weißen Rose“.

BBK Kunstquartier (Bierstraße 33): „Pro & Contra“. Malerei und Objekte von Ulrike Emmanouilidis und Christine Brand. Freitag, 24. Juni (Eröffnung um 19 Uhr), bis 3. September, Di.–Fr. 15–18 Uhr, Sa. 11–15 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


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