zuletzt aktualisiert vor

Zum Tod von Ewald Aul Ehemaliger Vorsteher der jüdischen Gemeinde Osnabrück gestorben

<em>Ewald Aul</em> (Aufnahme von 2006). Foto: Archiv/MartensEwald Aul (Aufnahme von 2006). Foto: Archiv/Martens

Osnabrück. Er gehörte zu den wenigen Juden Osnabrücks, die den Holocaust überlebt haben: Ewald Aul, langjähriger Vorsteher der jüdischen Gemeinde, ist in der Nacht zum Mittwoch gestorben – einen Tag nach seinem 87. Geburtstag.

Die Nazis deportierten Ewald Aul 1941 nach Riga. Von dort kam er ins Konzentrationslager Stutthof . Er überstand den Terror und kehrte nach dem Krieg in seine Heimatstadt Osnabrück zurück. Zusammen mit anderen Überlebenden gründete er die Jüdische Gemeinde und setzte sich für die Verständigung zwischen den Glaubensgemeinschaften ein.

Tatkräftig wirkte Aul am Bau einer neuen Synagoge mit, die 1969 in der Barlage fertiggestellt wurde. Damals hatte die Jüdische Gemeinde 25 Mitglieder, in seiner Amtszeit wuchs die Zahl auf über 400 an. Als nach dem Ende des Kalten Krieges in den 90er-Jahren viele Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kamen, setzte sich Ewald Aul für die Integration der Neuankömmlinge ein. Durch den Zuzug aus Osteuropa ist die Zahl der Gemeindemitglieder inzwischen auf über 1000 gewachsen.

Aul, der sich im Berufsleben als Speditionskaufmann betätigte, war ein Vierteljahrhundert lang Vorsteher der Jüdischen Gemeinde. 1980 gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit . Für sein Engagement verlieh ihm die Stadt Osnabrück 2006 die Bürgermedaille. Das Land Niedersachsen ehrte ihn für seine Versöhnungsarbeit mit dem Verdienstkreuz am Bande.

In Osnabrück erhob Ewald Aul immer wieder mahnend seine Stimme, wenn Neonazis und andere Unbelehrbare Hass gegen Migranten oder religiöse Minderheiten predigten. Sein energisches Eintreten für Toleranz und Verständigung hat manchmal überdeckt, dass der Mitbegründer der Jüdischen Gemeinde in Glaubensangelegenheiten ein konservativer Mensch war.

Als die jüdische Gemeinde Oldenburg 1995 als erste in Deutschland das Rabbineramt mit einer Frau besetzte, drückte Ewald Aul sein Unverständnis aus. „Damit bin ich in der Seele nicht einverstanden“, äußerte er in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Er würde auch keinen Gottesdienst besuchen, der von einer Rabbinerin geleitet wird.


0 Kommentare