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Der Tod ist gewiss Gefrierbrand oder Explosion? – Was passiert Astronauten, die ihren Raumanzug aufmachen

Von Jörg Sanders

Besser den Helm auflassen, sonst ... Archivfoto: dpaBesser den Helm auflassen, sonst ... Archivfoto: dpa

Osnabrück. Was passiert, wenn ein Astronaut im Weltall seinen Helm abnimmt oder gar den Anzug auszieht? Glaubt man der Trickfilm-Serie „Die Simpsons“, explodiert der Kopf. In zahlreichen Internetforen überschlagen sich Laien mit Expertenmeinungen zum Thema. Einige sind sicher: Man würde ersticken oder schockgefrieren. Andere sind überzeugt: Der Brustkorb explodiere, das Blut fange an zu kochen.

Die NASA beantwortete die häufig gestellte Frage im Internet. Zuerst die gute Nachricht: Lege man Helm oder den ganzen Raumanzug ab, platze man nicht. Dafür sei der Druckunterschied nicht groß genug. Nun mehrere schlechte Nachrichten: Sterben würde man dennoch. „Zuerst einmal fehlt im Weltall der Sauerstoff“, sagt Andreas Schütz vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR).

Doch damit nicht genug: Das Weltall ist ein Vakuum, und in einem Vakuum sieden Flüssigkeiten eher. Manche Experten sagen, das Blut würde nicht kochen, oder es würde zumindest eine Weile dauern. Die NASA hingegen meint: Aufgrund des niedrigen Siedepunkts fange das Blut an zu kochen, der Kreislauf bräche zusammen, man verlöre das Bewusstsein – und stürbe. Wasser in den Zellen würde verdampfen und sie zum Platzen bringen. Ferner schwelle der Körper wohl wegen des fehlenden Drucks stark an.

Weiteres Problem: die Temperaturen. Zur sonnengewandten Seite müsste der Mensch 150 Grad Celsius aushalten und mindestens einen starken Sonnenbrand verkraften. Zur sonnenabgewandten Seite hätte der Körper minus 100 Grad auszuhalten – „Verbrennung und Unterkühlung zugleich“, sagt DLR-Sprecher Schütz. Anders ausgedrückt: Gefrierbrand mal anders. Die NASA geht davon aus, dass man sofort erfrieren würde, sofern das kochende Blut nicht vorher zum Exodus führe.

Was nun zuerst tödlich ist, ist unklar. „Versuche dieser Art hat es ja noch nicht gegeben“, sagt Schütz. „Aber der Tod ist gewiss.“