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In Hellmich steckt ein alter Rufname

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Lothar Hellmich aus Wallenhorst bittet um Aufklärung seines Familiennamens. Der häufige Name Hellmich, etwas seltener auch Helmich geschrieben, ist in großen Teilen Deutschlands verbreitet, im Raum Osnabrück ist Hellmich oder Helmich aber besonders häufig.

Von der heutigen Form Hel(l)mich ausgehend, ist der Name nicht zu deuten. Eine Suche nach historischen Belegen ergab, dass es sich um einen alten Rufnamen handelt, der in früheren Jahrhunderten vor allem im niederdeutschen Sprachgebiet gebräuchlich war. Aus den alten Zeugnissen geht hervor, dass die heute häufigere Schreibung Hellmich mit Doppel-l relativ jung ist, die alten Belege schreiben nur einfaches -l-, so etwa bei Helmich Gropengheter (1425 in Anklam/Pommern), Helmich Lürwolt (1420 in Soest), Helmich Stôtere (1276 in Westfalen, Ort unbekannt).

Helm- ist dem altdeutschen Namenwort helm „Helm, Schutz“ zuzuordnen, der zweite Bestandteil des Namens, -ich, ist jedoch nicht ohne Weiteres zu bestimmen. Für die Entstehung des Namens Helmich sind zwei verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten anzuführen.

Einerseits erweisen einige Belege, dass Helmich aus Helmwich verkürzt wurde, so ist Helmich van Horst auch als Helmwich van Horst bezeugt (1257/58 Westfalen), in lateinischer Namensform erscheint Helmicus Remensnidere auch als Helmwicus Remensnidere (1258 in Hamburg).

Helmwich war eine verbreitete Schreibweise des Namens Helmwig, beide Schreibungen sind im Jahre 1182 in Osnabrück nebeneinander bezeugt, zu vergleichen ist die Schreibung Ludwich neben Ludwig. Das Namenwort wig in Rufnamen wie Helmwig, Ludwig, Hartwig bedeutet „Kampf“. Bei der zweiten Möglichkeit ist Helmich als Schreibvariante von Helmig durch Verkürzung aus Helming entstanden, mit Schwund des -n- von -ing, wie dies für viele Namen, aber auch bei Wörtern nachzuweisen ist, so etwa bei Pfennig aus Pfenning oder bei König aus Köning (vgl. niederländisch koning „König“). Für die Region Lippe ist diese Entwicklung konkret bezeugt, Helming 1369 in Wissentrup erscheint später als Helmig.

Helming ist mit -ing zu Helmo/Helme gebildet, dies war die Kurzform von Rufnamen mit Helm- wie Helmwig, Helmbert, Helmfried u.a., Helming bedeutete „Sohn von Helme“. Helming und Helmig gibt es auch heute noch als Familiennamen, beide Namen sind besonders in den benachbarten Landkreisen Steinfurt und Emsland konzentriert.

Im Zuge der deutschen Ostsiedlung im späten Mittelalter gelangte der Name Hel(l)mich auch in den Nordosten, wo er vor allem in Ostpreußen sehr verbreitet war. Die zahlreichen Familien Hel(l)mich in den Ballungsgebieten Berlin und Rheinland/Ruhrgebiet stammen zu einem großen Teil von dort.


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