zuletzt aktualisiert vor

Kämpfer für den Katholizismus In Osnabrück umstritten: Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg starb vor 350 Jahren

Von Hermann Queckenstedt

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Bild des Fürstbischofs im Iburger Rittersaal. Foto: ArchivBild des Fürstbischofs im Iburger Rittersaal. Foto: Archiv

Osnabrück. Für Osnabrück hatte er mit aller Kraft gestritten; seine letzten Lebensjahre verbrachte Fürstbischof Franz Wilhelm von Wartenberg indes in seinem zweiten Bistum Regensburg, wo er am 1. Dezember 1661 starb. Damit machte der profilierte katholische Theologe den Osnabrücker Bischofsstuhl frei für seinen evangelischen Nachfolger Ernst August I. von Braunschweig-Lüneburg, der freilich nur das Erbe als Landesherr und nicht als geistliches Oberhaupt der Katholiken im Hochstift Osnabrück antrat.

Am katholisch-kämpferischen Wittelsbacher Franz Wilhelm scheiden sich noch heute die Geister: Evangelischen Osnabrückern gilt er als gewaltsamer Vollstrecker der katholischen Gegenreformation, der in den fünf Jahren seiner ersten Amtszeit zwischen 1628 und 1633 das lutherische Erbe der Reformation von 1543 hinwegfegte. Die Katholiken blicken lieber auf die elf Jahre zwischen 1650 und 1661, in denen er die Gleichberechtigung der Konfessionen anerkennen musste und sich – dergestalt machtlos – auf die katholische Reform nach dem Dreißigjährigen Krieg konzentrierte.

Katholische Reformen

Eines steht indes fest: Ohne den Bayern Franz Wilhelm und seine Hartnäckigkeit wäre Osnabrück heute eine andere Stadt mit einem gänzlich anderen Lebensgefühl. Verbissen versuchte der 1633 von den Schweden vertriebene Fürstbischof als diplomatischer Vertreter seines erzbischöflichen Vetters aus Köln und weiterer geistlicher Staaten bei den Westfälischen Friedensverhandlungen das Hochstift Osnabrück für das katholische Lager zu sichern – nachdem er mit dem Friedensschluss bereits seine beiden weiteren sächsischen Bistümer Verden und Minden für die katholische Sache verloren hatte. Immerhin errang er nun einen Teilerfolg: Das Fürstbistum wurde künftig abwechselnd von einem katholischen hochadeligen Priester und einem evangelischen Welfenprinzen aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg regiert, wobei sich geistliche Machtbefugnisse der jeweiligen Landesherren nur auf die eigene Konfession bezogen.

Zudem sollte jedes Kirchspiel künftig für alle Zeiten dem Bekenntnis treu bleiben, dem die Gemeinde 1624 gefolgt war. Damit entstand jener konfessionelle Flickenteppich im Osnabrücker Land, der für dreieinhalb Jahrhunderte bis in die späten 90er-Jahre ein regionales Wir-Gefühl verhinderte, dabei aber ein pragmatisches Miteinander bei tolerantem Augenmaß förderte.

Als 1650 die neue, aus den Friedensverhandlungen erwachsene Osnabrücker Verfassung, die Capitulatio perpetua, in Kraft trat, durfte Franz Wilhelm nach Osnabrück zurückkehren, doch musste er seine frühere, gegen die evangelische Seite gerichtete Politik aufgeben.

Angesichts der Gründung der ersten, jesuitisch geprägten Universität, vielfältiger katholischer Reformen, der zwangweisen Rückführung der Osnabrücker Marien- und Katharinenkirche zum katholischen Bekenntnis, der gewaltsamen Vertreibung des evangelischen Stadtrates sowie der militärischen Kontrolle der Stadt durch die bischöfliche Petersburg hatten die Jesuiten ihren großen Förderer 1632 als christlichen Herkules verherrlicht.

Seelsorge ausgebaut

Dieses Bild gefiel dem Fürstbischof offenbar so gut, das er es nach 1650 im neu gestalteten Rittersaal der Iburg propagandistisch wieder aufgriff. Die Decke stellt die Großtaten des antiken Helden dar, während an den Wänden die Porträts aller bischöflichen Vorgänger Wartenbergs nicht nur zu sehen sind, sondern geradezu auf das Konterfei Franz Wilhelms zulaufen. Die Botschaft der Reihe könnte lauten: „Ich bin der legitime Erbe dieser Tradition.“

Zugleich verlegte er sich ganz darauf, Seelsorge und Gottesdienst niveauvoll auszubauen, die Ausbildung der Priester zu sichern und durch Synoden seine Reformanstrengungen in der Priesterschaft zu verankern. Um die Identität der Osnabrücker Katholiken zu stärken, forcierte er die Verehrung seiner mittelalterlichen Vorgänger Wiho, Gosbert, Benno II. und Adolf von Tecklenburg als Heilige: eine Anstrengung, die jedoch keinen nachhaltigen Erfolg hatte. Gleichwohl betrachteten die Osnabrücker Bischöfe Paulus Melchers und Bernard Höting Wartenberg und seine Initiativen durchaus als vorbildlich. Während Melchers tatsächlich an seine geistlichen Reformbemühungen anknüpfte, setzte Höting ihm mit einem Epitaph im Chorumgang des Domes ein bleibendes Andenken.

In Regensburg fließt die Erinnerung an Franz Wilhelm von Wartenberg dagegen noch heute durch Kehle und Magen: Die von ihm gegründete Brauerei „Bischofshof“ produziert nämlich ein schmackhaftes Bier.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN