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Berührende Doku Marina Abramovic - Die Kriegerin der Kunst


Osnabrück. Vollendeter können die Grenzen zwischen Künstler und Kunstwerk kaum verschwimmen, als bei Marina Abramovic. Die Performance-Künstlerin aus Belgrad macht sich und ihren Körper zum Zentrum ihrer Arbeit. Das EMAF zeigt heute die Dokumentation „The Artist Is Present“.

„Der Künstler ist anwesend“: Auf jeder Einladungskarte zur Vernissage steht dieser Passus. Kunstbusiness as usual sozusagen. Auf die Performancekünstlerin Marina Abramovic bezogen, verwandelt sich der Satz in die blanke Drohung. Die 1946 in Belgrad geborene Künstlerin rannte splitternackt gegen Galeriesäulen, schrubbte Knochen, harkte mit Drahtbürsten durch ihr fülliges Haar. Abramovic ist die Schmerzensmadonna der Kunst, ihr leibgewordener Ernstfall.

„Künstler müssen Krieger sein“: Solche Sätze sagt die Tochter eines Partisanenpaares, das in Titos Jugoslawien Heldenstatus genoss. Wie beruhigend, dass es auch eine müde Abramovic gibt. Matthew Akers zeigt sie in seinem Film über eine Frau, die deshalb zur Klassikerin der Performance avancierte, weil sie Kunst als Verausgabung vorgeführt hat.

Akers Film heißt „The Artist Is Present“, der Künstler ist anwesend, weil er neben Interviews und Werkrückblicken die Sitzperformance zeigt, mit der Abramovic ihre Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art 2010 in einen Medienhype verwandelte. Wir sehen die Künstlerin sitzen. Und staunen über die Museumsbesucher, die ihr gegenüber für eine kurze Zeit Platz nehmen. Sie lächeln, weinen, sind von der schieren Präsenz der Kunstamazone für ihr Leben in der Seele berührt. Abramovic kann das. Kunst kann das. Und der Film wird damit zum Wunder.

Marina Abramovic. The Artist Is Present: Heute, 20 Uhr, Hasetor. Zum später Schauen: DVD bei NFP.


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