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Ein Leben lang ein Hipster Matthias Hörstmann aus Osnabrück begründete mit dem Magazin „Intro“ seine Karriere

Als Herausgeber des Magazins „Intro“ startete Matthias Hörstmann seine Karriere in Osnabrück. Heute leitet er Agenturen und gibt „11 Freunde“ heraus. Foto: Alfred JansenAls Herausgeber des Magazins „Intro“ startete Matthias Hörstmann seine Karriere in Osnabrück. Heute leitet er Agenturen und gibt „11 Freunde“ heraus. Foto: Alfred Jansen

Osnabrück. Alles begann auf einem Bauernhof in Dratum-Ausbergen bei Melle. Dort trafen sich einige enthusiastische Schreiberlinge und bastelten im Zimmer von Matthias Hörstmann die erste Ausgabe von „Intro“ zusammen. Das war vor 20 Jahren. Am Samstag feiert Hörstmann mit den Bands „Die Sterne“ und „Kraftklub“ im bereits ausverkauften Club „Kleine Freiheit“ das Jubiläum des Magazins, mit dem er seine Karriere als Herausgeber von Zeitschriften wie „11 Freunde“ oder Veranstalter von Festivals wie „Melt!“ begründete.

Einige Osnabrücker, die heute die vierzig bis fünfzig überschritten haben, kennen Matthias Hörstmann noch aus dem Nachtleben. Mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen legte er an Wochenenden im Hyde Park, Works, Fiz Oblon in Bippen und Forum Enger Platten auf. In der Woche war er im Schichtdienst bei Tetra beschäftigt. „So konnte ich mir das ,Hobby Intro‘ überhaupt leisten und die Verluste – oder rückblickend betrachtet: Investitionen – der ersten Jahre mit eigenen Mitteln tragen“, sagt Hörstmann.

Eins steht für Matthias Hörstmann fest: Ohne die große Bereitschaft zur ehrenamtlichen und unentgeltlichen Mitarbeit nach dem Motto „just for fun“ und dem Antrieb, aus purer Lust und Leidenschaft mit Gleichgesinnten etwas auf die Beine zu stellen, wäre das „Intro“ nicht weit gekommen. Die klassischen Voraussetzungen, Qualitäten und Referenzen von Autoren, Redakteuren, Anzeigenverkäufern oder Vertriebshelfern besaß damals niemand. Die Akquise von Anzeigenkunden gehört immer noch zu den wichtigsten Aufgaben des Blatts. Das „Intro“ wird seit seinem ersten Erscheinen kostenlos verteilt.

Ab 1995 begann beim „Intro“ die Phase der Professionalisierung und der Etablierung, wie Hörstmann es bezeichnet. Ein „echtes“ Büro mit Festanstellungen wurde in der „Großstadt“ Osnabrück bezogen. Im Jahr 2000 begann vor allem für Hörstmann die Phase der Expansion. Das „Intro“ zog in die Metropolen Köln und Berlin und behauptete seine Position als „Marktführer und Meinungsmacher“. Die aktuellen Prüfzahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) belegen und bestätigen die Marktführer-Position von „Intro“ als reichweitenstärkstem unabhängigem Musikmagazin in Deutschland. Hörstmann ergänzt, dass das „Intro“ als einziger Titel im Segment seine Auflagenzahlen über die letzten Jahre trotz Print-Krise behaupten konnte.

Aus den zahlreichen Aktivitäten und Verlagsnebengeschäften Matthias Hörstmanns entwickelten sich erfolgreiche Projekte zu eigenständigen Geschäften und Gesellschaften. Als Beispiele führt Hörstmann das Fußballmagazin „11 Freunde“, die Festivals „Melt!“ oder „Splash“, die Konzertagentur „Melt! Booking“, die PR-Agentur „Gemeinsame Sache“ oder die Biermarke „Bolzen Bier“ an. Sie alle wurden im letzten Jahr unter dem gemeinsamen Dach der Hörstmann-Unternehmens-Gruppe (HUG) als „Kompetenznetzwerk für Popkultur“ vereint, wie Hörstmann es nennt. Dort arbeiten auch noch einige Weggefährten aus Osnabrück und der Region, die schon von Anfang an dabei waren.

Für die Zukunft sieht sich der Pop-Medienmogul gut gerüstet. Es gibt zahlreiche Angebote im Internet und fürs iPhone. Hörstmann glaubt aber daran, dass es auch in Zukunft einen Markt für Print-Magazine geben wird. Zum 20. Geburtstag von Intro hat er sich was Besonderes ausgedacht: „Musik für alle Lebenslagen“. Dahinter verbirgt sich das Angebot, zehn „Intro“-Ausgaben plus 13 Millionen Songs On-/Offline-Streaming in Topqualität via Computer, Handy oder iPad für 25 Euro zu erhalten.

Matthias Hörstmann führt das Leben des ewigen Hipsters, der – wie es Hans Clarin alias TV Meier in den Achtzigerjahren im Werbespot der Glücksspirale ausdrückte – am Puls der Zeit lebt. So weiß der als Geschäftsführer und Herausgeber tätige Vater eines Kindes, welche Platten in diesem Jahr für Aufsehen sorgen werden. In seine Auswahl gehören Lana del Rey, Of Montreal, Douglas Reed, Minks oder Supershirt.


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