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Den Falschmeldungen auf der Spur Der Verein Mimikama sorgt bei Facebook für Aufklärung


Osnabrück. Der Hollywoodstar Morgan Freeman ist bereits mehrfach für tot erklärt worden. Angeblich verteilen Diebe an Tankstellen Schlüsselanhänger mit GPS-Sendern, und in Kinositzen lauern HIV-infizierte Spritzen. Das sind nur einige Beispiele für Falschmeldungen, die immer auf Facebook kursieren. Der Verein Mimikama hat sich seit zwei Jahren auf die Aufklärung von Falschmeldungen und Internetkriminalität spezialisiert. Mit Erfolg. Der Verein hat bei Facebook mehr als 276000 Fans – und stündlich werden es mehr.

„Zuerst denken – dann klicken“ (ZDDK) heißt ihre Seite im größten sozialen Netzwerk der Welt. Der Name soll Programm sein, doch viele Nutzer beherzigen ihn nicht. Das Problem sind nicht die Falschmeldungen, sogenannte Hoaxes und Betrugsversuche, sondern dass leichtgläubige Nutzer sie durch „Liken“ oder „Teilen“ im Netzwerk unter ihren Freunden verbreiten.

„Wir sind über unseren Erfolg selbst überrascht“, sagt Mimikama -Mitarbeiter Markus Sauthoff. Mimikama bedeutet „Gefällt mir“ in der afrikanischen Sprache Suaheli. Seit etwa einem Jahr beantwortet der 34-Jährige die Anfragen der Nutzer ehrenamtlich. Er selbst hat die Seite entdeckt, als er einen Freund vor einer Facebook-Anwendung warnen wollte und nach einem Beitrag auf der Internetseite des Vereins gesucht hat. Als er immer mal wieder aus Spaß Nutzerfragen beantwortete, fragte ihn Vereinsgründer Tom, ob er nicht Lust habe, offizieller Mitarbeiter von ZDDK zu werden. Das Team, zu dem außer ihm und Tom noch Andre, Frank, Michael, Rüdiger, Sebastian und Alexander gehören, erhält zwischen 100 und 200 Anfragen pro Tag. „Am stressigsten war der letzte Sommer“, sagt Sauthoff, „da tauchte immer wieder die Falschmeldung auf, dass Nutzer durch einen Post den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook widersprechen können . Aber das ist Quatsch.“

Was die Mitarbeiter immer wieder beschäftigt, sind gefälschte Gewinnspiele , auf die Tausende Nutzer hereinfallen. Die Masche ist immer gleich: Den Teilnehmern wird die Chance auf ein hochwertiges Smartphone vorgegaukelt. Um es zu gewinnen, müssten sie laut dem Veranstalter des Gewinnspiels nur drei Schritte ausführen. Meist sollen die Nutzer die Seite und den entsprechenden Hinweis auf das Gewinnspiel teilen sowie die Wunschfarbe des Handys oder einen Grund, warum sie es haben möchten, unter den Beitrag posten. „Die Leute fallen immer wieder darauf herein, dabei ist die Nutzung der Facebook-Funktionen Liken, Teilen und Kommentieren zur Ermittlung eines Gewinners oder als Teilnahmevoraussetzung untersagt“, erklärt der Facebook-Experte. Um herauszufinden, ob die Gewinnspiele gefälscht sind, schreiben sie die Veranstalter an und konfrontieren sie mit dem Verstoß gegen die Richtlinien. Meist werden sie dann gelöscht.

Eine weitere Masche von Facebook-Fakes ist es, das Mitleid der Nutzer zu erregen und so möglichst viele „Likes“ zu bekommen. So wurde bereits tausendfach das Bild eines Babys gepostet, geliked oder geteilt, das angeblich Krebs hat . Die Nutzer werden auf dem Bild dazu aufgefordert, das Foto zu liken, weil Facebook angeblich für jedes „Gefällt mir“ Geld spendet, doch das stimmt nicht. „Uns ist nicht bekannt, dass Facebook jemals Geld für ,Likes‘ gespendet hat“, so Sauthoff. In Wirklichkeit ist das Baby übrigens schon acht Jahre alt, und es geht ihm gut. Das Geschwür im Gesicht des Kindes, das hier als Krebs ausgegeben wird, war nur ein Blutschwamm. Er wurde vor Jahren erfolgreich entfernt.Hier stellt sich die Frage, woher die Mimikama -Mitarbeiter das wissen.

„Wir recherchieren so, wie es auch jeder Nutzer könnte. Zum Beispiel über die Google-Bildersuche. Die Fotos in gefälschten Posts lassen sich dort finden. Meist sind sie mit Zeitungsartikeln verknüpft, die Auskunft darüber geben, was es mit dem Foto auf sich hat. In Vermisstenfällen informieren wir uns über das Presseportal der Polizei“, so Sauthoff. Die meisten Nutzer würden sich nicht die Mühe machen, solche Meldungen selbst zu überprüfen, sondern sie einfach weiter über Facebook verteilen. Dieses Verhalten mache ihre Aufklärungsarbeit auf Facebook so schwer. Gerade in Fällen von Vermissten sei das Teilen der Beiträge oft nicht sinnvoll, meint Sauthoff: „Wir kennen immer nur die eine Seite – nämlich, die, die den Post erstellt hat. Aber vielleicht will die vermisste Person gar nicht gefunden werden. Zum Beispiel eine Frau, die vor ihrem Mann ins Frauenhaus geflohen ist. Bei Kindern geht es häufig um einen Sorgerechtsstreit. Da sollte man vorsichtig sein.“

Doch woher kommen all die Falschmeldungen, und was soll das? „Bei vielen Fakes glauben wir, dass Jugendliche dahinterstecken, die sich mit ihren Freunden einen Wettstreit liefern, wer die meisten ‚Likes‘ bekommt“, erklärt der Mimikama-Mitarbeiter. Bei den gefälschten Gewinnspielen lägen jedoch andere Beweggründe vor: „Innerhalb kürzester Zeit sollen die Seiten zwar auch möglichst viele ‚Likes“ bekommen, aber nur, um sie teuer zu verkaufen oder Werbung an möglichst viele Nutzer verteilen zu können.“

Zuerst denken, dann klicken – genau das wünschen sich das Mimikama -Team und vielleicht auch Morgan Freeman von den Facebook-Nutzern. Sie haben schon mehr als eine Viertelmillion Nutzer auf ihre Arbeit aufmerksam gemacht – fehlen also nur noch 999750000 User, bis alle Facebook-Nutzer dabei sind.

Weitere Infos:www.mimikama.at oder www.facebook.com/fakepostings


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