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Provokation und Poesie BBK-Kunstquartier:: Thomas Fleischer und Rüdiger Höding

Balanceakte des Einzelnen und Zerreißproben der Gesellschaft thematisieren Thomas Fleischer und Rüdiger Höding in ihrer gemeinsamen Ausstellung. Foto: Klaus LindemannBalanceakte des Einzelnen und Zerreißproben der Gesellschaft thematisieren Thomas Fleischer und Rüdiger Höding in ihrer gemeinsamen Ausstellung. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Politik und Poesie, Provokation und Fantasie. Eine neue Ausstellung im BBK-Kunstquartier bietet Kontrastreiches: Lesbisch Liebende beim innigen Kuss, ballernde Frauen aus PC-Spielen als „Kindermädchen“ und rechtsextreme Massenmörder in Freimaurer-Kluft stehen filigran gearbeiteten Objekten gegenüber, die den Menschen in seiner existenziellen Verletzlichkeit thematisieren. „Traum – Phantasie – Wahn“ ist der Titel der Ausstellung, bei der traditionell ein Mitglied des Bundes Bildender Künstler (BBK) aus der Region Osnabrück auf einen Kollegen von außerhalb trifft.

In diesem Fall machte sich Thomas Fleischer auf die Suche nach einem passenden Partner und fand ihn in Rüdiger Höding aus Bad Salzdetfurth.

Während Fleischer mit seinen Gemälden aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufs Korn nimmt, verarbeitet Höding mit seinen Skulpturen aus Holz, Gaze, Kupferfolie und Stein einschneidende Erlebnisse in seinem Leben. Wie Schiffe mit Segeln wirken seine zerbrechlichen Vehikel, in deren Takelage Figuren balancieren, die im nächsten Moment abzustürzen drohen – oder durch glückliche Fügung durch ein Netz vom Abgrund bewahrt werden. Die Objekte mit Titeln wie „Zeitleiter“ oder „Traumfänger“ stehen zum Teil auf wagenähnlichen Sockeln, die das Fortschreiten der Zeit symbolisieren, sich aber selbst behindern, wenn zwei Räder an jeder Seite jegliche Bewegung sabotieren.

Fleischer, der auch nicht gegenständlich malt – zurzeit zeigt er abstrakte Malerei in der Belmer Rathausgalerie –, setzt hier mit seinen eher realistischen Bildern einen Kontrapunkt. Bewusst gesetzte Zitate aus Ballerspielen, die nach Meinung des Künstlers heutzutage erzieherische Funktionen im Kinderzimmer übernehmen, aggressiv schauende junge Frauen, die fundamentalistische Tendenzen in unserer Gesellschaft verkörpern, und Comic-Figuren, die für den „ungelebten“ Teil des Menschen im psychoanalytischen Sinn stehen, sprechen eine deutliche Bildsprache: wenn man mit den Zeichen und Stilistiken von X-Men, den amerikanischen Superhelden aus dem Marvel-Verlag, oder Lara Croft in Tomb Raider vertraut ist, die die Welt sowohl als Comicfiguren als auch als Filmhelden vor dem Bösen bewahren.

Moderne Graffiti-Zitate versetzen die Szenerien zusätzlich in ein urbanes Umfeld. Fleischer kreiert so einen stillen Aufschrei gegen den Zeitgeist, aber auch ein vehementes Plädoyer für die Freiheit des Individuums.

BBK-Kunstquartier (Bierstraße 33): „Traum – Phantasie – Wahn“. Malerei von Thomas Fleischer und Objekte von Rüdiger Höding. 31. August (Eröffnung um 19 Uhr) bis 6. Oktober, Di., Mi. und Fr. 14–18 Uhr, Do. 15–20 Uhr Sa. 11–15 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


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