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Schau: Ute Friederike Schernau Galerie écart zeigt männliche Akt-Fotografien

<em>Träumender Mann, hellwache Frau: </em>Ute Friederike Schernau vor einem ihrer Werke. Foto: Uwe LewandowskiTräumender Mann, hellwache Frau: Ute Friederike Schernau vor einem ihrer Werke. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Von der Venus bis zur Odaliske: Die Kunstgeschichte ist voller nackter Frauen. Die Fotografin Ute Friederike Schernau dreht das Verhältnis um und präsentiert in der Galerie écart einen weiblichen Blick auf männliche Körper.

Der junge Mann träumt. Nackt liegt er auf einer Decke, die aussieht, als entstamme sie Omas Wäscheschrank. Er hat die Augen geschlossen. Ob er von den Baguette-Enden träumt, die um ihn herum drapiert wurden? Ob sich etwas Erotisches hinter seinen Augenlidern abspielt oder ob das ganze Bild eine Allegorie oder gar eine Art unleidenschaftliche Fantasie darstellt – ein Blick in die großen Augen von Ute Friederike Schernau könnte Auskunft gegen. Sie ist die Fotografin, die zurzeit in der Galerie écart ausstellt, um dem Besucher „männliche Schönheit aus weiblicher Sicht“ zu zeigen.

„About Adam“ heißt die Ausstellung mit Werken der in Münster lebenden und arbeitenden Fotografin. Dass unter diesem Titel männliche Akte präsentiert werden, versteht sich von selbst. Eigentlich, sagt Schernau, hat sie in ihrem Leben schon mehr Frauenakte abgelichtet als Männer, doch das Thema „Adam“ habe sie für diese Ausstellung fokussiert. Sie suchte all die blassen Jünglinge zusammen, die sich in ungewohnter Umgebung vor ihrem Objektiv ausgezogen haben. Die sich nächstens, vor einem Gebüsch stehend, schamvoll eine Calla-Blüte als Feigenblatt vorhalten. Dazu gehört aber auch der ältere Herr mit langem Haar und vollem Bart, der in einem Stall liegt und seine Adamspracht von zwei wohlgenährten grauen Kaninchen begutachten lässt. In diesen Aufnahmen mit skurrilen Accessoires und Komparsen scheint ein wenig von dem Humor durch, den die gebürtige Essenerin durchaus hat – während die puren Männerakte zwischen Voyeurismus und Selbstinszenierung charakterisiert sind.

„Frauenfotos sind leichter zu konsumieren“, sagt die Fotokünstlerin. Tatsächlich werden wir täglich von einer Flut knapp bekleideter Frauen umgeben – der männliche Akt bleibt die Ausnahme.

Zwei Fotos in der Ausstellung sind allerdings keine Männerakte. Dazu gehört das großartige Beweisfoto von Eva auf den Schultern von Adam beim Sündenfall. Und das Porträt der Frau, die selbstbewusst ihre unterschiedlichen Brüste zeigt. Diese Aufnahmen helfen, die Intention der Fotografin nachzuvollziehen, deren Themenspektrum wesentlich größer ist als nur der Blick auf den nackten Mann.

Galerie écart, Große Gildewart 23a: „About Adam“. Farbfotografie von Ute Friederike Schernau. Bis 30. September, Mi.–Fr. 15 –18 Uhr, Sa. 11–13 Uhr und nach Vereinbarung. Telefon 0170/ 4843060.


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