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Osnabrücker Straßenzeitung „Abseits!?“ empört über unseriöse Konkurrenz Falsche Obdachlosenzeitung im Umlauf

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Links ist die echte Osnabrücker Straßenzeitung „Abseits!?“ zu sehen, rechts der angebliche Nachfolger.Thomas Kater von den Sozialen Diensten SKM weist darauf hin, dass sich alle „Abseits!?“-Verkäufer jederzeit mit einem Ausweis samt Foto legitimieren können. Foto: Michael HehmannLinks ist die echte Osnabrücker Straßenzeitung „Abseits!?“ zu sehen, rechts der angebliche Nachfolger.Thomas Kater von den Sozialen Diensten SKM weist darauf hin, dass sich alle „Abseits!?“-Verkäufer jederzeit mit einem Ausweis samt Foto legitimieren können. Foto: Michael Hehmann

S. Osnabrück. Sie haben die Zeitungspacken manchmal in einem Kinderwagen, sind zum Teil minderjährig und sprechen nur gebrochen Deutsch – die Verkäuferinnen einer dubiosen Obdachlosenzeitung. Das Üble bei ihrem Auftritt: Sie behaupten, die Osnabrücker Straßenzeitung „Abseits!?“ gebe es nicht mehr. „Straßenträumer“ sei der Nachfolger.

„Mit Konkurrenz könnten wir umgehen. Aber das ist eine Frechheit“, stellt Thomas Kater, Sozialarbeiter und verantwortlicher Redakteur der „Abseits!?“ fest. Die Osnabrücker Straßenzeitung wird von ehemals Wohnungslosen und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Tageswohnung an der Bramscher Straße gemacht. Am 29. Juli vor genau 15 Jahren erschien die erste Ausgabe, am Samstag, 18. September, soll das Jubiläum mit einem großen Straßenfest gefeiert werden. Und jetzt so was.

Aufmerksam auf den „Straßenträumer“ wurden Verkäufer der „Abseits!?“. Das sind wohnungslose oder ehemals wohnungslose Menschen, die von den 1,10 Euro Verkaufspreis 55 Cent für sich behalten dürfen. Karl Fiedler, der seinen Stammplatz am Domhof hat, wurde am vergangenen Samstag von Marktbeschickern angesprochen. Denen wiederum war der „Straßenträumer“ angeboten worden mit dem Hinweis, die Zeitung sei Nachfolger von „Abseits!?“.

Fiedler schaute sich um und entdeckte am Theater in Richtung Nikolaiort eine etwa 16-jährige Jugendliche. Von Fiedler angesprochen, verwies sie auf „Mutter“, eine Frau mit einem Kinderwagen, in dem nach Fiedlers Aussage mindestens zwei Packen Zeitungen lagen. Ein Kind hat er nicht gesehen. Beide zeigten ihm einen undefinierbaren Ausweis. „Ich habe sie gebeten, etwas zu warten, damit ich das überprüfen kann“, sagte Fiedler: „Aber sie sind verschwunden.“

„Wenigstens Sie gibt es noch“, wurde Wieland Wesiger, „Abseits!?“-Verkäufer an der Krahnstraße, von einem Stammkunden freudig begrüßt. Dieser hatte, im Glauben, etwas Gutes zu tun, kurz zuvor einen „Straßenträumer“ erstanden und dabei gehört, dass es die „Abseits!?“ nicht mehr gebe. „Wir befürchten, dass mehrere Kunden darauf hereingefallen sind“, sagte Kater.

„Straßenträumer – Überregionale Ausgabe für deutschsprachige Länder“ mit Sitz in Darmstadt ist bislang vorwiegend in Süddeutschland verkauft worden. Der Inhalt ist äußerst dürftig: ein paar groß gedruckte Kalendersprüche, Gedichte und ein „Artikel“ zum Thema Obdachlosigkeit, von dem ganze Passagen aus Wikipedia stammen.

Ob oder wie viel die Verkäufer vom „Solidaritätspreis“ 1,50 Euro erhalten, wird nicht mitgeteilt. Bei „Abseits!?“ zum Beispiel steht es schon auf der Titelseite. Dafür ist ein Hinweis auf die Gewerbeordnung, §55a, Absatz 10 unübersehbar groß gedruckt: „ Eine Reisegewerbekarte braucht nicht, wer Druckwerke auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder anderen öffentlichen Orten feilbietet.“ Rechtlich ist nichts gegen den Verkauf einzuwenden – außer in Rheinland-Pfalz. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier hat bereits im Februar 2008 den Verkauf von „Straßenträumer“ untersagt. Angeblich geht der Verkaufserlös an eine Suppenküche und eine Kleiderkammer für Obdachlose in Darmstadt. Den dortigen Behörden sind diese Einrichtungen jedoch nicht bekannt. Auch die Gemeinnützigkeit könne der Verein „Straßenträumer“ nicht nachweisen. Eine Aufsichtsbehörde wie in Rheinland-Pfalz gibt es in anderen Bundesländern nicht.

Der Herausgeber, der früher bereits mit anderen angeblichen Obdachlosenzeitungen wie „Food für you“, „StraMax“ oder „Streetworker“ auf dem Markt war, war von der Neuen OZ weder auf dem Festnetz noch am Handy für eine Stellungnahme zu erreichen.


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