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Schönes Masuren Autor Tobias Lehmkuhl las im Blue Note

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<em>Wahlberliner aus Bissendorf: </em>Tobias Lehmkuhl. Foto: Thomas OsterfeldWahlberliner aus Bissendorf: Tobias Lehmkuhl. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Die Lesung im Blue Note war für Tobias Lehmkuhl eine Art Heimspiel: Der Autor stammt aus Bissendorf. Doch für sein Buch „Land ohne Eile“ begab er sich schon in die Fremde: nach Masuren.

Osnabrück. „Du heißen Klops!“ Provozierend und herzlich zugleich fällt die Kontaktaufnahme des jungen Polen Pawel mit Tobias Lehmkuhl aus. In einem Restaurant am Ufer des Nikolaikensees lernt der Autor neben Pawel und dessen Schwester Natalja nebenbei auch die wenig stubenreine Bedeutung des Wortes „kurwa“ kennen – nur eines von vielen Erlebnissen, die Lehmkuhl in seinem Reisebuch „Land ohne Eile. Ein Sommer in Masuren“ beschreibt. Auszüge daraus las er am Dienstag im Blue Note in der gut besuchten Veranstaltung der Reihe „Littera“ der Buchhandlung zur Heide.

Für den 1976 geborenen Wahlberliner ist das gewissermaßen ein Heimspiel, stammt er doch aus Bissendorf und besuchte in Osnabrück das Ratsgymnasium. Mit seinem sommerlichen Trip nach Masuren wandelte Tobias Lehmkuhl auf den Spuren von Siegfried Lenz und Arno Surminski und lieferte doch seine ganz eigenen, unvoreingenommenen Eindrücke über diese Region des früheren Ostpreußens, die er per Auto oder Kajak bereiste.

In lockerer, mitunter flapsiger Sprache beschreibt er Eichenalleen, heftige Regenfälle, polnisch-deutsche Begegnungen oder die „abgeschiedene Einsamalleinigkeit“ bei Autofahrten über weite Landstraßen. Auf Leinwand geworfene Fotoaufnahmen von idyllischen Bruchwäldern, Seen und Gebäuden illustrieren Lehmkuhls Beschreibungen eines zerrissenen, schönen Landes im Schatten der Geschichte.

Historische Exkursionen lieferte der Autor mit Abschnitten über Masurens Urbewohner, die Prußen, oder über die Bestrebungen von Friedrich II., das feuchte Land trocken und urbar zu machen. Skurril und beklemmend mutete wiederum das Kapitel „Mein Nazitag“ an, in dem Lehmkuhl seine Besichtigung der Wolfsschanze oder von Bunkerresten beschreibt und in einem nahe gelegenen Hotel eine unruhige Nacht verbringt. Seine Lesung beendete Tobias Lehmkuhl mit einem Auszug aus seinem aktuellen Buch-Projekt, in dem es um seine Reise rund ums Mittelmeer geht.

Tobias Lehmkuhl: „Land ohne Eile. Ein Sommer in Masuren“. Rowohlt Berlin Verlag, 2012. 224 Seiten. 17,95 Euro.


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