Kunst mit System Ausstellung im Landschaftsverband

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Bad Iburg. Diese Blätter sind echte Raritäten. Die 1977 entstandene Mappe mit Grafiken der Künstlergruppe „Systhema“ erzählt von einer anderen Zeit der Kunst. Und doch wirken diese Werke frisch und klar wie am Tag ihrer Entstehung. Jetzt sind sie auf der Iburg zu sehen.

„Alte Apotheke – neue Kunst“: Zum achten Mal inszeniert der Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. zwei höchst unterschiedliche Kunstgenerationen in einer Ausstellung. Dr. Susanne Tauss, Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes, und Toni Walz konfrontieren die abstrakte Kunst der Gruppe „Systhema“ mit den Gemälden, Grafiken und Fotografien von sechs Studierenden aus dem Fachgebiet Kunst der Universität Osnabrück. Weiterer Bezug: Die Präsentation der „Systhema“-Werke gehört zu den zwölf Ausstellungen im Osnabrücker Land, mit denen die Erinnerung an den vor 50 Jahren verstorbenen Osnabrücker Konstruktivisten Friedrich Vordemberge-Gildewart (VG) als inspirierendes Erlebnis in der Gegenwart gestaltet wird.

Die Künstlerinnen und Künstler, die sich 1974 zunächst unter dem Namen „System“ zu lockerem Gruppenverbund zusammenfanden, arbeiteten noch im Hinblick auf den wenige Jahre zuvor verstorbenen Vordemberge-Gildewart. Ihre Werke belegen jedoch, wie konkrete Kunst produktiv fortgeschrieben werden kann, ohne Klassiker wie VG einfach nur zu zitieren. Die Mappe aus dem Privatbesitz eines der beteiligten Künstler entstand seinerzeit für eine Gruppenausstellung in Helsinki. Das Konvolut versammelt Werke, die der Gedanke der Abstraktion und Serialität eint – mehr aber auch nicht. Künstler wie Andreas Brandt, Thomas Kaminsky , George Rickey oder Rudolf Valenta erkunden serielle Farbwirkungen oder konstruktiv-geometrische Gestaltungen – und das in durchgehend hoher Qualität.

Es spricht für die Ausstellungsregie, diese Position mit jüngeren Vertretern der abstrakten Gestaltung zu konfrontieren. Jo Niemeyer und Jaroslav Toussaint repräsentieren die Gegenwart der Abstraktion. Bemerkenswert dabei, wie virtuos Toussaint Kunst und Design miteinander verschmelzen lässt und noch Luft für Ironie hat. Sein „Fibonacci-Plissé“, ein Bild mit kantigem Faltenwurf, ist ein humorvoller Seitenhieb auf die strengen Prinzipien der Konkreten Kunst. Wundervoll.

Hinter diesem Anspruch stehen die Osnabrücker Studierenden kaum zurück. Kein Wunder. Jan Hendrik Brinkmann, Franziska Finke, Julia Flachmeyer gen. Koch, Jonas Hogh, Anna Horreis und Helge Christian Liebsch waren 2012 allesamt für den Piepenbrock-Kunstförderpreis nominiert. Diese Tatsache sichert das gute Qualitätsniveau.

Auf den Etagen der Hofapotheke und im Residenzflügel macht der Besucher deshalb eine Entdeckung nach der anderen. Ob die souveränen Abstraktionen von Franziska Finke oder Jan Hendrik Brinkmanns Collagen von Bluesmusikern – die Studierenden beeindrucken mit starken Positionen und technischem Können.

Bad Iburg, Schloss Iburg: Künstlergruppe Systhema und neue Kunst. Bis Sommer 2014. Mo.–Fr., 9–13 Uhr und auf Anfrage. Info: 05403/ 72455-14 www.lvosl.de


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