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Ehefrau schreibt ein Buch Alles über Olaf Tank: Vom Muttersöhnchen zum meistgehassten Inkasso-Anwalt

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Als Geldeintreiber von Internet-Abzockern hat der Osnabrücker Anwalt Olaf Tank ein Vermögen verdient. Jetzt hat seine Frau ein Buch über ihn geschrieben. NOZ-Redakteur Wilfried Hinrichs hat es gelesen - seine Rezension ist allerdings eher ungewöhnlich. Er schreibt Olaf Tank einen Brief.

Sehr geehrter Herr Tank,

Ihre Frau hat ein Buch über Sie geschrieben. Sie erzählt Ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive. 

Ein hochinteressantes Buch. Wir erfahren viel, wenn auch nicht alles über den Mann, der zufällig Rechtsanwalt wurde und als Geldeintreiber der Internet-Abzocker ein Vermögen verdiente. Da auch ich – ohne mein Wissen – in diesem „biografischen Roman“ auftauche und aus meinen Berichten über die Abo-Fallensteller zitiert wird, erlaube ich mir, Ihnen in einem offenen Brief zu antworten.


Ihre Frau Manuela Thoma-Adofo sagte mir am Telefon, das Buch sei „sehr nah an der Realität“. Es sei das Ergebnis stundenlanger Interviews mit Ihnen. Mir scheint, es waren Beichtgespräche. Ehrlich gesagt, ich hätte Sie nicht für ein solches Muttersöhnchen gehalten. Sie haben nicht den Mumm gehabt, Ihre russische Freundin gegen die Attacken ihrer eifersüchtigen Mutter zu schützen. Sie hielten die Beziehung vor ihr geheim und bewiesen Mut nur beim Erfinden der Ausreden. „Ich schäme mich noch heute dafür“, steht in dem Buch. Eine späte, aber richtige Einsicht.

Jura studierten Sie, weil Ihnen nichts Besseres einfiel. Die erste Kanzlei eröffneten Sie im Obergeschoss Ihres Elternhauses. Ihre Mutter wählte den Teppichboden aus – einen weißen. Mit der Folge, dass die Mandanten, deren Zahl am Anfang noch überschaubar war, nicht die Kanzlei betreten durften. So fanden die Gespräche im elterlichen Wohnzimmer statt. Mal ehrlich: War Ihnen das nicht furchtbar peinlich?

Erst mit 36 sind Sie Manns genug, sich eine eigene Wohnung zu nehmen. Ihre Eltern sind bei der Besichtigung dabei, aber die Einrichtung nehmen Sie dann doch selbst in die Hand, sehr zum Missfallen Ihrer Mutter. Aber immerhin

Es ist eine Edelwohnung in bester Lage am Westerberg. Das Geld ist da, denn zu diesem Zeitpunkt sind Sie bereits dick im Abzocker-Geschäft. Es passt zu dem Bild, das Ihre Frau in diesem Buch von Ihnen zeichnet, dass Sie nicht selbst diese Methode des Gelddruckens entdeckten. Das hätte ja ein besonderes Maß an Kreativität und Initiative erfordert. Das zeigen Sie vor allem, wenn es um schicke Autos geht, aber dazu gleich mehr.

Ihr Kollege Michael aus Hamburg ist es, der Ihnen die Mandanten aus der Internet-Halbwelt schickt. Respekt, dass es Ihnen gelingt, binnen vier Wochen die Infrastruktur für den Massenversand von Mahnungen in Ihrer Kanzlei in Hellern aufzubauen. Die Mandanten betreiben die Abo-Fallen im Internet, und Sie verschicken die Mahnungen waschkörbeweise. Irgendwo heißt es in dem Buch, dass das Briefzentrum Hellern mutmaßlich zusätzliche Arbeitsplätze schaffen musste, um die Post der Kanzlei Tank abzuwickeln.

Ratten in der Post

Auch kommt massenhaft Post zurück. Gutgläubige Menschen, denen Sie in die Tasche greifen wollten, schickten Ihnen zum Nachweis Ihrer Unschuld Geburtsurkunden oder sonstige Papiere. Andere bestellten in Ihrem Namen bei Beate Uhse, steckten Fäkalien in den Umschlag oder auch mal eine tote Ratte. Daher der Titel des Buches: Tote Ratten für den Tankwart.

Ich gebe zu, Herr Tank, dass ich bislang nicht wusste, dass Sie zeitweise 80 Menschen in der Kanzlei beschäftigten. Ich glaube Ihnen, wenn Sie behaupten, das Betriebsklima sei hervorragend gewesen. Wäre es anders, hätte sich mancher gewiss bei den Medien gemeldet und über Ihre Machenschaften ausgepackt.

Die massiven Angriffe der Medien perlten an Ihnen ab wie Wasser vom Lotusblatt. Während Ihre Frau angesichts der Hatz in den Medien in Tränen ausbrach und schlaflose Nächte verbrachte, fielen Sie vor Lachen vom Sofa. Sie sind frei von Skrupeln und Zweifeln. Für Sie gilt nur, dass die Masche der Abzocker rechtlich nicht greifbar ist. Dass die Internetseiten eine Falle sind, interessiert Sie nicht. Dass die Abzocker keinen Wert schaffen, für das Geld keine Gegenleistung bieten und nur die eigene Bereicherung im Sinn haben, stört Sie nicht. Im Gegenteil: Reich werden wollen auch Sie.

Als ich Ihre Frau am Telefon fragte, wie viel Olaf Tank denn mit dem Inkasso für die Abzocker verdient hat, lachte sie laut auf. „Das weiß ich nicht“, sagte sie, und ich lachte mit. Das mag sogar stimmen. Denn so, wie Sie nach den Schilderungen in dem Buch mit Ihren Partnerinnen umgehen, haben Sie sie bestimmt nicht in Ihre Geschäfte eingeweiht.

Sie haben ja auch hinter dem Rücken Ihrer Frau Autos gekauft. Das ist nicht gerade die Art eines Ehrenmannes. Gerade hatten Sie einen superteuren Macho-Mercedes gekauft (ich kenne mich in dieser Autoklasse nicht aus, deshalb erspare ich mir die Details) und Ihrer Frau hoch und heilig versprochen, dass jetzt Schluss ist mit neuen Autos, da bestellen Sie wenig später schon wieder die nächste Luxuskarosse. Ihre Frau erfährt es kurz vor der Auslieferung per Zufall durch andere. Herr Tank, wer mit solcher Chuzpe Versprechen bricht, verwirkt jeden Anspruch auf Glaubwürdigkeit und Respekt.

Verbrechen lohnt sich

Sie und Ihre Autos: Weil Sie sich nicht zwischen dem Mercedes CLS und dem Porsche Carrera entscheiden konnten, kauften Sie halt beide. Ja, das ist Größenwahn. Da kann ich Ihrer Frau nur zustimmen.

Einer Ihrer aufgemotzten Luxusschlitten trug unter dem Kennzeichen den Zusatz „Verbrechen lohnt sich doch!“. Ich nehme mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis, dass Sie mein Bericht darüber in der Neuen OZ nicht unberührt gelassen hat: „In meiner ersten Eitelkeit ärgerte ich mich sehr. Und zwar darüber, dass das Nummernschild auf dem Bild so unsagbar dreckig war.“ Sie haben, wie in dem Artikel beschrieben, durchaus Sinn für Humor. Ihre Frau erklärte mir, dass sie es gewesen war, die Ihnen diesen Schildhalter geschenkt hatte. Sie fand es einfach lustig und stellte überhaupt keinen Zusammenhang her zwischen Ihrer Inkasso-Tätigkeit und dem Auto als Schaustück Ihres Reichtums.

Eines darf ich an dieser Stelle richtigstellen, Herr Tank: Ich bin durch den Artikel nicht, wie es in dem Buch heißt, bei meinem Arbeitgeber in Ungnade gefallen.

Das Buch ist eine unterhaltsame und humorvoll geschriebene Geschichte über einen egozentrischen Anwalt, der nicht nach links oder rechts schaut, sondern nur auf sein Konto und Wohlbefinden. Das Buch erklärt nicht, es rechtfertigt nicht, es lässt Fragen offen. Zum Beispiel, wo das Geld geblieben ist, das Sie den Menschen aus der Tasche gezogen haben. Ihre Frau sagte mir, sie habe in dem Buch nur zeigen wollen, dass der Mann, „der in den Medien das Arschloch der Nation ist, ein guter Vater sein kann“:

Das lasse ich unkommentiert so stehen.

Herr Tank, Sie haben das Inkasso-Geschäft aufgegeben und sind inzwischen in München als Anwalt neu gestartet. Sehr erfolgreich, wie man hört. Ich will Ihnen dieses Geschäft nicht vermiesen, denn endlich verdienen Sie Geld mit redlicher Arbeit. Aber die vielen Tausend, die sich durch die Abo-Fallen betrogen fühlen, blicken jetzt nach Darmstadt. Die dortige Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Sie wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug erhoben. Das Landgericht prüft, ob das Hauptverfahren eröffnet wird.

Herr Tank, wir kennen uns nicht persönlich. Vielleicht treffen wir uns mal auf einen Kaffee, wenn Sie mal wieder in Osnabrück sind. Aber spätestens in Darmstadt werden wir uns sehen. Denn sollte es zum Verfahren kommen, werde ich im Gerichtssaal auf der Pressebank sitzen.

Mit freundlichen Grüßen

Wilfried Hinrichs

Leitender Redakteur Lokales


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