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„Populistisch und politisch motiviert“ Diskussion über Pfeiffers Studie zur Gewaltbereitschaft junger Muslime

Von Cornelia Achenbach

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Christian PfeifferChristian Pfeiffer

Osnabrück. Kein langatmiger Diskurs, sondern eine hitzige Diskussion: Bei der Vorstellung seiner jüngsten Studie über die Gewaltbereitschaft junger Muslime wurde der Kriminologe Prof. Dr. Christian Pfeiffer scharf kritisiert.

Populistisch und voll methodischer Fehler sei Pfeiffers Forschung, sagte der Osnabrücker Erziehungswissenschaftler Wassilis Kassis. Faktoren wie die erlebte Gewalt von Eltern seien weitaus bedeutender für die Gewaltbereitschaft Jugendlicher als ihre Religion, betonte zudem Professor Dr. Haci-Halil Uslucan, Direktor des Zentrums für Integrationsforschung und Türkeistudien in Essen.

Das Interesse an dem Vortrag war groß, der Veranstaltungsraum klein. Jeder Stuhl, jede Fensterbank, jede freie Fläche auf dem Boden des Zimeliensaals der Universitätsbibliothek war besetzt, sogar im Flur reckten noch Zuhörer die Köpfe, um der Studie zu lauschen, die für neuen Sprengstoff in der Zuwanderer-Debatte sorgt.

Zusammenhang zwischen Religiosität und Gesellschaft

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen untersuchte den Zusammenhang zwischen Religiosität und Gewaltbereitschaft. Die Wissenschaftler um Pfeiffer befragten etwa 45000 Schüler von 14 bis 16 Jahren. Dabei stellten sie unter anderem fest: Hochreligiöse Freievangelische greifen bei der Erziehung am ehesten auf Prügelstrafe zurück, gefolgt von Muslimen.

Zudem verzeichnet Pfeiffer eine erhöhte Gewaltbereitschaft bei sehr gläubigen jugendlichen Muslimen – allerdings nur bei den Jungen, was der Kriminologe auf die „Macho-Kultur“ zurückführt, die in vielen islamisch geprägten Ländern verankert sei. Diese Macho-Kultur sei auch der Grund dafür, dass unter jugendlichen Muslimen kaum Ladendiebstähle begangen werden, sie aber laut Umfrage bei Raub ganz vorne liegen: „Klauen gilt als feige. Raub ist ehrenhaft, man zeigt, wer der Stärkere ist.“

Der Macho-Kultur entgegenwirken könnten nach Ansicht des Kriminologen die Imame, also die Vermittler islamischer Religion, die allerdings seiner Erfahrung nach größtenteils aus dem Ausland kämen und kein Deutsch sprechen. „Wir haben kein Islam-Problem, sondern ein Imam-Problem“, schloss Pfeiffer – und musste sich daraufhin allerhand Kritik anhören.

Kassis: Studie empirisch gehaltlos

„Sie betreiben eine politisch motivierte Umfragenforschung, ich betreibe Wissenschaft“, sagte Kassis und brachte damit Pfeiffer („eine unerträgliche Arroganz“) auf die Palme. Doch der Erziehungswissenschaftler fuhr fort: Ein Großteil der Studie sei empirisch gehaltlos, von einer bedeutsamen Beziehung zwischen Religiosität und Gewalttätigkeit könne keine Rede sein. „Was bleibt, ist ein Schatten auf den muslimischen Jugendlichen.“

Auch Uslucan findet, dass die Studie Integrationsbemühungen konterkariert: „Anstatt eine Religion zu diskreditieren, sollte man sich lieber dafür einsetzen, die Lebensqualität aller Menschen in Deutschland – ob mit oder ohne Zuwanderungsgeschichte – zu verbessern.“


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