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Agnes Miegel ist kein Vorbild mehr

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Die Agnes-Miegel-Realschule am Kalkhügel gibt sich einen neuen Namen und heißt zum 1. Februar 2010 „Bertha-von-Suttner-Realschule“. Diesem Antrag stimmte der Schulausschuss des Rates am Donnerstag einstimmig zu.

Wegen ihrer Nähe zum Nationalsozialismus kann Agnes Miegel kein pädagogisches Vorbild sein – zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, angefertigt vom Uni-Historiker Prof. Hans-Jürgen Döscher. Dabei geht es nicht allein um ihre Mitgliedschaft in NS-Organisationen oder Weihegedichte auf den „Führer“, sondern vor allem um die unbeugsame Haltung der Dichterin Ostpreußens nach 1945: „Dies habe ich mit meinem Gott alleine abzumachen und mit niemandem sonst“, hat Agnes Miegel auf entsprechende Fragen nach der Vergangenheit damals geantwortet.

Seit einem Jahr beschäftigt sich die Agnes-Miegel-Realschule mit dem Erbe, das ihr bei der Namensgebung 1966 – damals in der Trägerschaft des Landkreises – in die Wiege gelegt wurde. Leben und Werk der Namensgebern hätten in der pädagogischen Arbeit der Schule ohnehin kaum noch eine Rolle gespielt, sagte dazu Schulleiter Martin Sandkämper gestern.

Auch deshalb sei der Anstoß aus der Politik und speziell durch Oberbürgermeister Boris Pistorius willkommen gewesen: „Der Name war ja auch in der Vergangenheit nicht unumstritten“, so Sandkämper weiter, „es gab kritische Mails und Anfragen.“ Die Gesamtkonferenz der Schule habe sich deshalb „mehrheitlich“ dem Wunsch des Schulträgers nach einer Namensänderung angeschlossen, so der Schulleiter.

Bereits im April 2008 begann dann auch die Suche nach einer alternativen Benennung für die Realschule im Schulzentrum am Kalkhügel, dessen benachbartes Gymnasium den Namen des Widerstandskämpfers Stauffenberg trägt. Möglichst eine Frau sollte es sein, lautete ein Kriterium, mit Bezug zur Friedensstadt Osnabrück eine weitere Forderung. Namen wie Lissy Rieke, Anna Siemsen und Felka Platek wurden diskutiert und wieder verworfen. Am Ende blieb Bertha von Suttner übrig.

Die Pazifistin und Trägerin des ersten Friedensnobelpreises sei als Streiterin für Völkerverständigung die „ideale Namensgebern einer Schule in der Friedensstadt Osnabrück“, heißt es dazu im Antrag der Schule an die Stadt Osnabrück.


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