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Alt-Oberbürgermeister Carl Möller stirbt wenige Tage nach seinem 81. Geburtstag Immer auf der Suche nach Gemeinsamkeiten

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Carl Möller Foto: ArchivCarl Möller Foto: Archiv

Osnabrück. Wenn andere stritten, suchte er das Gemeinsame. Als Politiker und Bauunternehmer erlebte er Höhenflüge und herbe Niederlagen. Am Samstag ist Carl Möller gestorben – wenige Tage nach seinem 81. Geburtstag. Von 1981 bis 1985 war er Oberbürgermeister von Osnabrück.

37 Jahre lang gestaltete der Bauingenieur Carl Möller die Kommunalpolitik in Osnabrück mit. Als junger Ratsherr vertrat er schon 1964 seine Partei, die CDU, im Schlachthofausschuss. Das war der Auftakt einer bemerkenswerten Karriere. Drei Jahre später rückte er in den Landtag nach, als Heinz Franke, der spätere Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, ein Mandat im Bundestag erhielt. Doch in Hannover gab Möller nur ein dreijähriges Gastspiel bis zum Ende der Legislaturperiode.

Schwerpunkt seiner politischen Arbeit blieb Osnabrück. Im Rat machte sich der CDU-Mann für Investitionen stark, etwa für den Ausbau der Universität und das Klinikum am Finkenhügel. Nach der Kommunalwahl 1981 wählte eine Mehrheit von CDU und FDP Carl Möller zum Oberbürgermeister.

In seine Amtsjahre fällt der Bau des Nikolaizentrums und der Mensa im Schlossgarten. Das halb fertige Museum am Schölerberg, das wegen leerer Kassen schon aufgegeben werden sollte, wurde weitergebaut. Und an der Rheiner Landstraße kam es zu Krawallen, als die Stadt die Schließung des Hyde Parks verfügte.

Im Februar 1985 stolperte Carl Möller über eine private Verfehlung und musste von seinem Amt zurücktreten. Bei einer nächtlichen Autofahrt hatte er unter Alkoholeinfluss einen kleinen Unfall gebaut und Fahrerflucht begangen.

Zwei Jahre später konnte er die Insolvenz seines Bauunternehmens nicht mehr abwenden. Die Firma hatte in Arbeitsgemeinschaften mit anderen Betrieben die Tiefgaragen Ledenhof und Nikolaiort, die Stadthalle und das Klinikum am Finkenhügel errichtet. Der Konkurs zwang die Familie Möller, die Villa an der Alten Bornau mit dem umgebenden Park aufzugeben. Heute hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt dort ihren Sitz.

Beruflich kam Carl Möller als Geschäftsführer des Landschaftsverbandes wieder auf die Beine. Dem Rat gehörte er – nach einer kurzen Unterbrechung – bis 2001 an. Nachdenklicher und stiller geworden, widmete er sich in diesem neuen Lebensabschnitt den Städtepartnerschaften und seinem besonderen Steckenpferd, der Stadtgeschichte. Damit war er prädestiniert, den Hansetag vorzubereiten, der 2006 in Osnabrück stattfand. In den vergangenen Jahren wurde es still um Carl Möller. Als die Stadt Osnabrück ihm zu Ehren an seinem 80. Geburtstag im Rathaus einen Empfang gab, merkte er schon an, das sei „vielleicht das letzte Mal, dass ich hier einige Worte sage“.

1964, am Anfang seiner politischen Laufbahn, habe Osnabrück auf Landes- und Bundesebene kaum Bedeutung gehabt, vermerkte Möller. Das sei anders geworden, weil über Parteigrenzen hinweg daran gearbeitet worden sei. Wie ein Vermächtnis wirkt sein Plädoyer, die Stadt Osnabrück möge sich weiterhin für den Frieden einsetzen.


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