zuletzt aktualisiert vor

250.000 Euro Entschädigung zahlen Bewährungsstrafen für Internetbetrüger: 41-Jähriger lockte mit Dialern Nutzer auf infizierte Seiten

Von Henning Müller-Detert

Bewährungsstrafen für Internetbetrüger: 41-Jähriger lockte mit Autodialern Nutzer auf infizierte Seiten Symbolfoto: dpaBewährungsstrafen für Internetbetrüger: 41-Jähriger lockte mit Autodialern Nutzer auf infizierte Seiten Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Im Verfahren wegen Internetbetrugs hat das Landgericht Osnabrück gegen vier Angeklagte Bewährungsstrafen zwischen zwölf Monaten und zwei Jahren verhängt.

Ein 41-jähriger US-amerikanischer Geschäftsmann, zwei 36- und 31-jährige Programmierer aus der Ukraine und Lettland sowie ein 32-jähriger Deutscher standen vor Gericht, weil sie beschuldigt wurden, ab Juli 2002 an einem Computerbetrug durch den Einsatz von Autodialern beteiligt gewesen zu sein. Der Kopf der Bande war bereits in einem früheren Verfahren verurteilt worden. Doch wie war es um die Mitschuld der vier Männer bestellt? Das 90-minütige Plädoyer der Staatsanwaltschaft zeichnete für alle vier Angeklagten nach, wie rund 160000 Nutzer durch immer trickreichere Autodialer auf kostenpflichtige Verbindungen umgeleitet wurden. Gerade die Rolle des Amerikaners stand im Mittelpunkt.

Die Plädoyers der Verteidiger der anderen drei Angeklagten fielen kurz aus, denn schon frühzeitig hatte es eine Absprache mit der Staatsanwaltschaft gegeben: Weil die Männer ein umfassendes Geständnis abgelegt hatten, forderte die Staatsanwaltschaft nur Bewährungsstrafen. Maßgeblich für die Strafzumessung für die beiden Programmierer war die Frage, ob sie Mittäter waren oder sich lediglich der Beihilfe schuldig gemacht haben.

Im Falle der Programmierer erkannte das Gericht auf einen „wesentlichen Tatbeitrag“. Das Ergebnis: Die beiden Männer wurden zu 15-monatigen Bewährungsstrafen verurteilt. Der Deutsche erhielt zwölf Monate. Seine Aufgabe war es, Internetnutzer durch das Lenken von Internetströmen („Traffic“) auf „infizierte“ Seiten zu locken.

Komplizierter lagen die Dinge beim 41-jährigen Amerikaner. Der Vertreter der Anklage versuchte, in seinem Plädoyer die „wichtige Stellung“ des Geschäftsmannes in dem Geflecht nachzuweisen: Er habe die Finanzverwaltung innegehabt, von der illegalen Technik gewusst und mit rund 860000 Euro eine „hohe Eigenbereicherung“ gehabt: „Die anderen taten es, um zu leben. Er tat es, um zu prassen.“

Anders sah dies die Verteidigung des Mannes: Ihr Mandant habe nichts von dem Dialermarkt in Deutschland wissen können. Oft habe der 41-Jährige nur „oberflächliche Tätigkeiten“ ausgeführt, sodass der Rechtsanwalt sogar Bezeichnungen wie „Sekretär“ und „Bote“ benutzte.

Der Schlagabtausch zwischen Staatsanwalt und Verteidigung betraf auch die Entschädigungssumme von 400 000 Euro, die der 41-Jährige aufbringen könne: „Mein Mandant macht sich krumm“, sagte sein Rechtsanwalt. Am Ende kam er hinsichtlich des Geldes sogar besser weg: Er wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt und muss nicht die gesamte in Aussicht gestellte Summe an die Staatskasse zahlen, sondern lediglich 250000 Euro.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN