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Zwei Unbekannte weiter gesucht 18-jähriger Osnabrücker nach Stromschlag am Rangierbahnhof im Koma

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<em>Hier am Rangierbahnhof</em> haben Bahnmitarbeiter Adrian schwer verletzt gefunden. Die Bundespolizei fahndet immer noch nach zwei Unbekannten. Foto: Hermann PentermannHier am Rangierbahnhof haben Bahnmitarbeiter Adrian schwer verletzt gefunden. Die Bundespolizei fahndet immer noch nach zwei Unbekannten. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Hinter jeder Polizeimeldung stehen Menschen und Schicksale. Hinter der Meldung „ Jugendlicher erleidet Stromschlag auf dem Rangierbahnhof Osnabrück “ vom 8. Juli steht Adrian. Und seine Mutter, die sich nun an unsere Zeitung gewandt hat. Denn das Bild, das nun von ihrem Sohn im Raum steht, verletzt sie zutiefst.

Es war einen Tag nach der Abiturfeier, „einer wunderschönen Abiturfeier“, wie Adrians Mutter sagt. Er verabschiedete sich. Ins Kino wollte er, und dann noch in den Hyde Park. „Moment, du kriegst Geld für ein Taxi“, hatte ihm seine Mutter an solchen Abenden stets gesagt, aber ihr Sohn bestand darauf, den Bus zu nehmen. Was dann geschah, weiß niemand.

Adrian liegt seit drei Wochen im Koma und kann sich nicht dazu äußern, was am frühen Sonntagmorgen gegen 5 Uhr auf dem Gelände des Rangierbahnhofs an der Mindener Straße geschah. Nach Angaben der Bundespolizei muss er sich auf einem Güterwaggon aufgehalten haben und durch die Wucht des Stromschlags einer Oberleitung heruntergeschleudert worden sein. Bahnmitarbeiter wurden erst eine halbe Stunde später auf seine Hilferufe aufmerksam, alles, was der 18-Jährige noch sagen konnte, war: „zwei Leute.“ Ein Hubschrauber brachte ihn dann in eine Spezialklinik nach Bochum. Adrian erlitt Verbrennungen an 70 Prozent seines Körpers, auch nach vier Operationen schwebt er immer noch in Lebensgefahr.

Kurz nachdem der Artikel samt Zeugenaufruf im Internet erschienen war, kamen die ersten Reaktionen. Ein Nutzer kommentierte: „Wer sich mit 18 Jahren so dämlich verhält, hat kein Mitleid verdient.“ Ähnliche Kommentare folgten bis sich schließlich Adrians Schwester – entgegen dem Rat ihrer Mutter – einschaltete.

Doch auch sie ist entsetzt über die Vermutungen, die über diesen frühen Sonntagmorgen kursieren. „Adrian ist kein Crash-Kid, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es hier um eine Mutprobe ging.“ Ein stiller Mensch sei Adrian, sein „ganzes Hirn“ hätte er für so eine Wahnsinnstat ausschalten müssen. Da müsste ihm schon jemand etwas ins Bier geschüttet haben. Auch aus ihrem Umfeld vernahm sie immer wieder: „Adrian würde so etwas doch niemals machen.“ Zumal er es besser wissen musste, sagt seine Mutter: Adrian hatte die Leistungskurse Physik und Chemie, im Wintersemester wollte er ein Physik-Studium aufnehmen. Außerdem hätten sie die Gefahren von Starkstrom im Unterricht durchgenommen, erzählte eine Klassenkameradin der Mutter des 18-Jährigen. Auch über den Ort des Geschehens wundert sie sich. „Eigentlich hat er für den Heimweg immer die Hannoversche oder Meller Straße genommen. Wie ist er nur zur Mindener Straße gekommen?“ fragt sie sich. Und so grübelt sie immer wieder über die zwei Leute, die Adrian vor seinem Zusammenbruch erwähnt hatte. Waren sie Bekannte? Unbekannte? Ist ihr Sohn womöglich gejagt worden?

Auch die Bundespolizei tappt derweil noch im Dunklen und hofft weiter auf Zeugen, die an diesem 8. Juli etwas gesehen oder gehört haben. Unterstützt werden sie dabei von Adrians Freunden, die immer wieder Besucher des Hyde Parks ansprechen und ihnen Adrians Foto zeigen. Doch bislang vergebens. Adrians Mutter hat Tränen in den Augen. „Es ist so ungerecht. Adrian hatte Ziele, wollte studieren, hat gejobbt und sogar in den Sommerferien noch einen Norwegischkurs angefangen, weil ihm langweilig war.“ Sie schüttelt den Kopf. Natürlich hofft sie, dass die Polizei die Tat aufklärt. Dennoch sagt sie: „Das ist momentan zweitrangig. Wichtiger ist, dass Adrian nun gesund wird.“

Hinweise erbittet die Bundespolizei unter Tel. 0541/ 331280.


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