Pleite-Baumarkt schließt Preistricks bei Praktiker-Ausverkauf in Osnabrück?

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In der Osnabrücker Filiale der insolventen Baumarktkette Praktiker hat am Freitag der Ausverkauf begonnen. Foto: Gert WestdörpIn der Osnabrücker Filiale der insolventen Baumarktkette Praktiker hat am Freitag der Ausverkauf begonnen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Zum Start des Ausverkaufs der insolventen Baumarktkette Praktiker hat es am Freitag in der Osnabrücker Filiale einen wahren Kundenansturm gegeben. Schon zur Geschäftseröffnung morgens um 8 Uhr füllte sich der Parkplatz an der Hannoverschen Straße, und die ersten Schnäppchenjäger standen Schlange. Wegen überklebter Etiketten vermuteten Kunden Trickserei bei den Preisen.

Die Osnabrücker Niederlassung ist eine von deutschlandweit insgesamt 51 von der Schließung betroffenen Märkten. Die am Standort Osnabrück rund 40 Mitarbeiter sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens werden die Löhne aber weitergezahlt. Am Eingang künden Plakate mit großen Prozentzeichen vom Schlussverkauf. An den Kassen des Baumarkts bildeten sich schon am Vormittag kaum übersehbare Kundenschlangen , auch um die Mitarbeiter bildeten sich immer wieder Menschentrauben. Draußen vor den Eingangstüren waren Einkaufswagen Mangelware.

Derzeit werden auf das Sortiment Nachlässe von 10 bis 25 Prozent gegeben. Der Ausverkauf endet offiziell am 30. November, bis dahin werde es noch höhere Rabatte geben, verriet ein Mitarbeiter – immer gesetzt den Fall, das die Bestände bis dahin ausreichen: „Unser Lager ist komplett leer. Ob noch mal Nachlieferungen aus dem Zentrallager kommen, ist unklar.“

Preise angehoben?

Im Laufe des Tages keimte bei vielen Kunden der Verdacht auf, vor der Rabattschlacht seien die Preise noch einmal bewusst angehoben worden. Überklebte Etiketten würden dies belegen, berichteten Praktiker-Kunden unserer Zeitung. Die Praktiker-Zentrale in Hamburg dementierte: Das Überkleben von Etiketten sei in der Tat „unglücklich“, die letzten Preiserhöhungen habe es allerdings im Frühjahr gegeben. „Das lässt sich anhand von Kennzeichnungen auf den Etiketten auch nachvollziehen“, so ein Pressesprecher.

Das Aus für die Märkte hatte Praktiker in der vergangenen Woche angekündigt, nachdem sich im Insolvenzverfahren keine Käufer für das Unternehmen gefunden hatten. Nach dem Ausverkauf, der je nach Markt bis zu zehn Wochen dauern kann, sollen die Standorte von Konkurrenten oder Handelsunternehmen aus anderen Branchen übernommen werden.

Bereits vorangeschritten ist der Ausverkauf an 51 anderen Praktiker-Standorten, deren Ende seit mehr als einem Monat feststeht. Die ersten Märkte stehen kurz vor der Schließung und verfügen nach den Ausverkaufswochen nur noch über wenig Ware, die zum Teil nahezu verschenkt wird. Für die ebenfalls insolvente Konzerntochter Max Bahr wollen die vorläufigen Insolvenzverwalter bis Ende des Monats einen Käufer finden. Für die Kette mit derzeit 132 Filialen gibt es mehrere Interessenten.


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