zuletzt aktualisiert vor

Kirche hatte Zuschüsse gekürzt Telefonseelsorge: Neuer Förderverein in Osnabrück will finanziell und ideell helfen

Von Ulrike Schmidt

Die Nummer der Telefonseelsorge ist bundesweit einheitlich und gebührenfrei. Archivfoto: dpaDie Nummer der Telefonseelsorge ist bundesweit einheitlich und gebührenfrei. Archivfoto: dpa

Osnabrück. Wer bei der Telefonseelsorge mitarbeitet, ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Verschwiegenheit über die Gespräche, aber auch Verschwiegenheit über das Ehrenamt. Da wird es schwierig, für die in finanzielle Bedrängnis geratene Telefonseelsorge zu werben. Das übernimmt ab sofort ein Förderverein.

Die 0800/1110111 ist die bundesweit einheitliche Nummer der Telefonseelsorge. Unterschiedlich dagegen ist die Trägerschaft und Finanzierung der ökumenischen Einrichtung: In Niedersachsen ist die Hannoversche Landeskirche der Träger und größter Zahler. Und die hat nach Angaben von Pastor Matthias Wille den Zuschuss radikal gekürzt.

Ohne Unterstützung von außen könne es keine Aus- und Weiterbildung oder Supervision für die Mitarbeiter geben, sagt der Leiter: „Und ohne Supervision könnten wir die Telefonseelsorge gleich schließen.“ Auch andere Sachkosten müssten nun aus Spenden erbracht werden. Darunter fallen jährlich allein rund 17000 Euro Fahrkosten für die ehrenamtlichen Mitarbeiter, obwohl heute schon viele die Fahrkosten nicht abrechneten. Die Telefonseelsorge arbeite mit einem Defizit, für das das Diakonische Werk in Stadt und Landkreis einstehe.

Um Geld zu sammeln und für die Telefonseelsorge zu werben, wurde der Förderverein gegründet. Mit den Vereinsmitteln solle vorrangig Fortbildung und Supervision der gut 70 Ehrenamtlichen finanziert werden, sagt die Vorsitzende Beate Diesel. Aber auch der Erhalt guter Arbeitsbedingungen sei den Gründungsmitgliedern ein wichtiges Anliegen. So etwa seien die Räume der Telefonseelsorge dringend renovierungsbedürftig.

Die geplante Öffentlichkeitsarbeit soll Spenden, Zuschüsse und Sponsoren bringen und gleichzeitig auf die wichtige Arbeit der Telefonseelsorge hinweisen. „Nicht allen ist bekannt, was dahintersteckt“, meint Wille. Vor allem der Begriff „Seelsorge“ könne falsche Vorstellungen wecken. Dabei gehe es nicht um die klassische christliche Seelsorge, sondern darum, Menschen in Not zuzuhören und mit ihnen zu sprechen. Die Mitarbeiter müssten nicht den christlichen Kirchen angehören, sollten aber der Kirche als Träger der Einrichtung nicht ablehnend gegenüberstehen.

Für den Dienst am Telefon werden immer neue Ehrenamtliche gesucht. Während einer einjährigen Ausbildung werden sie intensiv auf die Aufgabe vorbereitet. Anschließend verpflichten sie sich zu einem zweijährigen Einsatz für die Telefonseelsorge. Wie Wille berichtet, bedeutet das alle 14 Tage eine vierstündige Schicht, in der Woche dazwischen die begleitende Gruppe. Unter Telefon 0541/260105 gibt es mehr Informationen über das Ehrenamt.

Die Anrufe bei der Telefonseelsorge sind bundesweit kostenlos, die Nummer des Anrufers ist nicht zu sehen.

Kontakt Förderverein: Beate Diesel, Telefon 05404/ 72329, Mail: foerderverein-telefonseelsorge-os@ web.de