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Bundesregierung will Fachpersonal für Sonnenstudios Braun werden nur unter Anleitung

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Osnabrück. Der Sonnenschein ist ein rares Gut in unseren Breiten. Wer sich mit attraktiver Bräune schmücken will, fliegt in südliche Gefilde oder sucht die billigere Variante auf: die Sonnenstudios. Die Bundesregierung will nun verordnen lassen, dass die Bräunung künftig unter Aufsicht von Fachpersonal zu geschehen hat. Der Niedersächsische Industrie- und Handelskammertag (NIHK) sieht darin „einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Berufsausübungsfreiheit“. Zum Glück für Osnabrück: Die Betreiber der hiesigen Sonnenstudios geben an, dort arbeite bereits Fachpersonal.

„Von UV-Strahlung gehen erhebliche Gesundheitsrisiken aus, insbesondere im Hinblick auf die Entstehung von Hautkrebs“, heißt es in der Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung, kurz: UV-Schutz-Verordnung. Die Zahl der Hautkrebserkrankungen sei in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, unter anderem durch häufigere Sonnenurlaube sowie eine vermehrte Solariennutzung. Deswegen will die Bundesregierung vorschreiben, dass die Sonnenbräunung unter Aufsicht von Fachpersonal geschieht. Die Verordnung muss noch vom Bundesrat abgesegnet werden.

Der NIHK hält dagegen: Den Betreibern von Sonnenstudios drohen bundesweit zusätzliche Kosten von 55 Millionen Euro, die in die Einstellungen von Fachpersonal oder Schulungen von Mitarbeitern investiert werden müssten. Für Selbstbedienungs-Sonnenstudios könnte dies das Aus bedeuten, schlussfolgert der NIHK. Hotels, Fitness-Studios oder Schwimmbäder, die Sonnenbänke als Ergänzung ihres eigentlichen Programms anbieten, könnten diesen Service ganz einstellen.

Im Nettebad gibt es zwei Solarien, in der dortigen Loma-Sauna ebenfalls zwei und im Moskaubad ein Solarium. Das Bäderpersonal werde regelmäßig von der Aufsteller-Firma geschult und erhalte entsprechende Informationsunterlagen. „Somit sind auch die zukünftigen gesetzlichen Vorgaben erfüllt“, sagt Bäder-Leiter Wolfgang Hermle. Er hält die Aufklärung über die Gefahren durch die Nutzung von Solarien für sinnvoll und richtig. Hermle betont aber, es gehe bei der Solariennutzung auch um gesundheitliche Aspekte, zu denen die positive Beeinflussung der Psyche bei der Prävention gegen Depressionen in der Winterzeit sowie die Produktion von Vitamin D gehören. „Es kommt wie immer im Leben auf die richtige Dosierung an“, sagt Hermle.

Die UV-Schutz-Verordnung sei eine notwendige Konsequenz, meint Angelika Voß vom AYK-Sonnenstudio. Sie fordert, dass Sonnenstudios, wo sich die Kunden unbeaufsichtigt bräunen könnten, verboten werden müssten. Viele Betreiber und deren Mitarbeiter würden den richtigen Umgang mit Sonnenbänken gar nicht kennen.

Angelika Voß fragt sich, wer die neue Verordnung überprüfen soll. Das weiß auch das niedersächsische Sozialministerium als oberste Gesundheitsbehörde in unserem Bundesland noch nicht, wie eine Sprecherin auf Anfrage der Neuen OZ sagte. Die Verantwortung liegt also letztendlich bei den Betreibern.

Ralf Meier, dem das Sonnenstudio Profi Sun & More gehört, meint, der Begriff Fachpersonal sei falsch, da es ausgebildete Berufsfachkräfte nicht gebe. „In Sonnenstudios müssen Menschen arbeiten, die hinter diesem Beruf stehen“, sagt er. So könnten sie ihre Kunden richtig beraten und sehen, welche Bräunung sie vertragen. Die Anzahl der Selbstbedienungs-Sonnenstudios habe in den vergangenen Jahren sowieso abgenommen, sagt Meier. Die gesamte Branche habe zudem mit einem Umsatzrückgang von 25 Prozent zu kämpfen.


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