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Stilbildende Glanzlichter aus Holland Ausnahmeband „Nits“ begeistert in der Lagerhalle

Große Stimme: Nits-Mastermind Henk Hofstede (vorn) in der Lagerhalle. Foto: Elvira PartonGroße Stimme: Nits-Mastermind Henk Hofstede (vorn) in der Lagerhalle. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Avantgarde können sie nicht mehr sein. Mit mehr als zwei Dutzend Alben auf dem Buckel setzt die seit 1974 bestehende holländische Ausnahme-Band „Nits“ wie ein Fels in der Brandung aber nach wie vor stilbildende Glanzlichter in Sachen originärer, kunstvoller Pop-Musik.

Das bewiesen die agilen Amsterdamer auch im gut gefüllten Saal der Lagerhalle, nachdem die rheinische Frohnatur Judith Hoersch im Vorprogramm mit pointierten, prägnant musikalisch illustrierten, mit Reggae- und Punkrock-Einlagen gewürzten Großstadt-Chansons über „Scheißkerle“, einen „Sekundendieb“ und den „Arsch am Meer“ ebenso überraschte wie überzeugte.

Unaufdringlich elegant mit Hut, schwarzem Baumwollanzug und roter Gitarre bezauberte Nits-Mastermind und Songwriter-Legende Henk Hofstede von Beginn an die Fans mit seiner eindringlich sonoren, tiefen und voluminösen, dabei aber erstaunlich variantenreichen Bass-Stimme, die durch Mark und Bein ging. Und als warme Erzählstimme in fast jeden Song mit einer hübschen, liebevoll formulierten Anekdote einführte.

Der Seiltänzer, der im Gründungsjahr der Nits zwischen den New Yorker Twin Towers balancierte, inspirierte zum Song „Man on a Wire“, einem ebenso großartigen wie unprätentiösen Stück Kammer-Pop, das wie die aktuelle Single „Love Locks“, die mit Atem raubendem Spannungsaufbau das gegenwärtige Phänomen der Liebesschlösser an Brückengeländern beschreibt, vom neuen Album „Malpensa“ stammt. Aber auch Klassiker wie das shantyartige und entsprechend akkordeonlastige „Adieu Sweet Bahnhof“ durften natürlich nicht fehlen.

Dafür nahm Henk Hofstede mal sein altes Banjo in die Hand, mal die Mundharmonika in den Mund oder setzte sich persönlich ans Keyboard. Die gläserne Bass-Trommel von Schlagzeuger Rob Kloet sorgte für gezielte Schläge, die Becken wurden mitunter sanft gepinselt, die Standtrommel sogar geblasen für unerhörte Klangeffekte.

Mit der für den gehandicapten Keyboarder Robert Jan Stips in die Band zurückgeholten Laetitia van Krieken fügte sich zudem eine weibliche Stimme nahtlos und gewinnbringend in die stets melodiebetonten Klanglandschaften ein. Szenische, teils waghalsige Tempo- und Rhythmuswechsel und das kunstvolle Spielen mit den Stilen zeichnen die pointierten Klangbilder der Nits aus.

Stellvertretend dafür stand am Schluss „Sister Rosa“, der unterschiedlichste Einflüsse von Folk bis Flamenco gekonnt konfundiert. Nach stehenden Ovationen setzte man dann auf den „Bauhaus Chair“ als zunächst sedierende erste Zugabe, um es dann mit „In the Dutch Mountains“ noch einmal richtig krachen zu lassen, dem einzig wirklichen Hit einer wie ein unverwüstlicher Solitär aus der Landschaft der Popkultur herausragender Band, die keine Hits nötig hat, um mit ihrer unvergleichlichen Pop-Kunst Berge zu versetzen. Weit über die holländischen hinaus.


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