Ein Tag als Landschaftsgärtner Fall für Fays: Schuften bei Sonne und Staub



Bissendorf. Ringsum Getreidefelder, ein Hochsitz und singende Vögel. Die Baustelle ist ein Traum für jeden Landschaftsgärtner. Dieser „Fall für Fays“ verspricht Idylle. Entsprechend entspannt bin ich zunächst, als ich Landschaftsgärtnern einen Tag helfe, auf 2000 Quadratmetern einen Garten mit Schwimmteich anzulegen. Doch bei knapp 30 Grad habe ich diese schweißtreibende Schufterei unterschätzt.

Bei der Anfahrt zur Baustelle morgens um sieben tragen Vorarbeiter Thomas Glüsenkamp und sein Mitarbeiter Felix Barath lediglich T-Shirts. Ich sitze auf der Rückbank ihres Transporters und frage Thomas (Gärtner duzen sich): „Ist das nicht ein bisschen kalt?“ Der 48-jährige Landschaftsgärtnermeister lacht verschmitzt und entgegnet: „Kalt? Nein. Das wirst du spätestens in einer Stunde merken.“ In diesem Moment hätte ich ahnen können, was auf mich zukommt. Doch ich werde noch ein bisschen brauchen, um zu realisieren, dass Landschaftsgärtnerei mehr mit dem Knochenjob eines Bauarbeiters gemein hat, als mit dem gängigen Klischee vom Gärtner als Töpfchenkrauter.

Die beiden Landschaftsgärtner arbeiten bereits seit drei Wochen auf der Baustelle. Sie haben die Grasnarbe mit Radbaggern abgeschält, einen Schwimmteich angelegt und einen Stabgitterzaun gesetzt, der das Grundstück nach vorne und zur rechten Seite von dem Getreidefeld abgrenzt. „Es fehlt noch ein Wildschutzzaun auf der anderen Seite“, erklärt Thomas und führt mich zu meinem Einsatzgebiet. Ich streife mir die grüne Gärtnerweste über und beginne zusammen mit Felix auf einer Länge von 40 Metern einen 26 Zentimeter tiefen Graben anzulegen. Thomas klebt einen Streifen auf den Holzstiel meines Spatens, damit ich nicht zu tief grabe. Dann fährt er den Beton mit einem Radlader an, mit dem ich daraufhin den Graben fülle. Nach etwa einer Stunde bin ich fertig. Schweißperlen tropfen von der Stirn. Thomas hat recht behalten. Mir ist noch vor der Frühstückspause so warm, dass ich sogar die grüne Weste über meinem T-Shirt ausziehen muss. Und das, obwohl der anstrengende Teil des Vormittags erst noch folgt.

Thomas zeigt auf einen Stapel mit jeweils rund 20 Kilo schweren Kantensteinen, die auf dem Pflaster des ehemaligen Bauernhofs liegen. Diese schleppe ich nun etwa 50 Meter hinter den Graben, den ich mit Beton gefüllt habe. Felix setzt die Kantensteine so in den Beton ein, dass sie im Lot stehen. Dabei ist er auf meine Vorarbeit angewiesen und sagt zu Thomas: „Er hat den Beton schön eingesetzt.“

Das Lob motiviert mich für den nächsten Arbeitsschritt: Pfähle einschlagen. Thomas reicht mir einen Vorschlaghammer mit einem sechs Kilo schweren Hammerkopf. Dann holen wir die etwa 2,50 Meter langen Pfähle aus einem Schuppen. Alle drei Meter setzen wir einen Pfahl ein. Das heißt: Ich schlage sie mit mehr als ein Dutzend Schlägen pro Pfahl ein, und Thomas überprüft, ob sie im Lot stehen. „Du trägst den Vorschlaghammer, ich die Verantwortung“, rechtfertigt er sich und lacht.

Ich mache die Arbeit, die sonst Felix übernommen hätte, der gerade seine dreijährige Ausbildung abgeschlossen hat, und wundere mich, wie schweißtreibend Gärtner auf dieser Baustelle arbeiten müssen. „Die meisten stellen sich bei unserem Beruf irgendwas mit Blumen vor. Dass wir Landschaftsgärtner aber eigentlich Betongärtner sind, das wissen nur die wenigsten“, kommentiert Thomas.

Die Sonne steigt immer höher. Mit jedem der mehr als ein Dutzend Pfähle, die ich unter Thomas’Anleitung einschlage, schwitze ich stärker. Die Jeans klebt an den Beinen, die Wirkung des Deos lässt nach, und unter den Achseln bilden sich Flecken. Das größte Problem ist: Auch die Bremsen fühlen sich davon angezogen. Bis zur Frühstückspause um zehn habe ich etwa einem halben Dutzend der blutsaugenden Insekten den Garaus gemacht.

Zur Pause bin ich froh, dass uns der Geräteschuppen Schutz vor den Parasiten bietet. Obwohl die Temperaturen weiter steigen und gegen Mittag an der 30-Grad-Marke kratzen, ziehe ich mir wieder die Gärtnerweste an. Ich bilde mir ein, dass das Grün nicht so anziehend auf die Insekten wirkt wie mein türkises T-Shirt.

Die Bremsen lassen jedoch auch nach der Pause nicht von mir ab, als Thomas wieder Beton anliefert. Felix und ich schnappen uns die Spaten und setzen den Beton von beiden Seiten als Rückenstütze für die Kantensteine ein. Danach darf ich bis zum Mittag in der Schubkarre herumliegenden Bauschutt einsammeln und mit Wasser und Drahtbürste die eingesetzten Spaten und Kellen vom Beton befreien. Ich schlage inzwischen sogar mit dem Spaten nach den Bremsen. Felix und Thomas hingegen bleiben ganz ruhig. Entweder sie haben sich an die Bisse gewöhnt, oder sie transpirieren einfach nicht so stark und ziehen die Insekten damit nicht so stark an. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. Thomas sagt lediglich: „Sonne und Schweiß sind mir lieber als Regen und kaltes Wasser.“ Er bezeichnet das Wetter und die Baustelle als einen Traum: „Wir haben Platz, Idylle und keine anderen Handwerker. Das ist nicht immer so.“

In der Mittagspause erzählt Thomas auch von den Schattenseiten des Berufs: „Felix hatte in der Ausbildung eine Rückenschule. So etwas gab es bei uns gar nicht. Deshalb hatte ich auch schon zwei Bandscheibenvorfälle. Jetzt mache ich Rückentraining, und es geht wieder.“ Allerdings glaubt er nicht, dass er den Beruf mit demselben körperlichen Einsatz noch 19 Jahre bis zur Rente ausüben kann. Für den Schwimmteich hinter dem Haus habe er mit Felix zum Beispiel 120 Kilo schwere Blockstufen hieven müssen. „Sagen wir so: Danach konnte ich abends ganz gut schlafen“, sagt er lässig.

Nach der Mittagspause fegen wir den Innenbereich des Schwimmteichs und tauschen die Schrauben in der Beleuchtung des Teiches aus. Der Schwimmteich ist das Aushängeschild von Dukat . Der Garten- und Landschaftsbauer verspricht, dass er sich durch einen Skimmer und spezielles Filtersubstrat von selbst biologisch reinigt. Das Mineralgemisch soll in diesem Fall dafür sorgen, dass das Tauchbecken sauber bleibt. Die dazugehörige Sauna entsteht dahinter. Eine Glasfront wird dafür sorgen, dass der Bauherr beim Saunieren künftig freien Blick auf die weiten Felder und den Hochstuhl davor hat.

Felix erteilt mir den Auftrag, Speis anzurühren, und erklärt: „Nimm dazu Zement und Wasser. Mische das einfach nach Gefühl, sodass es am Ende schön cremig ist.“ Ich kippe eine Zementmischung in eine Schubkarre und gebe Wasser dazu, doch am Ende ist es so flüssig, dass wir die Hälfte wieder auskippen müssen. Felix gibt neuen Zement hinzu und rührt die Mischung wie ein Koch zu einer Creme zusammen. Mit dem Speis schmieren wir den Schachtring eines Brunnens ein und setzen dann mithilfe eines Radladers einen Konus darauf. „Schächte setzen. Das ist Gala-Bau“, lobt Thomas. Dann befestige ich die Erde rings um den Schacht mit einem Stampfer, fege Pflastersteine und räume Spaten, Stampfer, Schubkarren und Besen bis zum Feierabend zusammen. Meine Augen tränen von der sengenden Sonne und der staubigen Luft.

Als wir Viertel nach vier zum Dukat-Betriebshof in Belm fahren, glühen mein Kopf und meine Arme. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich Sonnenbrand auf der Kopfhaut habe. Dabei habe ich als gebürtiger Südwestfranzose eigentlich eine unempfindliche Haut. Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Thomas und Chef Jürgen Dukat sind so zufrieden mit meiner Arbeit, dass sie nicht nur den regulären Arbeitslohn von 125 Euro zahlen, sondern weitere 375 Euro für den Verein „Wir starten gleich“ spenden. Nach den ersten Einsätzen als Barkeeper , Wäscherei-Fachkraft und Tierpfleger kamen zuvor bereits 706,46 Euro zusammen.


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