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Immer donnerstags auf dem Nikolaiort Aktion „Mahnwache Osnabrück“ demonstriert seit zehn Jahren gegen den Krieg

Gegen den Krieg demonstrieren seit zehn Jahren Monika Röseler und Nils Stickan. Am Donnerstag feiern sie im Café Mojo an der Augustenburger Straße. Foto: Elvira PartonGegen den Krieg demonstrieren seit zehn Jahren Monika Röseler und Nils Stickan. Am Donnerstag feiern sie im Café Mojo an der Augustenburger Straße. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Seit zehn Jahren demonstriert die Aktion „Mahnwache Osnabrück“ jeden Donnerstag von 18 bis 18.30 Uhr auf dem Nikolaiort still für den Frieden. Das kleine Jubiläum wird am Donnerstag nach der Mahnwache im Café Mojo an der Augustenburger Straße gefeiert.

Gegründet wurde die Gruppe unmittelbar nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001. Die Initiative ging von Pastor Martin Wolters von der Lutherkirche aus. Im Laufe der Zeit verlief sich aber ein Teil der Gruppe. Übrig geblieben waren Monika Röseler, Nils Stickan und Detlef Tyburski.

In die Freude über den zehnten Jahrestag mischt sich bei Monika Röseler und Nils Stickan Trauer. Ihr Mitstreiter Detlef Tyburski ist im Juli verstorben. „Er wollte die zehn Jahre unbedingt schaffen“, sagt Stickan. Der 47-jährige Künstler erzählt, dass Tyburski extra mit dem Rollator aus Mettingen anreiste, nur um bei der Mahnwache dabei sein zu können.

Rückblickend sagt Nils Stickan, dass das Jahrzehnt auf dem Nikolaiort ein „interessantes soziologisches Experiment“ gewesen sei. „Ich habe gesehen, wie sich die politische Großwetterlage in den Köpfen der Leute widerspiegelt.“ Vielen Menschen sei bewusst, dass es bei den modernen Kriegen im Irak und Afghanistan um Ressourcen gehe, meint Stickan. Die meisten sagten jedoch, sie seien machtlos. „Die Leute sind klug genug zu wissen, dass eine gerechte Verteilung der Ressourcen ihren Wohlstand einschränken würde.“

Ihm mache aber vor allem Sorgen, dass gerade viele junge Leute den Krieg als politisches Instrument akzeptieren würden. Dies schließt er aus den Kommentaren, die er donnerstags immer wieder zu hören bekommt. Monika Röseler sagt, es gebe auch viele positive Rückmeldungen. „Viele finden es toll, was wir machen.“

Dass die beiden Friedensaktivisten immer noch mit ihrem Transparent auf dem Nikolaiort stehen, liegt an unterschiedlichen persönlichen Motiven. „Ich will etwas gegen den Wahnsinn des Kriegs machen“, sagt Nils Stickan. Er sei nicht unbedingt ein Pazifist, Krieg als Mittel der Politik sei für ihn aber nicht akzeptabel, sagt er. „Ich kann nicht in Ruhe zu Hause sitzen und nichts tun“, beschreibt die 57-jährige Monika Röseler ihre Antriebsfeder.

Am Donnerstag, 22. September, soll nun mit Freigetränken und kostenloser Suppe im Café Mojo gefeiert werden. Stickan hat einige befreundete Künstler aufgefordert, einen Beitrag zur Feier zu leisten. Was das genau sein wird, kann er aber nicht sagen.

Beinahe wäre es gar nicht zum Zehnjährigen gekommen. Ein Fahrrad-Polizist fragte eineinhalb Jahre nach Beginn der Mahnwache nach einer Genehmigung. Die konnte die Gruppe nicht vorweisen. Nils Stickan erzählt, ihm sei angedroht worden, wenn er nicht die erforderlichen Papiere vorweisen könne, würde er verhaftet werden. Kurzerhand erklärte er die Mahnwache zur Kunstaktion. Als Künstler dürfen sie nun für den Frieden werben.


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