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3. Bürgerdialog Verkehrswende In Osnabrück sollen Busse bald an den Autos vorbeiziehen

Von Rainer Lahmann-Lammert | 02.06.2016, 17:44 Uhr

53000 Pendler aus dem Umland fahren täglich nach Osnabrück – der größte Teil mit dem Auto. Wie können diese Menschen zum Umsteigen auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel motiviert werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 3. Agenda-Bürgerdialogs zur Verkehrswende im Rathaus.

Die Unwetterkatastrophe in Süddeutschland war auch beim Bürgerdialog ein Thema. Starkregen seien eine Folge der Temperaturerhöhung durch Klimagase, erklärte Moderator Thomas Polewsky, und die gingen zu einem Drittel auf den Verkehr zurück. Wenn Stadt und Landkreis ihr klimapolitisches Ziel – 50 Prozent weniger CO2 bis 2050 – erreichen wollten, müsse sich das Mobilitätsverhalten grundlegend ändern.

Kurze Wege schaden nicht nur dem Auto

Dass es beträchtliche Unterschiede zwischen Stadt und Land gibt, unterstrich Sonja Köhne von der Planungsgesellschaft Nahverkehr (Planos). Eine repräsentative Erhebung weise aus, dass 42 Prozent der Osnabrücker für Wege zwischen 1000 und 3000 Metern das Auto nehmen. Im Landkreis liege die Quote dagegen bei 70 Prozent.

Stadtbaurat Frank Otte nannte diese Zahlen „erschreckend“. Wer für so kurze Entfernungen den Motor anlasse, tue seinem Auto nichts Gutes, seiner Stadt aber erst recht nicht. Jeder Verkehrsteilnehmer müsse sich vor jeder Fahrt fragen, welches Verkehrsmittel das passende sei.

Um dem öffentlichen Nahverkehr mehr Fahrgäste zuzuführen, sprach sich Otte für kürzere Taktzeiten und Busvorrangsysteme aus: „Der Autofahrer muss jeden Morgen sehen, wie der Bus an ihm vorbeizieht!“ In diesem Zusammenhang kündigte er einen Umbau der Bramscher Straße an, die es den Bussen erlauben soll, sich ohne Umwege am Hasetor und an der Haster Mühle einzufädeln.

Mit dem E-Bus zur Landesgartenschau

Busvorrangschaltungen forderte auch Jörg Schneider, der Niederlassungsleiter von Weser-Ems-Bus. Denn derzeit bleibe auch der Bus im Stau stecken. Er gab die Devise aus: „Jeder, der nicht mit dem Auto in die Stadt fährt, ist ein Gewinn!“ Dabei habe er keineswegs den Anspruch, „jeden in den Bus zu ziehen“. Im Binnenverkehr der Umlandgemeinden sei das Fahrrad im Zweifel die bessere Alternative.

„Unsere Stärke ist der interkommunale Verkehr“, meinte Schneider, und erklärte auf eine entsprechende Anfrage, dass die Einführung von Elektrobussen auf keinen Fall dazu führen werde, dass die Fahrgäste an der Stadtgrenze umsteigen müssten. „Wir verdienen unser Geld damit, dass wir die Leute aus der Region nach Osnabrück fahren“, vermerkte der Weser-Ems-Bus-Manager, und da habe er kein Interesse, seinen Kunden das Leben schwerer zu machen. Technisch gesehen sei das aber auch bei modernen Batteriebussen kein Problem. Und falls die Stadt Bad Iburg zur Landesgartenschau als Leuchtturmprojekt eine E-Buslinie wünsche, „dann machen wir das!“, kündigte Scheider an.

Hagener sind zufrieden

In ihrem Statement regte Bürgermeisterin Annette Niermann einen Expressbus an, der die Menschen aus Bad Iburg ohne den sonst üblichen Umweg über Oesede und Harderberg nach Osnabrück bringt. Zugleich sprach sie sich für ein übersichtlicheres Tarifsystem aus und für Monatskarten, für die man nicht Monat für Monat Schlange stehen müsse: „Wir haben doch Apps!“

Äußerst zufrieden äußerte sich Ralf Zumstrull von der Gemeinde Hagen, deren Einwohner seit einem Dreivierteljahr im 20-Minuten-Takt nach Osnabrück fahren können. Verbesserungsbedarf gebe es jetzt noch bei den Fahrradabstellplätzen an den Bushaltestellen, meinte Zumstrull: Viele Buskunden nutzten E-Bikes und hochwertige Fahrräder. Die müssten dort sicher verwahrt werden.

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