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Bald mehr Einwohner Oldenburg zieht 2015 an Osnabrück vorbei


Osnabrück. Osnabrück wird seine Stellung als drittgrößte Stadt Niedersachsens spätestens 2015 an Oldenburg verlieren. Das geht aus dem Bericht der Stadt zum demografischen Wandel hervor.

Osnabrück gewann zwar 2008 bis 2010 Einwohner dazu, kann das Tempo von Oldenburg aber nicht mithalten. Der aktuellen Prognose zufolge wird Osnabrück 2015 161200 Einwohner haben, Oldenburg zum selben Zeitpunkt 162500 und damit hinter Hannover und Braunschweig auf Platz drei in Niedersachsen stehen.

Der Fachbereich Stadtentwicklung und Integration hat zum zweiten Mal eine Analyse zur Bevölkerungsentwicklung in der Stadt und Region Osnabrück vorgelegt. Das Monitoring, das sich auf Zahlen bis 2010 stützt, soll dem Rat und der Verwaltung Grundlagen für die politische Arbeit liefern. Nach den jüngsten Daten des Niedersächsischen Landesbetriebes für Statistik (Stand: Juni 2011) leben in Osnabrück 164185 Menschen.

„Die Region Osnabrück ist noch gut aufgestellt“, sagt die Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung und Integration, Patricia Mersinger. „Aber es gibt Handlungsbedarf.“ Ziel müsse es vor allem sein, junge Menschen in der Region zu halten und Bedingungen zu schaffen, „dass man in Osnabrück gut altern kann“.

1995 erreichte die Stadt mit 168618 Einwohnern die höchste Bevölkerungszahl ihrer Geschichte. In den Jahren danach bewegt sich der Pfeil tendenziell nach unten, auch wenn es in einzelnen Jahren Zuwächse gab. Eine Grundkonstante ist: Die Zahl der Sterbefälle übersteigt die der Geburten. Gewinnen kann die Stadt nur durch Wanderungsbewegungen.

Im vergangenen Jahrzehnt (2001 bis 2010) glich Osnabrück das Geburtendefizit von 1840 durch Zuwanderung in gleicher Höhe aus. Damit ist die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung besser als vorhergesagt. Die amtlichen Prognosen gingen bislang von einem Rückgang bis 2030 um 3,3 Prozent aus.

Eine Rolle spielt dabei die Vermarktung der Briten-Wohnungen. Viel bedeutsamer aber ist die starke Zuwanderung junger Menschen zwischen 18 und 25 Jahren. Darin zeige sich die Stärke Osnabrücks als Hochschul- und Ausbildungsstandort, sagt Patricia Mersinger. In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der 18- bis 25-Jährigen in Osnabrück um 12950. In allen anderen Altersgruppen ist der Wanderungssaldo dagegen negativ – es zogen also mehr fort als zu. Es ist ein altes Problem der Stadt: Viele Familien mit kleinen Kindern suchen im Umland ihr Wohn-Glück.

Aus diesen Daten formuliert Mersinger ein Entwicklungsziel: Die Stadt müsse den jungen Menschen nach Ende von Studium oder Ausbildung qualifizierte Arbeitsplätze und passenden Wohnraum bieten, um sie hier halten zu können.

Das wird auch vor dem Hintergrund der sinkenden Zahl von Arbeitskräften in der Region wichtig. In der Stadt wird nach der Prognose des Monitorings die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter (18 bis 65) bis 2030 um 7,6 Prozent sinken. Im Landkreis Osnabrück wird sogar ein Rückgang von 14 Prozent erwartet, im Kreis Steinfurt von acht Prozent. Dramatisch ist die Entwicklung in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen: Bis 2030 wird deren Zahl in unserer Region um 25 Prozent von 83000 auf 62000 sinken.

Patricia Mersinger zeigt in diesem Zusammenhang auf die gegensätzliche Entwicklung in den Landkreisen Cloppenburg, Vechta und Emsland, wo weiter Bevölkerungszuwächse erwartet werden. Und für junge Menschen aus diesen Landkreisen ist Osnabrück ein attraktiver Studien- und Ausbildungsort.

Ein Blick auf die Stadtteile: Dodesheide (plus 7 Prozent), Atter (plus 14) und der Westerberg (plus 1,3) sind in den vergangenen 15 Jahren gewachsen. Die deutlichsten Bevölkerungsverluste melden die Innenstadt (minus 7,9), Weststadt (minus 7,5), Schölerberg (minus 6,6) und Wüste (minus 4,1).

Der komplette Bericht im Internet unter: www.osnabrueck.de/demographischer-wandel


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