Planos weist Vorwurf zurück Osnabrück: Lügen die Bus-Planer?

Oberleitungsbus der Marke Viseon. Foto: ViseonOberleitungsbus der Marke Viseon. Foto: Viseon

Osnabrück. Die Stadtbahn-Initiative wirft der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) vor, mit falschen Zahlen zu hantieren. „Lügt die Planos hinsichtlich einer Obus-Förderung?“, fragt der Sprecher der Stadtbahn-Initiative, Thomas Polewsky. Harald Schulte von der Planos weist den Vorwurf mit Nachdruck zurück.

Es geht um eine wichtige Weichenstellung für den Osnabrücker Nahverkehr in den kommenden Jahrzehnten. Die Stadtwerke und Nahverkehrsplaner favorisieren den modernen Oberleitungsbus (Obus), der sich problemlos abkabeln und wieder einfädeln kann. Leitungsfreie Strecken kann der Obus mit Batterien überbrücken. Die Obusse haben einen höheren Wirkungsgrad als Dieselfahrzeuge, sind lautlos und in der Stadt völlig emissionsfrei. Die Stadtbahn-Initiative setzt sich dagegen für den schrittweisen Aufbau eines Schienennetzes ein.

Die Initiative argwöhnt, dass die Planos, „die mit dem Busbetrieb der Stadtwerke unter einem Dach steckt“, in der Systemfrage keine „neutrale und unbefangene Position“ einnehme. Die Behauptung der Planos, die Anschaffung der Oberleitungsbusse könne vom Land mit bis zu 70 Prozent gefördert werden, sei nicht korrekt. Das Wirtschaftsministerium unterstütze Busanschaffungen schon seit Jahren nicht mehr. Auch dass das Systemgutachten der Planos im Gegensatz zum Willen des Stadtrates die Pendlerströme mit den Nachbargemeinden unberücksichtigt lasse, spreche gegen eine saubere und sachgerechte Abwägung.Die Stadt stehe vor einer „Jahrhundertentscheidung“, die nicht durch „falsche Sachverhalte manipuliert“ werden dürfe, warnt Polewsky.

Harald Schulte von der Planos sieht die Planer zu Unrecht der Lüge bezichtigt. Die Planos habe stets darauf hingewiesen, dass es keinen Rechtsanspruch auf Förderung gebe. Es sei eine politische Entscheidung des Landes, welche Projekte gefördert werden. Voraussetzung sei, dass die Systemumstellung komplett durchkonzipiert werde und vor Ende des aktuellen Förderprogramms 2019 starte. Osnabrück habe aber gute Chancen: „Wir sind positiv gestimmt, dass es geht“, sagte Schulte. Bei den Fördermitteln handelt es sich um Bundesgelder, die vom Land verteilt werden. Die Investitionskosten für das Obus-System werden auf 94 Millionen Euro geschätzt.

In der von der Stadt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie schließen die Gutachter eine Straßenbahn aus. Der volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Faktor sei so niedrig, dass eine öffentliche Förderung ausscheide. Außerdem gebe es zahlreiche Einschränkungen durch Brücken, Bahnübergänge und Steigungen.

Die rot-grüne Zählgemeinschaft im Rat und die CDU bekennen sich zum Obus-System. „Wir wollen die Mobilitätsangebote in der Stadt qualitativ verbessern und zugleich die Belastungen durch Lärm, Staub und Abgase verringern“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der verkehrspolitischen Sprecher Heiko Panzer (SPD) und Jens Meier (Grüne). Ziel sei, den Anteil von Bus und Bahn um 20 Prozent zu steigern. Die Straßenbahn bleibe als Zukunftsoption erhalten. SPD und Grüne unterstützen außerdem das Ziel, eine Regio-S-Bahn zu schaffen. Dazu bedürfe es weiterer Bahnhalte in Stadt und Region, einer Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn und eines 30-Minuten-Taktes beim Haller Willem.

Die Obusse werden auch nach Meinung der CDU den Nahverkehr verbessern und die Lebensqualität erhöhen. Der OB-Kandidat der CDU, Wolfgang Griesert, und Ratsfrau Anette Meyer zu Strohen erteilen der Straßenbahn eine klare Absage. Bei Investitionskosten von 275 Millionen Euro für 25 Schienenkilometer sei die Bahn „kaum realisierbar“. Die Diskussion sei offen geführt worden, doch jetzt müsse den Menschen ehrlich gesagt werden, dass es aus technischen und finanziellen Gründen keine Straßenbahn geben werde.


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